Primel – Primula

Die Reichblütigkeit der Becherprimel, Primula obconica, deren weiße, rote, blaue und rosa Blütenstände fast das ganze Jahr erscheinen, begründete, zusammen mit den geringen Pflege wünschen, den guten Ruf der Zimmerprimel. Ein kurzlebiger, aber nicht minder schöner Gast am winterlichen Blumenfenster ist die Fliederprimel (Primula malacoides); der lockere Wuchs und die etagenförmige Anordnung der in vielen Farben leuchtenden, duftenden Einzelblüten an nur einem Stiel finden alljährlich viele Bewunderer. Die kleinste in der Gestalt, aber in der Blütengröße ihren Vettern ebenbürtig, heißt Chinaprimel (Primula praenitens, früher P. sinensis). Sie kann uns jahrelang erhalten bleiben, wenn auch der Blütenreichtum und die Blühdauer der Becherprimel nicht annähernd erreicht werden. Primula malacoidesPrimula malacoides Auf die Vorzüge der Becherprimel, P. obconica fällt allerdings ein Schatten: manche Blumenfreunde finden, nach Berührungen mit den Blättern oder Blütenständen der Becherprimel, auf ihren Händen zahlreiche kleine, juckende Bläschen. Der Übeltäter ist das durch die Drüsenhaare der oberirdischen Primelteile ausgeschiedene Sekret Primin; vom medizinischen Standpunkt liegt eine echte Allergie vor, die entweder angeboren ist oder erworben werden kann. Diese nicht alle Menschen befallende Allergie ruft Hautekzeme hervor, denen man durch Einreiben mit Äther, reinem Alkohol oder doppeltkohlensaurem Natron begegnen kann. Die Bläschen können übrigens schon wenige Stunden nach der Berührung, manchmal aber erst nach Tagen auftreten. Deshalb sollte man auf die Becherprimel (die beiden andern rufen keine Ekzeme hervor) jedoch nicht verzichten. Sie blüht im Frühjahr wie im Herbst, im Sommer wie im Winter und legt nur zwischendurch eine kleine Verschnaufpause ein. Alle Primeln sind »kühle« Schönheiten; sie stehen am liebsten zwischen Doppelfenstern oder in nicht zu warmen Räumen. Wir halten die pralle Mittagssonne von ihnen fern, sorgen aber immer für einen hellen Platz und reichlich, am besten kalkarmes Wasser. In der Blütezeit, das gilt vor allem für Becherprimeln, sollten sie niemals dürsten und hungern; vierzehntäglich ein Düngeguss mit niedrig bemessener Konzentration wirkt wahre Blütenwunder. – Vermehrt werden sie alle durch Samen. Aussaat gelingt in einem Gefäß, das man auf die Heizung stellt.