Fischzucht

Der Mensch betreibt zwar schon seit über 4000 Jahren Fischzucht, doch ist die auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhende Fischzucht, die auch als Aquakultur bezeichnet wird, noch relativ jungen Datums. Sie begann, als die Fangquoten bei den meisten Nutzfischen erheblich zurückgingen. Die Bedeutung der Aquakultur
Die jährliche Gesamtproduktion von Fisch im Rahmen der Aquakultur beläuft sich augenblicklich erst auf etwas mehr als 5 Mio. Tonnen, doch nimmt sie stetig zu. In einigen Entwicklungsländern ist die Aquakultur von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Die Erträge aus Aquakulturen sind in China mit mehr als 2 Mio. Tonnen pro Jahr die größten in der Welt. Indonesien, Indien, die Sowjetunion, die Philippinen, Thailand, Japan und Taiwan haben ebenfalls eine bedeutende Fischzucht. In Europa und den USA ist die Aquakultur bisher – abgesehen von Muschelkulturen – weniger für die Produktion als für technologische Forschungen durchgeführt worden. Meeresbuchten, Seen, Salz- und Süßwasserlagunen, flache Küstengewässer, künstlich angelegte Teiche, Mangrovensümpfe u. ä. können für die Fischzucht genutzt werden. Nach den letzten veröffentlichten Angaben dürften weltweit ungefähr 3 Mio. Hektar Wasserfläche der Fischzucht dienen. Einige Fachleute sind der Meinung, dass diese Fläche in absehbarer Zeit auf 30 Mio. Hektar vergrößert werden und die Weltproduktion von Fisch aus Aquakulturen auf 40-50 Mio. Tonnen im Jahr 2000 gesteigert werden könne. Die künstliche Fischzucht erstreckt sich in erster Linie auf Weichtiere, Krebstiere und die eigentlichen Fische. Die Zucht von Weichtieren wie Muscheln und Austern wird insbesondere in Europa, Nordamerika und Japan schon seit vielen Jahren betrieben. Die Entwicklung intensiver Brutsysteme machte es möglich, viele Weichtierspezies in Massenzuchtverfahren zu erzeugen. Die Zucht von Krebstieren – zu denen auch Krabben und Garnelen gehören – hat langsamere Fortschritte gemacht. Die kommerzielle Massenproduktion von Krabben und Garnelen konnte infolgedessen bisher noch keine Bedeutung erlangen, doch dürfte sich dies in naher Zukunft ändern. Künstliche Fischzucht ist bei vielen Süßwasserfischarten möglich, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg. Hierzu gehören u. a. Karpfen, Zwergwels, Forelle, Lachs und Aal. Die einzigen Seefische, die in größeren Mengen gezüchtet werden, sind Milchfisch und Blei. Allerdings laufen zurzeit auch schon Versuche mit Plattfischen, wie z. B. Seezunge, Steinbutt, Heilbutt und Scholle. Methoden der Aquakultur Es gibt viele und zum Teil sehr unterschiedliche Methoden der Aquakultur, doch lassen sie sich in vier Hauptarten einteilen. Die erste Methode beruht darauf, die jungen Fische während der besonders gefährdeten Lebensperiode geschützt aufzuziehen und sie erst dann, wenn sie erwachsen sind, zusätzlich zum natürlichen Fischbesatz in das ihnen entsprechende Wasser einzusetzen (z. B. Forelle oder Stör). Eine zweite Methode besteht darin, die noch nicht geschlechtsreifen Fische und Meerestiere einzufangen. In entsprechenden Gewässern gefangen gehalten, müssen sie sich ihr Futter entweder selbst suchen oder werden mit Zusatzfutter versorgt und aufgezogen. An diese Art der Zucht sind am besten angepasst Milchfische, Meeräschen, Garnelen, Austern und Muscheln. Eine dritte Technik der Aquakultur ist die Gewinnung befruchteter Eier von Wildfischen. Diese Eier werden ausgebrütet und die Brütlinge bis zu einer marktfähigen Größe gezüchtet. Bei der am weitesten entwickelten vierten Methode der Aqultur werden die Eier von gefangen gehaltenen Laichfischen ausgebrütet und die Jungen aufgezogen, so dass ein stetig wachsender Brutbesatz erreicht wird. Der Züchter kann in diesem Fall den gesamten Lebenszyklus der Tiere kontrollieren und ohne Schwierigkeiten eine selektive Züchtung betreiben, d. h. ergiebige Fischbestände heranziehen. Forelle, Lachs, Zwergwels, Karpfen und Austern werden so mit Erfolg gezüchtet. Technologische Entwicklungen
Die beschriebenen sorgfältig kontrollierten Fischzuchtformen haben erhebliche technologische Entwicklungen durchgemacht. Bei geschlossenen Wasserkreislaufsystemen ist es z. B. dem Züchter möglich, Abfallstoffe wie Ammoniak, Harnstoffe und Futterreste aus dem Wasser zu entfernen und das so behandelte Wasser wieder als sauberes Wasser zu verwenden. Da Fische in warmem Wasser schneller wachsen, sind einige Fischzuchtbetriebe in der Nähe von Kraftwerken angesiedelt. Die Züchter können das warme Wasser der Kühltürme ausnutzen und somit das Wachstum der Fische verbessern und Heizkosten sparen. Bei der Beurteilung der Möglichkeiten der Aquakultur Techniken müssen jedoch auch einige Faktoren berücksichtigt werden, die den Anwendungsbereich einschränken, z. B. die Höhe der Futterkosten im Verhältnis zum Produktionswert der Fische, die Kosten für tiermedizinische Vorsorgemaßnahmen in intensiven Zuchtsystemen oder die Abneigung des Verbrauchers gegenüber bestimmten Fischarten. Dennoch dürfte die Bedeutung der Aquakultur in Zukunft stark zunehmen, zumal einige Seefischarten durch Überfischen nahezu ausgerottet worden sind und das zur Ernährung der noch wachsenden Weltbevölkerung erforderliche Fischeiweiß aus anderen Quellen beschafft werden muss. Die uns vertrauten Speisefische, angefangen beim Hering, werden ohne Fischzucht wohl schon bald Luxusgüter sein.

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Info 23.11.2017 19:17
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