Das Zeitalter der Kriechtiere

Das Erdmittelalter oder Mesozoikum, die Zeit der Kriechtiere (Reptilien), begann vor ungefähr 225 Millionen Jahren und endete vor 65 Millionen Jahren. Es gliedert sich in Trias, Jura und Kreide. Während dieser Zeit beherrschten die Reptilien Land, Luft und Meer und entwickelten sich zu den größten und furchterregendsten Wesen, die jemals unsere Erde bevölkert haben: den mächtigen Dinosauriern. Die Rückkehr der Reptilien ins Meer
Im ältesten Abschnitt des Mesozoikums, der Trias, dauerte das Wüstenklima an, das seit dem vorhergehenden Perm geherrscht hatte. Die Gebirgsketten, die sich im Perm auf der Nordhalbkugel aufgefaltet hatten, wurden zu trockenen Hügelländern mit einzelnen Salzseen abgetragen. Die Vegetation unterschied sich kaum von der des Perms: In Feuchtgebieten wuchsen meist Farne und Schachtelhalme, an trockeneren Hängen Koniferen wie Voltzia und Araukarien, die ihren heutigen Nachfahren glichen. Während sich die Wüstenlandschaft nur wenig veränderte, fanden im Tierreich gewaltige Umwälzungen statt. Die Tiergesellschaften des Paläozoikums erfuhren in den Ozeanen tief greifende Änderungen. Die Zephalopoden dieser Zeit – die Vorläufer der heutigen Kraken und Tintenfische – entwickelten sich zu Ammoniten, einer höher differenzierten Gruppe, die die mesozoischen Meere beherrschte. Der Ammonitenkörper war in einer vielkammerigen Schale eingeschlossen. Reptilien sind aus wasserbewohnenden Lurchen (Amphibien) hervorgegangen und haben sich dem Leben auf dem Festland angepasst. Einige Gruppen kehrten aber sekundär wieder zum Leben im Wasser zurück, erwarben neue Anpassungen an diesen Lebensraum, z. B. Schwimmhäute und stromlinienförmige Gestalt. Solche Reptilien erlangten in Ozeanen und Flussmündungen große Bedeutung. Reptilien auf dem Land
Auf dem Land zeigten sich die Reptilien außerordentlich anpassungsfähig: Kuehneosaurus erhob sich auf primitiven Gleitflügeln sogar in die Luft, ähnlich den heutigen Flugechsen Malaysias. Es gab bereits Säugetiere, sie blieben jedoch klein und ließen auch nur wenige Spuren zurück. Zu den landbewohnenden Reptilien gehörte auch ein echsenartiges Wesen, ein Thekodont, nicht größer als eine Gans, der sich auf seine zwei Hinterbeine erhob und so die Vorderbeine zum Greifen oder Halten freihatte. Dieses unscheinbare Tier war der Vorläufer der riesigen Dinosaurier. Im Jura (vor etwa 190 Millionen Jahren) brach durch die Kontinentaldrift der einzige große Erdteil des oberen Paläozoikums entzwei. Die Hauptspalte verlief von Norden nach Süden, verbreiterte sich zum Atlantik und trennte zuerst Europa von Nordamerika, dann Afrika von Südamerika. Es folgte eine feuchte Klimaperiode, und eine üppige Vegetation überzog weite Teile der Erdoberfläche. Die ersten Dinosaurier
Nur vereinzelte Koniferenbestände unterbrachen die dichten Farn- und Baumfarndschungel der Jurazeit. Die Bennettiteen, palmfarnähnliche Koniferen mit dicken, plumpen Stämmen und Kronen aus farnartigen Wedeln, trugen an Blüten erinnernde Rosetten aus samengefüllten Zapfen. Die Ufer seichter Gewässer wurden von Schachtelhalmgürteln gesäumt. In dieser Landschaft lebten die Dinosaurier des Jura. Die pflanzenfressenden Sauropoden und die Vogelbeckendinosaurier – Beutetiere der räuberischen Theropoden – fanden hier Nahrung. Über diesen Riesenechsen, Krokodilen und den ersten Säugetieren segelten Pterosaurier. Die meisten Überreste jener urtümlichen Landbewohner, die wir heute in den Museen bestaunen können, blieben dadurch erhalten, dass die Tiere ins Wasser fielen, unter Schlammmassen begraben wurden und versteinerten. Eine solch seltene und glückliche Verknüpfung von Zufällen kennen wir beispielsweise aus Bayern: Dort sank (im oberen Jura) feinkörniger Kalkstein langsam in die seichten Lagunen und schloss tierische und pflanzliche Lebewesen ein. Diese Versteinerungen in den Kalkschieferbrüchen von Solnhofen vermitteln einen umfassenden Eindruck von der Vielfalt fliegender und schwimmender Reptilienformen, beginnend mit den ersten Dinosauriern bis zur Entwicklung des Urvogels. Die letzten Dinosaurier
In der Kreidezeit, die vor ungefähr 135 Millionen Jahren begann, breiteten sich die Flachmeere immer weiter aus. Die Kreide war das Zeitalter der schwimmenden Reptilien und der Ammoniten. Auf dem Land wichen Farne und Palmfarne den Holzgewächsen wie Weiden, Sykomoren und Eichen. In dieser Welt lebten die letzten und gewaltigsten Dinosaurier. Gegen Ende der Kreidezeit erreichten die Flugechsen riesige Ausmaße: Ein Pterosaurier hatte eine Flügelspannweite von 15,5 m. In der ausgehenden Kreide war das Tierreich schwerwiegenden Umwälzungen unterworfen: Die Dinosaurier, die spezialisierten Schwimm- und Flugechsen, Ammoniten und Belemniten starben aus. Bis heute kennt noch niemand die genaue Ursache, es gibt viele Theorien darüber. Am wahrscheinlichsten ist, dass nach 10 Millionen Jahren der Beständigkeit ein Klimaumschwung einsetzte: Sümpfe trockneten aus, die Vegetation änderte sich. Die Dinosaurier konnten sich einer völlig neuen Umwelt nicht anpassen, und so starb vor über 65 Millionen Jahren die charakteristische Reptilienfauna des Erdmittelalters aus. Dadurch wurde den Säugetieren die Möglichkeit geboten, sich in der nun folgenden Zeit zur beherrschenden Lebensform zu entwickeln.