Laub und Lebermoose

Die Laub- und Lebermoose (Moose: Bryophta) gehören zu den einfachst gebauten Landpflanzen. Es gibt insgesamt etwa 14 000 Laub- und 8000 Lebermoose, meist tropische Arten. Die meisten von ihnen lieben feuchte, schattige Wuchsplätze auf dem Erdboden, auf Borken oder auf Felsen. Einige können aber monatelange Trockenzeiten überdauern. Gestalt und Bau der Moose
Man nimmt an, dass die Moose aus Grünalgen hervorgingen, sie tragen primitive Züge, die auf diese Herkunft deuten. Ihr Körper (Thallus) ist ohne richtige Wurzeln und Gefäße. Einige zeigen, oberflächlich betrachtet, Ähnlichkeit mit Blütenpflanzen, aber wenn sie auch Sprosse und Blätter besitzen, so sind diese Organe doch wesentlich einfacher gebaut als bei höheren Pflanzen. Die Bezeichnung Lebermoose leitet sich von der einer Leber ähnlichen Gestalt des Thallus mancher Vertreter ab, im Mittelalter galten sie als Heilpflanzen gegen Leberleiden. Belaubte Lebermoose, wie die auf feuchtem Holz wachsende Lophocolea, bringen Blätter an einem sprossähnlichen Vegetationskörper hervor. Bei den Laubmoosen gibt es keinen Thallus mehr. Unterschiede zwischen Laubmoosen und beblätterten (foliosen) Lebermoosen sind schon äußerlich erkennbar. Die Blättchen der Lebermoose besitzen keine Mittelrippe und stehen in zwei Zeilen, die der Laubmoose erscheinen symmetrisch und sind meist schraubig angeordnet. Die Rhizoiden – haarähnliche Gebilde, welche die Pflänzchen verankern und Nährsalze absorbieren – bestehen bei den Lebermoosen aus einer einzigen, bei den Laubmoosen aus vielen Zellen. (Echte Wurzeln fehlen beiden.) Ferner unterscheiden sie sich hinsichtlich der Form ihrer Sporenkapseln sowie durch die Art und Weise, wie die Sporen ausgestreut werden. Bei den Lebermoosen ist die Kapsel kugelig bis eiförmig, und die Sporen werden bei der Reife durch Aufspringen von vier Längsklappen frei. Bei den Laubmoosen ist die Kapsel gewöhnlich zylindrisch und trägt oft einen Deckel, der abfällt, wenn die Sporen reif sind, dabei kommt ein Kranz von Zähnen rund um die Kapselöffnung zum Vorschein. Im Gegensatz zu höheren Pflanzen besitzen die meisten Moose keine besonderen Zellen zur Leitung von Wasser und Nahrung, noch haben sie irgendwelches Holzgewebe, das einen größeren Pflanzenkörper stützen könnte, darum sind alle Moose verhältnismäßig klein. Der Wasserbedarf
Trotz dieser primitiven Züge zeigen die Moose bemerkenswerte Anpassungen an die Bedingungen des Festlandes, im Gegensatz zu ihren Vorfahren, den Algen, die fast nur im Wasser leben. Die wichtigste Anpassung ist eine Form des Generationswechsels, bei der die grüne Moospflanze die Sexualorgane trägt, also der Gametophyt ist und somit die geschlechtliche Phase dominiert, während die ungeschlechtliche, Sporen erzeugende Generation (Sporophyt) auf der Moospflanze schmarotzt. Bei fast allen Pflanzen gibt es einen Generationswechsel, d. h. zwei Stadien im Lebenszyklus: eine Phase mit nur einem Chromosomensatz und eine andere, die aus der geschlechtlichen Fortpflanzung resultiert und durch zwei Chromosomensätze gekennzeichnet ist. Bei den Algen können beide Generationen äußerlich gleich erscheinen, bei den Moosen sind sie stets verschieden. Moose wie Algen benötigen für die geschlechtliche Fortpflanzung Wasser, denn die männlichen Keimzellen müssen schwimmend die Eizelle aufsuchen, dafür besitzen sie zwei peitschenförmige Geißeln. Da männliche und weibliche Geschlechtsorgane auf getrennten Pflanzen vorkommen können, muss ein »Wasserweg« von den männlichen zu den weiblichen Organen führen. Auf dem Land ist das nur bei Regen oder nach reichlicher Taubildung der Fall. Die geschlechtliche Fortpflanzung wäre damit zu einem für die Besiedlung von Neuland weniger geeigneten Mittel »abgewertet«. Die Moose haben jedoch die Möglichkeit entwickelt, jede einmal erfolgte Befruchtung in besonderem Maße auszunützen: Aus der befruchteten Eizelle wird nämlich nicht eine Moospflanze, sondern ein Sporen erzeugender Organismus, der Sporophyt oder das Sporogon, und das Ergebnis einer einzigen Befruchtung sind schließlich Tausende von Sporen, aus denen Tausende neuer Pflanzen hervorgehen können. Bei Laub- wie Lebermoosen besteht das Sporogon aus einem in das Gewebe eingebetteten Fuß und einer gestielten Sporenkapsel. Bei Anthoceros ist diese ungestielt. Moose können sich auch vegetativ vermehren – oft reichen kleine, abgelöste Bruchstücke dazu aus. Bei vielen trennen sich indes besondere, mehrzellige Gebilde ab (Brutkörper oder Gemmen), die zu vollständigen Moospflänzchen auswachsen. Ein wichtiges Moos
Sphagnum, das Torfmoos aus den Hochmooren, besitzt einige wirtschaftliche Bedeutung: Es ist imstande, große Wassermengen aufzunehmen, und eignet sich darum vorzüglich als Streu in Gärtnereien, getrocknet und z. T. schon verrottet wird es schweren, tonigen Erden beigegeben, um deren Struktur zu verbessern. In einigen Teilen Nordeuropas wird Torf aus Mooren gestochen, ein Brennmaterial, an dessen Bildung vor allem Torfmoose beteiligt waren. Moose spielen schließlich eine bemerkenswerte Rolle in der Ökologie des Bodens. Sie wirken erosionshemmend, halten Oberflächenwasser zurück und helfen mit, steinige Böden in fruchtbare Erde umzuwandeln. Dass aus den Moosen andere Pflanzengruppen hervorgegangen sein könnten, hält man nicht für wahrscheinlich.

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Info 26.09.2017 - 22:03
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