Vorzeitliche Fische und Lurche

Die Wirbeltiere haben sich aus gegliederten wurmförmigen Wesen entwickelt. Dies erkennt man bei den modernen Wirbeltieren, zu denen auch der Mensch zählt, an der gegliederten Wirbelsäule und den Rippen. Die frühen Wirbeltiere zeigen die Ausbildung neuer Merkmale aus einer einfachen Grundform. An der Schwelle zu den Fischen
Eine gegliederte Stütze für das Hauptmuskelsystem – das Rückgrat – und eine Schutzkapsel für das Gehirn – der Schädel – waren die ersten erkennbaren Skelettbildungen früher Wirbeltiere, z. B. der Kieferlosen (Agnatha), der primitivsten Fische. Das Maul dieser Formen aus dem Silur war zu einem Saugorgan umgebildet, Kiefer fehlten. Sie atmeten durch paarige, von Knochenauswüchsen durchzogene Kiemen. Im Lauf der Zeit rückte das erste Paar dieser Auswüchse nach vorne und bildete mit Gelenken am Schädel befestigte Kiefer. Bald entwickelten sich auch Knochenstrukturen als Stütze der paarigen Gliedmaßen. Die echten Fische waren »geboren«. Kieferfische werden in drei Gruppen eingeteilt:
1. Placodermi, die gepanzerten Fische des Devons.
2. Chondrichthyes, Knorpelfische, wie Haie und Rochen.
3. Osteichthyes oder Knochenfische, die artenreichste heute lebende Gruppe der Fische. Das Devon ist das Zeitalter der Fische. Zu dieser Zeit haben sich alle drei Fischgruppen entwickelt und die Meere beherrscht. Schon damals gliederten sich die Knochenfische in die Strahlenflosser und die Fleischflosser (Sarcopterygii). Die Strahlenflosser zeigen den für die Fische typischen Bauplan: Ihre paarigen Rossen sind von strahlenartigen Stützen (Flossenstrahlen) durchzogen, eine Schwimmblase im Körper hält die Tiere in der Schwebe. Die Flossen der Fleischflosser werden durch Muskelpakete verstärkt. Die Schwimmblase ist bei manchen Fischarten mit der Speiseröhre verbunden und bildet so eine Art »Lunge«. Nach dem Devon ging die Bedeutung der Fleischflosser zurück. Die Tiere, die einst eine wichtige Rolle in der Entwicklungsgeschichte des Lebens auf unserem Planeten gespielt haben, sind heute nur mehr durch drei Gattungen vertreten, und zwar die Quastenflosser und zwei Lungenfischgattungen. Die Fleischflosser des Devons lebten in Süßwassermeeren der Nordhemisphäre. Diese Gewässer trockneten schließlich aus, alles Leben in ihnen erlosch. Nur den Lungenfischen gelang es, zumindest für kurze Zeiträume, außerhalb des Wassers zu leben, da sie dort atmen und sich mit ihren knochengestützten Flossen, wenn auch langsam, an Land fortbewegen konnten. Dies reichte meist aus, sie den Weg zu Tümpeln finden zu lassen. Im Verlauf ihrer Entwicklung wurden die Knochen an der Flossenbasis zu einer wirkungsvollen Stütze umgewandelt und so die Beine der Vierfüßer ausgebildet. Der erste Schritt aufs Land
Die Gliedmaßen der frühen Wirbeltiere, bestehend aus Ober- und Unterarm (bzw. -Schenkel) mit mehreren Fingern (bzw. Zehen) am Ende, wurden zum Grundbauplan für alle Nachfahren. Im oberen Devon traten die ersten Lurche (Ichthyostega) in Grönland auf, das von riesigen Wäldern bedeckt war. Sie hatten das ursprüngliche Bein der Tetrapoden (Vierfüßer), zeigten aber noch fischähnliche Züge an Schädel und Schwanzknochen. Bis zum Karbon hatten sich die Lurche schon stark ausgebreitet. Die meisten gehörten zur heute ausgestorbenen Gruppe Labyrinthzähner (Labyrinthodonta), so genannt wegen der komplizierten Schmelzfalten auf den Zähnen. Ihre Wirbelsäule war viel kräftiger als bei den Ichthyostega, da sie weit mehr Zeit außerhalb des Wassers verbrachten, wo sie ihr Gewicht selbst tragen mussten. Sie lebten wahrscheinlich ähnlich wie moderne Lurche: Die erwachsenen Tiere hielten sich meist an Land auf und kehrten nur zur Eiablage ins Wasser zurück. Aus den Eiern schlüpften fischartige Kaulquappen mit äußeren Kiemen, die bis zu ihrer Reife ausschließlich im Wasser lebten, genau wie die Larven der heutigen Frösche. Anpassungen der Lurche
Die Lurche des Karbons passten sich allmählich an die verschiedenen ökologischen Nischen ihrer trockenen Landumgebung an. Alle Amphibien waren Fleischfresser: Die kleineren ernährten sich von den zahllosen Insekten der Schachtelhalm und Bärlappwälder der Steinkohlenzeit, die größeren lebten wie Krokodile und fraßen entweder Fische oder Lurche. Andere mit den Labyrinthzähnern nicht verwandte Lurche des oberen Paläozoikums spezialisierten sich: Einige verbrachten ihr ganzes Leben im Wasser, bildeten ihre Gliedmaßen zurück und entwickelten eine schlangenförmige Gestalt, z. B. Dolichosoma. Andere flachten sich ab, ihr Schädel bildete große, flache Auswüchse, deren Zweck unbekannt ist. Wie Diplocaulus bewohnten sie den Schlamm seichter Gewässer. Die Labyrinthzähner und die anderen spezialisierten Lurche starben in der Trias aus, nur ihre Nachfahren überlebten. Einige Zeit danach zweigte sich von den Amphibien eine Gruppe ab, die das Wasser ganz verließ, aus ihr entwickelten sich die Reptilien. Die Seymouriamorphen zeigten, besonders an den Gliedmaßen, schon weit fortgeschrittene Merkmale, obwohl der Schädel und die Wirbel deutliche amphibische Kennzeichen aufwiesen. Ein typischer Vertreter dieser Gruppe ist Seymouria des Perms, die aber nicht der unmittelbare Vorfahre der Reptilien sein konnte, da primitive Kriechtiere schon seit dem frühen Karbon lebten, doch in ihrem Bau steht sie zwischen den Amphibien und den Reptilien.

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Info 26.09.2017 - 00:21
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