Speise und Giftpilze

Speise- und Giftpilze, die mit ihren kleinen, fleischigen »Schirmen« aus der Erde sprießen, gehören zu den bekanntesten Pilzen. Die Botaniker stellen sie in die Klasse der Ständerpilze oder Basidiomyzeten – ein Name, den sie ihren Sporen verdanken, die an besonderen, als Basidien (Ständer) bezeichneten Gebilden entstehen. Nichtfachleute sprechen von Speisepilzen, wenn sie die essbaren Vertreter dieser Pilzgruppe meinen, alle anderen Pilze bezeichnen sie als ungenießbar bzw. giftig. Botaniker, im besonderen die Mykologen (Botaniker, die sich auf Pilze spezialisiert haben), machen eine solche Differenzierung nicht. Sie unterscheiden innerhalb der Basidiomyzeten zwischen Blätter- oder Lamellenpilzen, Röhrlingen, Porlingen, Keulenpilzen, Bovisten und Stinkmorcheln, Gallertpilzen u.a. Die Bezeichnung Giftpilze ist bei den Botanikern nicht mehr üblich. Der Entwicklungsgang eines Blätterpilzes
Der Lebenslauf eines Lamellenpilzes beginnt mit dem Auskeimen zweier genetisch verschiedener Sporen, von denen jede die halbe spezifische Erbmasse trägt. Aus den Sporen geht ein weitverzweigtes Geflecht aus Pilzfäden (Hyphen) hervor, das als Myzelium (Myzel) bezeichnet wird. Es durchzieht das Substrat, auf dem der Pilz wächst. Durch eine Verschmelzung von zwei komplementären Myzelien entstehen Geflechte mit der vollständigen Erbmasse. Erst jetzt kommt es zur Ausbildung der bekannten schirmförmigen Frucht-Körper. Eine mikroskopische Untersuchung der Fruchtkörper ergibt, dass die Lamellen auf der Unterseite der Schirme dicht mit Basidien besetzt sind, von denen jede vier kurze Stielchen (Sterigmen) mit je einer Basidiospore trägt. Mit der Bildung der Sporen schließt sich der Kreis. Wie die Sporen verbreitet werden
Die höheren Pilze bringen während ihrer kurzen Lebenszeit riesige Sporenmengen hervor: Ein Waldchampignon von 10 cm Durchmesser erzeugt in sechs Tagen rund 16 Milliarden. Von den Bovisten und ihren Verwandten abgesehen werden bei den Basidiomyzeten die Sporen von den Basidien abgeschleudert und dabei so weit von der Außenschicht der Lamellen entfernt, dass sie beim Herabfallen ein Windhauch weiterbefördern kann. Regentropfen tragen bei den Stäublingen, bei den Nestpilzen und Erdsternen (Geastrum) zur Verbreitung der Sporen bei. Eine Reihe von Stäublingen aus trockenen Gebieten lösen sich bei der Reife vom Sandboden ab und werden vom Winde fortgerollt, wobei sie ihre Sporen verstreuen. Die Sporen anderer Pilze, insbesondere solcher, die auf Dung wachsen (Coprinus), werden von Tieren verschleppt. Kleine Nager, wie Eichhörnchen, können Fruchtkörper mit sich tragen, bevor sie diese verzehren. Auch Nackt- und Gehäuseschnecken verbreiten Pilzsporen auf geringe Entfernungen. Die Stinkmorchel und ihre Verwandten sind auf Sporenverbreitung durch Insekten eingerichtet. Aseroe Rubra z. B. lockt Insekten nicht nur durch einen starken Aasgeruch an, sondern auch durch die leuchtenden Farben ihrer roten Fruchtkörper. Pilze besitzen, selbst wenn sie grün sind, kein Chlorophyll, sie sind darum nicht in der Lage, ihren Bedarf an Kohlenhydraten durch Fotosynthese selbst zu decken. Statt dessen erhalten sie diese Substanzen durch den Abbau komplexer organischer Verbindungen im Humus und in anderen pflanzlichen Resten oder von lebenden Pflanzen, indem sie z. B. auf Bäumen parasitieren. Viele Waldpilze gehen mit den Wurzeln bestimmter Bäume Lebensgemeinschaften ein. Solche Pilze bilden dann eine Hülle aus Myzelien um die Wurzeln der Bäume, und von da aus dringen verzweigte Pilzfäden zwischen oder in die Zellen der Baumwurzeln ein, ein zu tiefes Vordringen wird gewöhnlich durch eine Reaktion des Baumes verhindert, die das Pilzwachstum stoppt. Derartige Wechselbeziehungen sind allgemein unter dem Namen Mykorrhiza bekannt, die betroffenen Wurzeln sollen besser imstande sein, Nährsalze auch aus armen Böden aufzunehmen und sie dem Baum zukommen zu lassen. Der Pilz seinerseits erhält verschiedene organische Substanzen. Einige Pilze, im besonderen Holz bewohnende Porlinge, verursachen Schäden in Wäldern, indem sie Bäume in ihrem Wachstum beeinträchtigen oder sie gar zum Absterben bringen. Zu ihnen gehören der Birkenporling (Piptoporus betulinus), ein bekannter Vertreter an Birken und die bräunlichen, holzigen Konsolen des Ganoderma applanatum, dessen konzentrisch geschichtete Fruchtkörper mit ihrem Porenlagen zuweilen an Buchen und anderen Bäumen auftreten. Giftige und nicht giftige Pilze
Viele Pilze sind essbar und wohlschmeckend, einige Arten aber sind tödlich giftig. Es gibt kein zuverlässiges Kriterium, um erst in der Küche Speise- von Giftpilzen zu unterscheiden. Der sicherste Weg ist der, sich bei Experten Rat zu holen. Als gefährlichster Pilz gilt der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Auch jeden Pilz mit weißem Hut, weißen Lamellen, einer Manschette am Stiel und einer umscheideten Basis sollte man meiden. Der bei Verletzung gelb anlaufende Karbol-Egerling, den man mit einem Feldchampignon verwechseln kann, ist von mittlerer Giftigkeit. Die Röhrlinge sind im allgemeinen alle essbar, abgesehen von jenen mit roten Sporen und roten Flecken am Stiel. Auch die meisten Stäublinge sind genießbar, solange sie innen noch weiß sind, doch ist der Kartoffelbovist (Scleroderma) unbedingt zu meiden. Einige Pilze, besonders Psilocybe-Arten aus Mexiko, verursachen nach dem Verzehr Halluzinationen.

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Info 22.11.2017 17:35
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