Zweikeimblättrige Blütenpflanzen

Die meisten Blütenpflanzen gehören der von den Botanikern als Dicotyledoneae bezeichneten Klasse an. Am Embryo dieser Pflanzen sind zwei Keimblätter oder Kotyledonen ausgebildet, die ihn mit Nahrung versorgen. Die Zweikeimblättrigen lassen einen typischen Körperbau erkennen. Viele Sträucher und Bäume liefern wertvolles Holz, zahlreiche nicht verholzte Pflanzen tragen zur menschlichen Ernährung bei. Weltweite Verbreitung der Zweikeimblättrigen
Nicht verholzte Dikotyledonen, also die Kräuter und Halbsträucher unter ihnen, sind auf allen Kontinenten einschließlich der Arktis und Antarktis reichlich vertreten. Viele füllen ökologische Nischen aus und besiedeln alle möglichen Standorte, ausgenommen Eis und ewigen Schnee, von naturbelassenen Terrains (Weiden, Felswänden, Sümpfen, Wäldern) bis zu künstlich geschaffenen Substraten, wie Mauern, Dächern, Straßenrändern und zerstörten oder gerodeten Flächen. Einige Vertreter gedeihen in Wüsten, andere wachsen völlig untergetaucht in Süß- oder in Meerwasser. Das Vorkommen in salzreichem Milieu ist oft gekoppelt mit sogenannter physiologischer (relativer) Trockenheit: Die Pflanzen speichern, ähnlich einem Wüstenkaktus, Feuchtigkeit und sind daher dickfleischig. Zier- und Nahrungspflanzen
In den meisten dikotylen Familien gibt es Pflanzen, die unserer Ernährung dienen oder als Ziergewächse in Kultur sind. Viele Hahnenfußarten und weitere Mitglieder der Familie Ranunculaceae wachsen in Schmuckgärten – so die Anemonen, Osterglocken (Pulsatilla), Rittersporne und Waldreben (Clematis). Bei den Kreuzblütlern (Cruciferae) gibt es nur ein paar Gewächse, die man als Zierblumen pflegt, wie die Levkojen, den Goldlack, das Silberblatt (Mondviole) und die Steinkresse (Alyssum). Wichtiger sind die zahlreichen Vertreter der Gattung Brassica. Rosenkohl, Blumenkohl, Wirsing, Kohlrabi und Krauskohl stellen überraschenderweise nur unterschiedliche Formen derselben Spezies, des Kohls (Brassica oleracea), dar. Angehörige derselben Gattung sind der Raps, der Schwarze Senf, die Schwedische Steckrübe und die Kohlrübe. Eine weitere Familie nutzbarer Pflanzen sind die Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu denen die Kartoffel, die Tomate und viele Arzneipflanzen, wie der Nachtschatten, die Tollkirsche und das Bilsenkraut gehören. Unter den Korbblütlern (Kompositen) finden wir nicht nur allerlei Zierblumen, zu ihnen zählen auch die Artischocken, der Kopfsalat, Chicoree und Endivie, ferner Ölpflanzen wie die Sonnenblume. Die Rosengewächse (Rosaceae) werden u. a. vertreten durch Obst liefernde Arten (Äpfel, Birnen, Pflaumen, Pfirsiche, Brombeere, Himbeere und Erdbeere) sowie durch zahlreiche Gartenpflanzen der gemäßigten Klimazonen. Zu letzteren zählen Nelkenwurz (Geum), Spiräen, Ranunkelstrauch (Kerria) und natürlich die Rosen. Außer als Nahrungs und Zierpflanzen dienen manche Arten zum Würzen, so einige Lippenblütler (Labiatae) wie Minze, Thymian, Salbei und Majoran. Auch die aromatischen Früchte mancher Arten, z. B. von Doldengewächsen (Umbeliferae), sind als Gewürze geeignet, so von Dill, Fenchel, Koriander, Kümmel. Wurzeln bzw. Wurzelstöcke verwendet man z. B. von Meerrettich (einem Kreuzblütler) und Lakritze (einem Schmetterlingsblütler). Vertreter anderer Familien liefern Fasern zur Herstellung von Textilien. Die Malvengewächse (Malvaceae) sind hier zu nennen mit dem Baumwollstrauch, der Flachs vertritt die Leingewächse (Linaceae). Aus Hanf (Cannabis sativa, Familie Cannabaceae), gewinnt man neben der bekannten Hanffaser den Haschisch. Insektenfressende Pflanzen (Insektivoren)
Im Laufe ihrer Entwicklung haben die Pflanzen auch nährstoffarme Plätze besiedelt. Um sich die fehlenden Nährstoffe (hauptsächlich Stickstoffverbindungen) zu beschaffen, entwickelten einige Pflanzen Einrichtungen, Insekten zu fangen und zu verdauen. Insektenfressende Pflanzen gehören verschiedenen Familien an, sie umfassen z. B. die Sonnentau-, Fettkraut- und Wasserschlaucharten Europas sowie die Kannenpflanzen aus den Gattungen Sarracenia und Nepenthes, die in den Tropen und Subtropen beheimatet sind. Die Sonnentau-Arten (Drosera) fangen Insekten mit Drüsenhaaren (Tentakeln) auf ihren Blättern. Sie sondern ein glänzendes, klebriges Sekret ab, das kleine Tiere anlockt. Diese bleiben hängen, werden von den sich biegenden Haaren festgehalten und mittels eiweißlösender Enzyme verdaut. Bei den Fettkräutern (Pinguicula) sind Drüsenhaare über die ganze Blattfläche verteilt. Die Wasserschlaucharten (Utricularia) sind Schwimmpflanzen, die an ihren Blättern kleine Fangblasen mit einer sich nur nach innen öffnenden Klappe tragen. Berühren mikroskopisch kleine Tiere Signalborsten in der Nähe dieser Klappen, dann werden sie in die Falle gesogen und von Enzymen zersetzt. Bei Kannenpflanzen sind Blätter oder Blatteile zu Fallgruben umgewandelt, die Insekten und andere Kleintiere durch Duft und Farbe an den Rand des Behälters locken, gleitet das Opfer an dem glatten Kannenrand ab, so stürzt es in eine Enzymlösung am Grunde der Falle, ertrinkt und wird verdaut. Eine der bekanntesten Insektivoren ist die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula), deren Blattspreiten aus zwei zusammenklappbaren Hälften mit berührungsempfindlichen Borsten bestehen. Setzt sich ein Insekt auf das Blatt, dann klappen die Hälften blitzschnell zusammen und öffnen sich erst wieder, wenn die verwertbaren Substanzen des Insektenkörpers längst durch Verdauungsenzyme herausgelöst sind.

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Info 23.11.2017 19:31
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