Fossilien Zeugen der Vergangenheit

Fossilien sind die Spuren längst gestorbener Lebewesen, die man in Gesteinen der Erdrinde findet. Sie geben uns Kunde, welche Tier- und Pflanzenformen existierten, als sich diese Gesteine bildeten. Fossilien liefern wertvolle Belege für die Evolution, die Entwicklung der Lebewesen von einfachen zu höher organisierten Formen, und geben Hinweise auf den Grad der Verwandtschaft, der zwischen den heutigen Lebewesen besteht. Fossilien sind unterschiedlich gut erhalten, aber nur selten vollständig. Gewöhnlich erhielten sich nur härtere Körperteile oder der Körperumriss im entstehenden Sedimentgestein. Gelegentlich finden sich Fußspuren oder Wohnröhren als versteinerte Abdrücke. Eine besondere Art von Fossilien stellen die Gastrolithen und Koprolithen dar. Gastrolithen sind glatte, runde Kiesel, die im Brustkorb von Dinosauriern und anderen schwimmenden Reptilien gefunden werden. Sie sind von den Tieren verschluckt worden, vielleicht aus demselben Grund, aus dem ein Huhn Sand verschluckt: um die Nahrung im Magen zu zerreiben. Koprolithen sind versteinerte Kotballen, sie kommen meist zusammen mit Säugetieren des Tertiärs und Fischen des Karbons vor und geben Aufschluss über Nahrung und Lebensweise der ausgestorbenen Tiere. Fossilien im Verständnis früherer Zeiten
Lange konnte man sich die Herkunft der Fossilien nicht erklären. Ihre Ähnlichkeit mit lebenden Tieren erkannten zwar schon die Griechen, wie z. B. Herodot (484-425 v. Chr.), die Weltanschauungen späterer Jahrhunderte verschlossen aber den Weg zu einer richtigen Deutung. Geheimnisvolle Mythen rankten sich um die Fossilfunde. So waren die Schädel von Mammuts, die auf griechischen Inseln gefunden wurden, vielleicht der Anlass zur Zyklopensage – ihre ungeteilte Nasenhöhle gleicht nämlich einer Augenhöhle. Die Indianer deuteten Dinosaurierskelette als die Reste einer riesigen Schlange, die im Erdinneren lebte und starb, als sie dem Sonnenlicht zu nahe kam. Nach der christlichen Zeittafel, die sich auf biblische Berichte stützte, fand die Erschaffung der Welt etwa 4000 v. Chr. statt. Diese Zeit ist zu kurz für eine Umwandlung von Sedimenten in Gesteine und für ihre Faltung zu Gebirgen. So blieb die Entstehung der Fossilien jahrhundertelang ungeklärt. Diejenigen, die sie für Überreste von Lebewesen hielten, sahen in ihnen die Opfer von Naturkatastrophen oder der Sintflut. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Paläontologie – die Wissenschaft, die sich mit Fossilien beschäftigt – begründet. Die Erforschung
Das gewissenhafte Studium von Fossilfunden erfordert oft, wie die Arbeit eines Detektivs, die Kombination zahlreicher kleiner Bruchstücke. Viele Methoden werden benützt. Handelt es sich bei den Fossilien um ein 25 m langes Dinosaurierskelett, so sind mehrere Personen am Fundort damit beschäftigt. Findet sich ein mikroskopisch kleiner Einschluss in einem Felsen, muss er vorsichtig herausgemeißelt und im Labor untersucht werden. Bei Fundstücken von Dinosauriern müssen zunächst die Knochen aus dem umgebenden Gestein gelöst und sorgfältig verpackt in ein Museum gebracht werden. Gewissenhaft wird die Lage, in der die Knochen gefunden wurden, aufgezeichnet und vermessen. Ebenso vermerkt man die Beschaffenheit des umgebenden Gesteins, da sie Aufschluss über die Umwelt des fossilen Lebewesens gibt. Im Labor werden die Knochen gereinigt und behandelt, damit sie an Brüchigkeit verlieren. Gewöhnlich stellt man von den einzelnen Knochen Nachbildungen in Gips oder Kunststoff für Ausstellungszwecke her, damit die Originalteile für weitere Forschungen zur Verfügung stehen. Ein Vergleich mit heutigen Lebewesen ermöglicht schließlich den Versuch einer Rekonstruktion des Dinosauriers. Meist wird das Tier gezeichnet, um eine Vorstellung von seinem Aussehen zu Lebzeiten zu gewinnen. Da die Färbung des Sauriers sich nicht erhalten hat, bleibt sie weitgehend der Fantasie des Malers überlassen. Zur Untersuchung von Mikrofossilien werden die Gesteine mit Einschlüssen im Labor in Scheiben geschnitten. Diese behandelt man dann mit Chemikalien, die Gestein und Fossil unterschiedlich angreifen, so dass das Fossil sich abhebt oder das Gestein sich auflöst. Nun folgt die mikroskopische Untersuchung. Das Sammeln
Fossilien zu finden und zu sammeln ist gar nicht so schwierig. Zur Identifizierung und zu einem weitergehenden Verständnis ist jedoch eine Kenntnis der tierischen und pflanzlichen Anatomie erforderlich. Um die Fossilien richtig einzuordnen, ist es wichtig, die Vorgänge in den Erdschichten zu kennen und zu wissen, durch welche Vorgänge es zur Erhaltung dieser Lebewesen kam. Manche Leute sammeln und studieren Fossilien als Hobby. Für den Paläontologen sind Fossilien als »Fingerabdrücke« auch zur Identifizierung von Gesteinsschichten wichtig. Eine mit anderen Methoden nicht bestimmbare Kalksteinschicht zum Beispiel, in der sich aber bestimmbare Fossilien finden lassen, kann so einer bekannten Gesteinsschicht mit den gleichen Fossilien zugeordnet werden. Unsere Kenntnis der pflanzlichen und tierischen Evolution kann ebenfalls zur Altersbestimmung von Sedimentgesteinen dienen, wenn in ihnen enthaltene Fossilien nur in einem bestimmten Erdzeitalter vorkamen. Dieser Zweig der Geologie wird als stratigrafische (schichtenkundliche) Paläontologie bezeichnet. Sie hat große Bedeutung bei der Suche nach Erdöl erlangt. Der Ablauf der Evolution ist durch Fossilfunde erkennbar und beweisbar.

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Info 18.12.2017 00:24
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