Orchideen – Orchidaceae

Ausdauer und Liebe, eine gute Portion Sachkenntnis, sorgsamste Beachtung der Pflegehinweise und der Eigenheiten dieser kostbaren Pflanzen gehören schon dazu, um mit Orchideen im Zimmer Erfolge zu erzielen. Das bedeutet aber nicht, nun unbedingt einen großen Bogen um diese Pflanzenfamilie zu machen. Holen wir uns den Zauber tropischer Vegetation in die Beschaulichkeit unseres Heims, denn, wer von überhohen Orchideen-pflanzenpreisen, hohen Temperaturansprüchen und extravaganten Lebensgewohnheiten spricht, ist einem Irrtum aufgesessen. OrchideeFrauenschuh, Paphiopedilum-Hybride Die Mehrzahl der prächtig blühenden Orchideen stammt aus kühlen Höhenlagen tropischer Berggebiete, deren Durchschnittstemperaturen ungefähr der Zimmerwärme entsprechen. Und nur diese Gattungen und Arten kann man dem Zimmergärtner empfehlen, der ohne ein heizbares, doppelt verglastes Blumenfenster Orchideenfreude erleben will. Sie sollen hier vorgestellt werden: Wohl jedem bekannt ist der hübsche Frauenschuh, der im Zimmer gut wächst und nur bei allzu hohen Temperaturen nicht blühen will. Er liebt gleichmäßige Temperaturen von 15-18°C und einen sonnenabgewandten Platz. Für regelmäßige Feuchtigkeit ist zu sorgen, vor allen bei Triebbeginn, wo er am Tage 2-3mal abgespritzt wird und reichlich frische Luft erhalten muss. Die bulbenlosen Venusschuhe erhalten nach der Blüte eine Ruhezeit (Wassergaben etwas einschränken) von etwa 3 Wochen. Für das Zimmer gut geeignet sind Paphiopedilum callosum und P. venustum aber auch noch eine Reihe anderer. Ebenfalls kühle Schönheiten finden sich in der Gattung Lycaste, die auch in der Zeit des Austreibens viel Wasser und zahlreiche Duschen verlangen. Sie stehen gern etwas heller als die Frauenschuhe und wünschen ab Herbst eine mehrmonatige Ruhezeit. Empfehlenswert: Lycaste virginalis (syn. skinneri), L. aromatica und L. cruenta. Die meisten Orchideenliebhaber schwören auf die farbenprächtigen Dendrobien. Sie verlangen höhere Temperaturen von etwa 20-24°C und stehen gern an hellen, sonnigen Südfenstern; vor der Glut sommerlicher Mittagssonne wollen sie allerdings geschützt werden. Dendrobien bevorzugen kleine Töpfe, die leicht umfallen; deshalb sollte man die Töpfe aufhängen oder die Dendrobien in Korkrinde pflanzen. In der Ruhezeit dürfen die Temperaturen auf 10-12°C absinken, immer aber ist darauf zu achten, dass die Bulben nicht zu sehr einschrumpfen. Reichliches Gießen und Abspritzen während der Triebzeit sorgt für das Wohlbefinden und lockt Knospen und Blüten hervor. Im Zimmer wachsen folgende Arten: Dendrobium densiflorum, D. fimbriatum und D. nobile, das ganze Jahr über kühl stehen wollen. PhalaenopsisLippenrose – Phalaenopsis Viel Freude machen auch Odontoglossum grande und O. pulchellum, die von Mai bis Oktober an einem vor greller Mittagssonne geschützten Platz im Garten aufgehängt werden und hier des öfteren mit einem möglichst feinen Zerstäuber abzuspritzen sind. Hier im Freien, bei recht viel Feuchtigkeit (Regen und Tau sehr erwünscht), entwickeln sich die Nährstoff speichernden Bulben prächtig; etwa im September kommen die Odontoglossum dann in die volle Sonne, und die Gießgaben werden monatelang bis auf ein Mindestmaß herabgesetzt. Diese Trockenzeit wird natürlich auch nach dem Einräumen in ein kühles Zimmer beibehalten, und zwar so lange, bis die Blütenstiele erscheinen; dann erst erhalten diese geduldigen Orchideen wieder allmählich sich steigernde Wassergaben. Die großen Blüten von Odontoglossum grande zeichnen sich durch eine wunderschöne gelbe und braune Zeichnung aus, die von O. pulchellum sind reinweiß mit gelber, rotpunktierter Lippe und von herrlichem Duft. OdontoglossumOdontoglossum grande Für einen Aufenthalt im Zimmer empfehlen sich auch einige hübsche Oncidium-Arten: das kastanienbraune, goldgelb gerandete O. forbesii, das duftende, grünlich-gelbe, dunkelbraun gefleckte O. tigrinum und das bekannte, reich blühende gelblich-grün gefärbte, mit rotbraunen Flecken geschmückte und mit einem goldgelben Lappen versehene O. varicosum. Viele andere Orchideengattungen und -arten werden noch ihre blütenschöne Bewährungsprobe im Zimmer bestehen, wenn die Pflege dieser wunderschönen Gewächse mit Liebe, Sorgfalt, Geduld und einem Schatz nützlichen Wissens betrieben wird. Bei aller kaum geahnten Robustheit und Widerstandsfähigkeit gegen die »Gefahren« des Zimmerpflanzendaseins haben die Orchideen natürlich auch eine Reihe Wünsche, die sie unbedingt erfüllt sehen wollen. Und diese Ansprüche müssen mit gleichmäßiger, aufmerksamer Genauigkeit beachtet werden, denn Fehler und Unvorsichtigkeiten rächen sich schnell. Ein bedeutsamer Lebensfaktor für Orchideen ist die Luftfeuchtigkeit, ganz gleich, ob sie sich im Freien oder im Zimmer aufhalten, die vor allem in der Zeit vom Erscheinen des Triebes bis zu seiner Reife (4-6 Monate lang) möglichst hoch sein soll. Deshalb sind die Blätter der Orchideen täglich mehrmals leicht mit einem feinen Zerstäuber zu übersprühen, niemals aber – wegen Fäulnisgefahr – abzuspritzen. Im Winter leisten die Elektroluftbefeuchter hervorragende Dienste, während die zwischen den Rippen angebrachten Wasserverdunster nie ausreichen. Ganz gleich, ob das Wasser zum Sprühen oder zum Gießen verwendet wird, immer sollte es Regenwasser oder abgestandenes, enthärtetes, kalkfreies Leitungswasser sein, dessen Temperatur der des Zimmers entspricht. Während der Hauptwachstumszeit mit Wasser zu sparen, wäre zwar verkehrt, jedoch dürfen die Wurzelballen nicht vor Wasser triefen. Beim Düngen gehen selbst die Meinungen der Experten auseinander. Am einfachsten ist die Verwendung von Orchideen-Spezialdüngern, die in Fachgeschäften erhältlich sind. Die Orchideen verfügen nicht über ein so aufnahmefähiges Wurzelwerk, wie man es von anderen Zimmerpflanzen her kennt; sie dürfen den Dünger immer nur in schwacher Konzentration angeboten bekommen (das wird in den fertigen Düngern berücksichtigt). Man dünge daher häufiger, aber in geringeren Dosierungen. Steht nur ein »normaler« Zimmerpflanzendünger zur Verfügung, wird er in der vom Hersteller angegebenen Anwendung mindestens um die Hälfte reduziert. Für den fortgeschrittenen Orchideenfreund ist natürlich auch eine Düngung mit Einzelnährstoffen möglich, es müssen aber alle Kernnährstoffe (Stickstoff, Phosphor, Kali usw.) vorhanden sein, dazu auch Mikronährstoffe. DendrobiumAnne Marie – Dendrobium-Nobile-Hybride Welche Orchideen können unbedenklich gedüngt werden? Alle eingewurzelten, gesunden Pflanzen in der Wachstumszeit. Nicht gedüngt werden dürfen frisch verpflanzte Orchideen, kranke oder wurzellose Pflanzen. Man düngt nicht bei starker Sonneneinwirkung und bei Ballentrockenheit sowie solche Orchideen, die eine Ruhezeit durchmachen. Eine Erneuerung der Nährstoffe erfolgt auch durch das Verpflanzen. Es wird bei den meisten Orchideen nach 2 Jahren notwendig, nämlich dann, wenn eine Verdichtung des Substrats einsetzt. Zeichen dafür sind verstärkte Algenbildung und dass die Orchideen nur schwer abtrocknen. Die recht unterschiedliche Lebensweise der Orchideen macht sich auch in den Lichtansprüchen der einzelnen Gattungen bemerkbar. Sie wünschen aber alle einen hellen Platz, an dem sie jedoch vor den grellen Strahlen der Mittagssonne geschützt sind. Dem hohen Lichtbedürfnis der Orchideen kann man auch durch eine künstliche Belichtung der Pflanzen in den dunklen Wintermonaten entgegenkommen; Leuchtstoffröhren, die eine längere Lebensdauer und eine bessere Stromausnutzung besitzen, verdienen den Vorzug vor Glühbirnen. Orchideen sind dankbar für viel frische Luft (keine Zugluft) und für nicht zu hohe Temperaturen, die im Zimmer 16°C nicht überschreiten sollten. Im Winter sorge man für gut schließende Fenster, die außerdem noch durch Papier oder Pappe vor dem Eindringen von Kaltluft zu schützen sind. Orchideenliebhaber beziehen heute zum Umtopfen den Pflanzstoff für ihre Lieblinge per Post oder Bahn aus einer Orchideengärtnerei. Dieser Pflanzstoff (der Ausdruck Erde ist hier völlig unzutreffend) lässt sich nämlich kaum selbst herstellen. Er besteht sowohl für die bäum- als auch für die erdbewohnenden Orchideen aus einer wohlausgewogenen Mischung von kleingehackten Farnwurzeln (Osmunda, Polypodium), Sumpfmoos (Sphagnum) und halbverrottetem Buchenlaub.

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Info 18.12.2017 00:27
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