Neue Nahrungsmittel in der Zukunft

Bereits 1798 vertrat Thomas R. Malthus (1766-1834) in einem Essay die Ansicht, die Menschheit wachse schneller als die Erzeugung der zur Ernährung notwendigen Nahrungsmittel gesteigert werden könne. Er folgerte daraus, dass bei unkontrolliertem Bevölkerungszuwachs Lebensmittelknappheit eintreten und in der Folge Hungersnöte, Kriege und Krankheiten die Bevölkerung wieder so weit verminderten, dass die zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel ausreichten. Bislang ist die von Malthus vorausgesagte Krise nicht eingetreten. Im Gegenteil, die Bevölkerung der wohlhabenden Länder ist heute besser ernährt als je zuvor, trotz der auch in den letzten zweihundert Jahren auf getretenen schweren Hungersnöte, allerdings sind auch heute noch in einigen Teilen der Erde viele Menschen unterernährt. Verstärkte Produktion von Nahrungsmitteln
Trotz der stark anwachsenden Weltbevölkerung sind katastrophale Hungersnöte in den letzten Jahren nicht eingetreten. Diese relative Sicherheit der Ernährung ist vor allem auf die Steigerung der agrarischen Produktion zurückzuführen, die mit der im 19. Jahrhundert begonnenen Erschließung riesiger landwirtschaftlicher Anbauflächen in Nordamerika, Australien und, in geringerem Maße, auch in Südamerika eingeleitet wurde. Dampfmaschine, Eisenbahnen und später die Kühltechnik machten es möglich, Lebensmittel aus fernen Ländern in die industrialisierten Staaten Europas zu transportieren. Vielleicht noch wichtiger waren neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die eine rasche Steigerung der Ernteerträge je ha ermöglichten. So fand 1840 der deutsche Chemiker Justus von Liebig (1803-73) heraus, dass die von den Pflanzen dem Boden entnommenen Stoffe wieder zurückgeführt werden können, dadurch wird die Fruchtbarkeit des Bodens erhöht. Diese wichtige Entdeckung führte zur Entwicklung der Düngemittelindustrie und schließlich zum weitverbreiteten Gebrauch von Kunstdünger. Die von Gregor Mendel (1822-84) entdeckten Vererbungsgesetze waren eine weitere wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Landwirtschaft. Durch die Anwendung der Vererbungslehre in der Praxis war es möglich, ertragreiche Pflanzen- und Vieharten zu züchten. Der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln erhöhte ebenfalls die Erträge je Flächeneinheit. Gleichzeitig wurde die Bedeutung des Meeres für die Nahrungsmittelversorgung erkannt. Der Einsatz des Schleppnetzfischfangs und die Entwicklung der Kühltechnik machten es möglich, auch die im Binnenland lebenden Menschen mit frischem Fisch zu versorgen. Zukünftige Nahrungsquellen
Um auch in Zukunft die Ernährung der Menschheit sicherzustellen, müssen in den kommenden 50 Jahren weiterhin große Anstrengungen unternommen werden, die Nahrungsmittelproduktion zu steigern. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Menschen im Jahre 2010 auf etwa 7 Milliarden, um alle ausreichend ernähren zu können, muss die heutige Nahrungsmittelproduktion stark erhöht werden. Man könnte sie steigern, indem weitere große Landgebiete kultiviert oder aber bereits kultivierte Flächen intensiver bearbeitet werden. Würden allerdings in tropischen Gebieten wie dem Amazonas- und Kongobecken die schützenden Wälder gerodet und der Boden intensiv landwirtschaftlich genutzt, so würden die heftigen Tropenregen den Boden in Kürze zu unfruchtbarem Laterit Boden umwandeln, der zwar reich an Eisen- und Aluminiumverbindungen ist, aber kaum wichtige pflanzliche Nährstoffe wie Kalium und Nitrate enthält. Nur durch Einsatz von Kunstdünger könnten diese Böden fruchtbar gehalten werden. Aber hier ist die Frage, wie weit Düngemittelgaben ökonomisch sinnvoll sind, ganz abgesehen davon, dass zusätzliche Düngemittelkapazitäten erst noch geschaffen werden müssten. Darüber hinaus bedeutet, von einem bestimmten Optimum an, eine verstärkte Anwendung von Düngemitteln nicht auch einen entsprechend höheren Ertrag. Ebenso muss beachtet werden, dass die vermehrte Anwendung von Düngemitteln zu starker Wasserverschmutzung führt (Eutrophierung). Ein weiteres Problem liegt darin, dass die in diesen neu zu erschließenden Gebieten lebenden Menschen meist nicht mit den modernen Methoden der Landwirtschaft vertraut sind, die als Voraussetzung für die Erhöhung der Ernteerträge anzusehen sind. Da herkömmliche Methoden der Nahrungsmittelversorgung für die Ernährung einer wachsenden Menschheit nicht ausreichen, müssen neue Wege gesucht werden, um diese Aufgabe zu lösen. Neue Methoden
Es erscheint wichtig, das Versorgungsproblem von verschiedenen Seiten zugleich in Angriff zu nehmen: Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion, Verbesserung der weltweiten Verteilung der Lebensmittel und schließlich Eindämmung der Bevölkerungsexplosion. Eine verstärkte Nahrungsmittelproduktion erfordert sowohl traditionelle als auch bisher noch nicht angewandte Methoden. Dazu gehören die Züchtung neuer, ertragreicherer Getreidesorten, neue Tierzüchtungen und die Entwicklung von neuartigen Lebensmitteln. Wenn, eine erhöhte Nahrungsmittelproduktion allen Teilen der Erde zugute kommen soll, muss eine gerechtere Verteilung gewährleistet sein heute verbrauchen 33% der Weltbevölkerung allein über die Hälfte aller Nahrungsmittel. Eine Änderung dieses unausgewogenen Verhältnisses dürfte am ehesten dadurch zu erreichen sein, dass in den Entwicklungsländern die Nahrungsmittelproduktion verstärkt wird.