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Vorzeitliche Kriechtiere

Nachdem im Devon (vor 345-395 Millionen Jahren) Lungenfische und primitive Amphibien das Wasser verlassen hatten, begann das Leben der Wirbeltiere auf dem Land. Bis zum Karbon (vor 280-345 Millionen Jahren) hatten sich die ersten Kriechtiere (Reptilien) entwickelt. Sie lebten völlig unabhängig vom Wasser, dem Lebensraum ihrer Vorfahren. Dazu musste das wassergebundene Larvenstadium der Lurche, die Kaulquappe, überwunden werden. Bei den Reptilien entwickelten sich hartschalige, vor dem Austrocknen geschützte Eier, aus denen voll entwickelte, wenn auch winzige Junge schlüpfen. Das Studium der Fossilien
Die Skelette der ersten Reptilien und Amphibien gleichen einander so sehr, dass man sie nur schwer unterscheiden kann. Das einzige sichere Unterscheidungsmerkmal ist die Art und Weise der Eiablage. Doch lässt sich diese aus Fossilienfunden kaum rekonstruieren. Das älteste bekannte fossile Reptil ist Hylonomus, ein eidechsenähnliches, etwa ein Meter langes Tier, das zwischen Baumstümpfen aus der oberen Steinkohlenzeit erhalten blieb. Es gehörte zu den Kotylosauriern oder Stammreptilien, einer einfachen Gruppe, aus der alle anderen Reptilien hervorgingen. Die Kotylosaurier erschienen zum ersten Mal im Karbon, erreichten im Perm ihre volle Entfaltung und starben in der Trias aus. Die Skelette dieser Lebewesen unterschieden sich von denen der Amphibien durch eine höhere Zahl von Gelenken in den Zehen – eine Eigentümlichkeit, die zu den spezialisierteren Gliedmaßen der Nachfahren führte – und einen höheren, schmaleren Schädel, der auf ein besser entwickeltes Gehirn hindeutet. Reptilien tragen ein Schuppenkleid, das ihren amphibischen Vorfahren fehlte. Die Schuppen der Reptilien entsprechen jedoch nicht denen ihrer Fischahnen, sie wurden neu gebildet, nachdem sie bei den Lurchen bereits verloren gegangen waren. Die Kotylosaurier verbreiteten sich rasch in ihrem Lebensraum und entwickelten eine große Vielfalt neuartiger Formen und Anpassungen. Viele Arten existierten nur kurze Zeit, eine der erfolgreichsten Gruppen waren die Thekodontier. Sie standen auf ihren Hinterbeinen und bewegten sich halb aufrecht gehend, gestützt und ausbalanciert durch einen langen Schwanz. Dadurch wurden die Vordergliedmaßen frei zum Greifen, obwohl sich die Tiere auch auf allen vier Beinen ausruhen konnten. Die Thekodontier waren klein, aus ihnen gingen jedoch die gewaltigsten Lebewesen hervor, die jemals das Land bevölkerten – die Dinosaurier. Das Wort Dinosaurier bedeutet »schreckliche Echse« und wurde von dem englischen Paläontologen Richard Owen (1804-92) geprägt. Er beschrieb unter dieser Bezeichnung 1842 Reptilienfunde, die damals in England gemacht worden waren. »Dinosaurier« ist heute keine exakte wissenschaftliche Bezeichnung mehr, das Wort dient als Oberbegriff für die beiden Ordnungen Saurischia und Ornithischia. Die Saurischier (Echsenbeckendinosaurier), so genannt wegen der Ähnlichkeit ihrer Beckenknochen mit denen der Eidechsen« werden im Hinblick auf die Anordnung ihrer Fußknochen weiter unterteilt: Theropoden hatten säugetierartige, Sauropoden echsenartige Füße. Theropoden, zweibeinige, fleischfressende Saurier, traten in verschiedenen Größen auf: Der Podokesaurus war hühnergroß, während der Tyrannosaurus 12 m maß. Die Sauropoden, große pflanzenfressende Dinosaurier mit langen Hälsen, erreichten im oberen Jura und in der unteren Kreide ihre Blüte. Diplodocus war 25 m lang, Brachiosaurus wog über 50 t. Pflanzenfresser und erste Vögel
Die Beckenknochen der Ornithischia (Vogelbeckendinosaurier) ähnelten denen der Vögel. Diese Pflanzenfresser werden in vier Gruppen unterteilt: Ceratopsia, nashornähnlich mit gepanzertem Kopf, lebte in der oberen Kreide. Triceratops, ein typischer Vertreter diese Gruppe, sah mit den drei nach vorn gerichteten Hörnern und seiner knöchernen Halskrause Furcht einflößend aus. Stegosaurier, Tiere der späten Jura- und der frühen Kreidezeit, trugen am Rücken senkrecht nach oben ragende Knochenplatten. Kentrurosaurus ähnelte dem Stegosaurus, seine Bewehrung glich jedoch eher Stacheln als Platten. Die Ankylosaurier, flache Lebewesen der oberen Kreide, trugen auf ihrem Rücken ein dichtes Mosaik aus Knochenplatten, der Schwanz des Scolosaurus endete in einer knöchernen Keule. Die letzte der 4 Ornithischiergruppen, die Ornithopoda, unterschieden sich von den anderen drei durch aufrechten Gang und das Fehlen eines Panzers. Ein Vertreter – Anatosaurus – zeigte Merkmale, die auf eine semiaquatile Lebensweise hindeuten. Einige Experten nehmen an, dass die Dinosaurier und die anderen großen fossilen Reptilien einschließlich der fliegenden Pterosaurier Warmblüter waren und in ihrem Verhalten eher Säugetieren als Reptilien glichen. Wenn diese Vermutung zuträfe, müssten die Tiere viel agiler ausgesehen haben und hätten möglicherweise ein Fell- oder Federkleid getragen. Die ersten Vögel könnten direkt von den Vogelbeckendinosauriern abstammen. Trifft die Warmblütertheorie zu, so erscheint es notwendig, dass sich zur Wärmeisolierung zuerst die Federn aus den Schuppen entwickelt haben, später erst das Flugvermögen. Einige Kotylosaurier kehrten zum Leben im Meer zurück, am bedeutendsten war jedoch der Seitenzweig, der zu säugetierähnlichen Reptilien mit säugetierartigen Zähnen und Gliedmaßen führte und schließlich, in der Trias, die ersten Säugetiere hervorbrachte.

emu