Passionsblume – Passiflora

Die Blüte dieses liebenswerten Kletterstrauches wurde durch die Darstellung eines Jesuitenpaters aus dem Jahre 1633 (!) zu einem Symbol der Leiden Christi. Erstaunlich wie der Sinngehalt dieser Beschreibung jahrhundertelang erhalten blieb. Danach haben Blätter, Narben, Staubgefäße und Ranken gleichnishafte Bedeutung: die 10 Kelch- und Blütenblätter stellen die 10 Jünger Jesu dar, ohne die ungetreuen Petrus und Judas; der Fadenkranz der Blüte wird als Dornenkrone bezeichnet; als Kelch zum Abendmahl gereicht, fungiert der stielartige Fruchtknoten; die 3 Nägel, die den Herrn ans Kreuz schlugen, werden durch 3 Narben versinnbildlicht; 5 Staubgefäße weisen auf die Nagelwunden und das Mal der Lanze hin; die Geißeln sind die Kletterranken, und als spitze Lanzen erscheinen die fünf- bis siebenlappigen Blätter. Passiflora caeruleaKaiserin Eugenie – Passiflora caerulea Diese Deutung der Legende soll uns jedoch nicht abhalten, auch die nüchternen Seiten der Passionsblume genau zu beachten. Es ist vor allem eine Art, nämlich Passiflora caerulea, die uns interessiert. Sie besitzt weißliche Blüten mit einer blauen Strahlenkrone und purpurfarbigen Griffeln. Von ihr gibt es noch einige besonders schöne Namenssorten, allen voran Kaiserin Eugenie, mit violetten, weißen oder roten Blüten. Passiflora racemosaPassiflora racemosa In den Victoria-amazonica-Häusern der botanischen Gärten finden wir, oft in Gemeinschaft mit Lotosblumen, mit Hibiscus schizopetalus, dem »Ohrgehänge der Prinzessin«, die Traubenpassiflora (Passiflora racemosa) mit großen roten Blüten; sie ist genauso widerstandsfähig wie P. caerulea. Nur sind ihre Blüten, die an lianengleichen meterlangen Trieben sitzen, erheblich kleiner. Die größte Passionsblume wird von den Botanikern P. quadrangularis genannt. Auffallend sind ihre vierkantigen Stängel und die bis zu 10 cm im Durchmesser großen violetten, weiß geringelten und mit Fransen versehenen Blüten. Die Stängel erreichen Längen von 3-5m. Ganz verzweifelt sind manche Zimmergärtner, wenn nach Jahren prächtigen Blühens ihre Passionsblume plötzlich versagt. Das kann nun viele Gründe haben: Die Blüte setzt in kühlen, regenreichen Sommern völlig aus, da die Passiflora eine »Sonnenanbeterin« ist. Sie liebt es, recht warm, in voller Sonne, möglichst im Freien (dort etwas geschützt) zu stehen. Da sie ein ausgesprochen starker Wachser ist, soll die Erde kräftig sein; deshalb verwenden wir Beutelerde oder eine selbst hergerichtete Mischung aus Komposterde mit etwas Sand und Torf. Diese Erde reichert man noch mit Volldünger an, und während der Hauptwachstumszeit von Mai bis August bekommt die Pflanze im wöchentlichen Abstand einen Düngeguss. Nach der Blüte beginnt sofort die Ruhezeit mit Einschränken der Wassergaben und einer Aufstellung in Räumen, deren Temperatur 10°C nicht übersteigt. Und bitte nicht erschrecken, die Passionsblume überwintert in entblättertem Zustand; deshalb soll man nicht versuchen, das Blätterkleid durch Aufstellen in vollbeheizten Räumen zu erhalten. Im März können wir die Passionsblume dann wärmer stellen. Alle 2-3 Jahre wird sie, je nach Bedarf, umgetopft; es empfiehlt sich, vor dem Umtopfen die Blütenzweige des Vorjahres auf 6-8 Augen zurückzuschneiden. Vermehrt wird durch Stecklinge, die nicht zu weich sein sollten. Man steckt sie am besten zu mehreren dicht bei dicht in einen mit sandiger Blumenerde gefüllten Topf. Bitte nicht die Geduld verlieren: Es dauert 4-5 Wochen, bis Wurzeln gebildet werden. Wer sich keine Stecklinge besorgen kann, sollte im Gartenfachgeschäft Samen kaufen. Den gibt es von P. caerulea und sogar gleich zusammen mit einem zentimetergroßen Minigewächshaus, in dem Keimung und Wachstum der jungen Passionsblume sicher gelingen.