Das Zeitalter der Säugetiere

Die jüngste geologische Epoche, die die letzten 65 Millionen Jahre umfasst – das Känozoikum -, gliedert sich in Tertiär und Quartär. Während dieser Zeit nahmen Landschaft und Klima allmählich die heutige Form an. Das Erscheinen der Säugetiere
Die ersten 27 Millionen Jahre des Tertiärs unterteilt man in Paläozän und Eozän. Im Eozän, der »Morgendämmerung des modernen Lebens«, spielten die Säugetiere erstmals eine bedeutende Rolle auf der Erde. Neben den großen Reptilien des Mesozoikums hatten sie nicht aufkommen können. Als diese aber ausstarben, entwickelten sich die zunächst unscheinbaren Säugetiere zu einer großen Formenvielfalt und besetzten jede frei gewordene Umweltnische. Erste Säuger gab es bereits im Mesozoikum: Kleine Wesen, von denen man hauptsächlich die Zähne kennt, ihre zarten Knochen sind nur in Bruchstücken erhalten. Ihnen folgten die Beuteltiere, deren Junge Embryonenhaft geboren und zur Weiterentwicklung im Beutel der Mutter herumgetragen werden. Den letzten entscheidenden Schritt der Evolution stellen die Plazentatiere dar, deren Junge im Uterus der Mutter durch eine Plazenta ernährt und voll entwickelt geboren werden. Die Plazentatiere dominieren seit dem Eozän. Die Evolution verlief so schnell, dass bereits nach wenigen Jahrmillionen alle modernen Säugetiergruppen vertreten waren, einschließlich der meeresbewohnenden und fliegenden Arten wie Wale und Fledermäuse. Auch die Vögel begannen, ihren heutigen Nachfahren zu gleichen. Einige, z. B. der flugunfähige, 2 m hohe Riesenkranich Diatryma, spezialisierten sich jedoch und müssen wie die kleineren fleischfressenden Dinosaurier gelebt haben. In den Meeren entwickelten sich u. a. moderne Muscheln, Schnecken, Fische und eine münzenförmige Foraminiferenart. Im Oligozän, das die nächsten 12 Millionen Jahre des Tertiärs umfasste, blieb das Klima wie im Eozän. Die Hauptgruppen der Säugetiere fächerten sich nun auf. Die Pferde, deren ältester bekannter Vertreter das Hyracotherium aus dem frühen Eozän ist, ästen weiterhin in den Wäldern, waren aber bereits etwas größer. Nashornähnliche Lebewesen wie Arsinoitherium trugen über den Augen zwei kleine Hörner, ein riesiges Hörnerpaar ragte über die Schnauze nach vorn. Die Nasen der elefantengroßen Titanotherien endeten in großen, y-förmigen Hörnern. Die Huftiere der Steppen
Während der nächsten 19 Millionen Jahre – dem Miozän – wurde das Klima gemäßigter. Die Wälder schwanden, grasbewachsene Ebenen breiteten sich aus, und immer mehr Tiere passten sich einem Leben in dieser offenen Steppe an. Die Pferde bildeten längere Beine aus, die Zahl ihrer Zehen, ursprünglich vier vorne und drei hinten, verringerte sich. So entwickelten sich diese Tiere zu schnellen Läufern, ihr Laubfressergebiss spezialisierte sich auf Gras. Protylopus, ein frühes Kamel, erreichte ungefähr die Größe eines Hundes. Im Miozän wurde es jedoch wie manche andere Huftiere langbeiniger und besser an das Leben in der Ebene angepasst. Zu dieser Zeit erfuhr die Erdoberfläche eine Umgestaltung: Die Alpen und der Himalaja falteten sich auf, die Anden wurden immer noch emporgehoben, und in Nordamerika wurde das Aufschieben der Rocky Mountains von vulkanischer Tätigkeit begleitet. Dem Miozän folgte das vergleichsweise kurze Pliozän (Dauer etwa 5 Millionen Jahre). Die riesigen, schwerfälligen Säugetiere früherer Zeiten waren bereits ausgestorben, ihre Nachfahren glichen den heute lebenden Formen. Das bedeutendste Ereignis war das Erscheinen des Australopithecus, eines intelligenten Primaten, der aufrecht über die Savannen Afrikas ging und bereits einfache Werkzeuge benützte. Der Beginn der Eiszeit
Gegen Ende des Pliozäns wurde das Klima kühler. Die Eiszeit im darauffolgenden Pleistozän (vor ungefähr zwei Millionen Jahren) leitete den Beginn des Quartärs ein, des Zeitalters des Menschen. Viermal schoben sich breite Gletscherzungen über weite Teile der Erdoberfläche und schmolzen dann wieder ab. Die Fauna der nördlichen Erdhalbkugel musste sich den neuen Lebensbedingungen anpassen. Die Tiere der heutigen »gemäßigten Breiten« waren arktische Formen, geschützt durch einen dicken Pelz. Ihnen gelang es, allein auf der Nahrungsgrundlage von Koniferen, Birken und Flechten zu überleben. Mammut, Mastodon und Wollnashorn konnten diesem Klima trotzen, fielen aber schließlich den ersten Menschen mit ihren Jagdwaffen zum Opfer. Südlich der Eiskappen verbreitete der Säbelzahntiger (Smilodon) Schrecken unter den schwerfälligen bodenbewohnenden Riesenfaultieren und den Mastodonten. Die Eiszeiten wirkten sich nicht auf die ganze Erde aus. Auch in den vom Eis bedeckten Gebieten veränderten sich die Gletscher ständig. Zwischen den einzelnen Eisvorstößen herrschte ein wärmeres Klima. In diesen Zwischeneiszeiten konnten selbst Elefanten bis zu den Britischen Inseln nach Norden vordringen. Das Holozän oder die Erdneuzeit, die dem Pleistozän folgte, umfasst eine so kurze Epoche, dass man sie kaum als deutlichen geologischen Abschnitt betrachten kann. Die heutige Verteilung der Klimazonen mit unterschiedlichen Wetterbedingungen ist wohl eine Ausnahme, stabilere weltweite Klimaverhältnisse scheinen die gesamte Erdgeschichte begleitet zu haben, so z. B. als im Perm Wüsten und im Eozän Wälder das Land überzogen. Die letzte Eiszeit ging eben erst zu Ende, und möglicherweise leben wir heute nur in einer weiteren Zwischeneiszeit des Pleistozäns.