Fische aus Seen und Flüssen

Obwohl die Binnengewässer auf der ganzen Welt reiche Fischbestände enthalten, werden Süßwasserfische hauptsächlich auf der Nordhalbkugel für Speisezwecke verwendet. Der Grund hierfür liegt vielleicht darin, dass der größere Teil der Landmasse der Erde auf die Nordhalbkugel entfällt, so dass in den nördlichen gemäßigten Breiten bis hinauf in die Arktis eine Vielfalt von Süßwasserfischen jeder Art vorkommt. Außerdem leben die meisten Menschen in der nördlichen Hemisphäre. Flussfische der nördlichen und der südlichen Breiten
Alle Angehörigen der Fischfamilie Salmonidae, also der lachsartigen Fische, wozu auch Forelle, Weißfisch und Seesaibling gehören, sind in den Flüssen der Nordhalbkugel heimisch. Der Stör bewohnt die Flüsse Nordamerikas. Unterarten dieses Fisches, dessen Rogen den Kaviar liefert, finden sich in den Flüssen der Russlands, des Balkans sowie in den Küstengewässern des Schwarzen und des Kaspischen Meeres. Abgesehen von eingeführten Arten sind die meisten dieser Süßwasserfische südlich des Äquators nicht anzutreffen. Zahlreiche Flüsse der Südhalbkugel besitzen jedoch einheimische Arten mit ebenfalls beachtlichem Nährwert. Die Weißfische der Flüsse in Neuseeland, Abkömmlinge einiger Arten aus der Familie Galaxiidae, schmecken sehr delikat. In australischen Flüssen wird der Goldbarsch gefangen. Der Familie der Barsche (Percidae) in Gewässern der nördlichen Breiten entspricht in südlichen Breiten die der Buntbarsche (Cichlidae), die vor allem in Afrika und Südamerika weit verbreitet sind. In Südafrika heißen sie seltsamerweise Brassen. Viele Buntbarsche sind beliebte Aquariumsfische. Die Familie der Karpfen (Cyprinidae) hat mehr als 1500 Arten. Viele sind winzig und daher für die Küche völlig unbrauchbar. In einigen europäischen Ländern genießt der Spiegelkarpfen, der bis zu 6 kg schwer werden kann, hohes kulinarisches Ansehen. Karpfen bewohnen die Flüsse und Seen Europas, Asiens und Nordamerikas. Die Wanderungen des Aals
Süßwasseraale – zoologisch den Karpfen verwandt – sind seit dem Altertum als Speisefische geschätzt. Abgesehen von Südamerika und dem Westen Nordamerikas kommen Aale in allen gemäßigten Breiten vor. Der Flussaal ist ein Wanderfisch. Er dringt, aus dem Sargassomeer im westlichen Atlantischen Ozean mit dem Golfstrom nach Nordamerika und Europa gelangend, in die europäischen und nordamerikanischen Flüsse ein. Vom amerikanischen Flussaal wird vermutet, dass er zu seinen Laichplätzen im Sargassomeer zurückwandert, wo er dann stirbt. Während die Flussaale von ihren Laichgebieten im Meer die Flüsse emporsteigen und dort als ausgewachsene Süßwasserfische leben, verhält sich der japanische Ayu genau umgekehrt: Er laicht in den Flüssen in Japan und Korea, deren Strömung stark und deren Wassertemperatur niedrig ist. Der ausgewachsene Fisch stirbt nach der Paarung. Die jungen Fische lassen sich flussabwärts in die offene See treiben, wo sie bis zur Geschlechtsreife leben. Im Alter von etwa 18 Monaten kehrt der Ayu zum Laichen in den Oberlauf der japanischen und koreanischen Wasserläufe zurück. Einige Süßwasserarten sind durch die Verschmutzung der Flüsse und durch Überfischen nahezu ausgerottet worden. Der Stör etwa ist heute so stark dezimiert, dass er bzw. der Kaviar fast unerschwinglich teuer geworden sind. Der Lachs oder Salm, der einst in der Themse wie auch im Rhein heimisch war, ist dort infolge der extremen Wasserverschmutzung verschwunden (in der Themse schon 1870, im Rhein endgültig erst nach 1945). Die energischen Anstrengungen zur Sanierung der Themse haben bewirkt, dass der Salm in jüngster Zeit dorthin zurückgekehrt ist. Schlimme Folgen hatte die Entdeckung, dass die Jagdgründe des atlantischen Salms an der Küste Grönlands liegen. Das übermäßige Befischen der noch nicht geschlechtsreifen Tiere in diesem Gebiet führte fast zum Ende der Wanderungen der Salme zu ihren Laichplätzen in den europäischen Flüssen. Gleichzeitig verringerte eine Pilzkrankheit die Bestände noch weiter. Sportfischen und Angeln
Sportfischen und Angeln sind verbreitete Freizeitbeschäftigungen. Das Angeln in Flüssen, Seen und Kanälen steht in der Beliebtheit wohl vornean. Die Sportfischerei wird vor allem auf Forellen und Lachs betrieben, weil beide Arten sehr schmackhaft sind. Ein Lachs in europäischen Flüssen kann bis zu 16 kg schwer werden. Die Bachforelle bewohnt alle Arten von Süßwasservorkommen, die Regenbogenforelle bevorzugt das ruhige Wasser von Seen oder Teichen. Manche Bachforellen verhalten sich ähnlich wie wandernde Lachse: Sie schwimmen flussabwärts in die Brackwasser der Mündungsgebiete, wo sie es auf ein Gewicht von 6 kg bringen können. Weder Lachs noch Forelle sollten mit der Meerforelle verwechselt werden, die fälschlicherweise oft als Lachs bezeichnet wird. Die Meerforelle ist eine Verwandte des atlantischen Lachses, mit dem sie auch den Lebenszyklus teilt. Sie wird in den Flüssen geboren und wächst im offenen Meer heran. Im Unterschied zum Lachs entfernt sie sich aber niemals weit von den Flussmündungen. Anders als die von Sportfischern gefangenen Fische werden Anglerfische nicht immer und überall gegessen, sei es weil ihre Zubereitung zu schwierig oder weil ihr Geschmack zu reizlos ist. Oft werden sie nach dem Fang wieder ausgesetzt, nicht ohne vorher – speziell bei Wettkämpfen der Angler untereinander – gemessen und gewogen worden zu sein.

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Info 18.11.2017 12:59
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