Der Übergang zum Leben auf dem Land

Das Erdaltertum (Paläozoikum) vom Beginn des Kambriums bis zum Ende des Perms umspannt etwa 345 Millionen Jahre. Während des frühen Paläozoikums (Kambrium, Ordovizium und Silur) beschränkte sich das Leben auf das Meer. Im späten Paläozoikum (Devon, Karbon und Perm) eroberten die Pflanzen und Tiere das Land. Zeugnisse aus der Vorzeit
Man hat Spuren des Lebens auf der Erde in drei Milliarden Jahre alten Gesteinen gefunden, aber erst 570 Millionen Jahre alte, vom Beginn des Kambriums stammende Versteinerungen lassen brauchbare Rückschlüsse zu. Vor dieser Zeit waren alle Lebewesen weichhäutig, Fossilien blieben nur unter besonderen Bedingungen erhalten. Nach dem Beginn des Kambriums entwickelten mehrere Tiergruppen harte Stützorgane, die geeignet waren, zu versteinern. Während des Kambriums, einer Zeit der Tiefländer und des milden Klimas, dominierten die Gliederfüßer (Arthropoden). Ihre bedeutendsten Vertreter waren die Dreilappkrebse (Trilobiten), insektenähnliche Meerestiere. Wegen ihres hohen Alters liefern kambrische Gesteine nur Bruchstücke von Fossilien. Diese erlauben bis zu einem gewissen Grad, die damaligen Lebensräume zu rekonstruieren. Ablagerungen aus dem Ordovizium (vor 500 Millionen Jahren) beweisen, dass weite Landgebiete überschwemmt und von Flachmeeren überzogen waren, aus Meeresfossilien geht hervor, dass sich die Gliederfüßer weiterentwickelten. Tintenfische (Cephalopoda) erschienen in hoher Zahl. Einige davon waren riesengroß und trugen Schalen und Tentakel. Die am weitesten verbreiteten Schalentiere, die Armfüßer oder Brachiopoden, glichen den aus derselben Zeit bekannten Muscheln nur oberflächlich. Heute kann man Muscheln in vielen Arten überall finden, während es nur noch 280 Brachiopodenarten gibt. Die Entwicklung des Lebens auf dem Meeresgrund im Ordovizium dauerte bis ins Silur (vor 430 Millionen Jahren). In diese Zeit fallen auch die Entstehung gewaltiger Korallenriffe, der Ursprung der Wirbeltiere und die ersten Versuche primitiver Pflanzen, das Land zu besiedeln. Als die Gebirgsketten aus dem Meer tauchten, vermehrte sich das trockene Land. In Teilen Europas und Amerikas fand man umfangreiche Ablagerungen aus dem Ordovizium und Silur. Erst die Funde solcher gut erhaltener Reste an bestimmten Orten erlauben eine ziemlich genaue Rekonstruktion der Lebensgemeinschaft (Biozönose) ganzer Perioden. Im Devon (vor 395 Millionen Jahren) eroberten die Lebewesen das Land. Die dort üppig wuchernden Pflanzen gaben große Mengen von Sauerstoff an eine Atmosphäre ab, die vorher zu kohlendioxidhaltig gewesen war, um tierisches Leben außerhalb des Wassers zu ermöglichen. Als ein bestimmter Sauerstoffgehalt erreicht war, stand der Weg für eine Besiedlung des Landes durch Gliederfüßer wie Milben und Tausendfüßer offen. Diesen folgten die Wirbeltiere, zunächst die Lungenfische, später die Lurche. Meist entwickelte sich das Leben am Rand seichter Binnengewässer, entfernt von den zerstörenden Brandungszonen. Die ursprünglichen Fischformen waren kieferlos. Mit der Entwicklung von Kiefern im Devon konnten die Fische eine jagende Lebensweise aufnehmen. Ferner bildeten sie schützende Knochenpanzer aus. Zu dieser Zeit traten auch die ersten Ahnen der Haie auf. Aus Wäldern werden Wüsten
Man kann die Eroberung des Landes durch die Wirbeltiere auch als Flucht vor dem harten Daseinskampf im Meer betrachten. Die Lungenfische und Quastenflosser lebten in Tümpeln, die zeitweise austrockneten. Dabei lernten sie, Trockenzeiten zu überleben, indem sie kriechend zum nächsten Gewässer weiterzogen, sie passten sich einer derartigen Lebensweise immer besser an und konnten sich schließlich auch längere Zeit außerhalb des Wassers aufhalten. Aus solchen Fischen entwickelten sich später die Lurche, die nur einen Teil ihres Lebens im Wasser verbringen. Die Gebirgsauffaltung, die im Silur begonnen hatte, erreichte im Devon ihren Höhepunkt. Während des Karbons, der Steinkohlenzeit (vor 345 Millionen Jahren), hatten die Pflanzen schon festen Besitz vom Land ergriffen: Unermessliche Farn- und Bärlappwälder bedeckten sumpfige und nährstoffreiche Tiefländer. Diese Wälder versanken schließlich im Schlamm und wurden von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten, so dass sie nicht verfaulen konnten. Sie bildeten sich zu den heutigen Steinkohlenflözen um. Amphibien aller Größen und Formen glitten durch das grüne Dämmerlicht des Unterwuchses, während über ihnen, zwischen den siegel- und schuppenförmig gezeichneten Stämmen, Insekten summten, von denen einige mit ihren Flügeln bis zu 60 cm spannten. Auf den Hügeln über dampfenden Tälern und Flussdeltas entfaltete sich in brütender Hitze eine offenere Vegetation aus Farnen und primitiven Nadelhölzern. Einfache Reptilien entwickelten sich im Karbon aus dem Amphibienstamm, wurden aber erst im Perm zur dominierenden Tierklasse. Beim Übergang vom Karbon zum Perm (vor 280 Millionen Jahren) vertrockneten die Wälder aus unbekannten Gründen und wurden von Wüsten verdrängt. Gleichzeitig überdeckte eine Eiskappe die Südhalbkugel. Mit dieser Trockenperiode begann das Zeitalter der Reptilien (Kriechtiere). Im Gegensatz zu den Amphibien (Lurchen) waren sie nicht mehr ans Wasser gebunden: Ihr Schuppenpanzer schützte sie vor Austrocknung, und der Bau ihrer Skelette ermöglichte eine raschere Fortbewegung. Gegen Ende des Perms nahmen einige Reptilien säugetierähnliche Züge an.

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Info 23.11.2017 19:14
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