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Die Entwicklung des Orchesters

Die weltliche Instrumentalmusik hatte im 16. Jahrhundert schon eine gewisse Verbreitung erlangt, konnte sich aber doch kaum mit dem Reichtum der durch die Kirche geförderten Chormusik messen. Die immer stärker gepflegten weltlichen Kompositionen, insbesondere Oper und Ballett, verlangten eine Begleitung durch instrumentale Ensembles, die meist nur von Fall zu Fall zusammentraten. Seit dem 16. Jahrhundert waren verschiedene Gruppierungen von Instrumenten üblich. Einige bestanden aus einer einzigen Familie wie Violen oder Blockflöten. In einem gemischten Ensemble wirkten Instrumente verschiedener Gattung zusammen. Die Entwicklung der Oper in Italien führte die Komponisten dazu, farbiger zu instrumentieren. Claudio Monteverdi (1567-1643) verwandte in seiner Oper »Orfeo« (1607) ein Orchester, das aus Tasteninstrumenten, Blech- und Holzbläsern sowie Saiteninstrumenten, insgesamt 15 verschiedenen Instrumenten, bestand. Doch überließ er es dem Dirigenten, welche Instrumente er für die einzelnen Abschnitte der Komposition verwenden wollte, mit der Ausnahme freilich, dass er für die Hades-Szenen Posaunen vorschrieb. Schon zehn Jahre zuvor hatte Giovanni Gabrieli (um 1557-1613) gewissen Teilen seiner »Sacrae symphoniae« (1597) bestimmte Instrumente zugeordnet. Dies war möglicherweise das erste Werk mit einer so genauen Angabe der instrumentalen Besetzung. Die Familie der Saiteninstrumente Im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts verdrängte die verbesserte Violine mit ihrem edlen und klaren Ton die Familie der Violen (Instrumente, die beim Spielen auf die Knie gestützt wurden). Im Kontrabass lebt die Korpus Form der Viole bis heute weiter. Die Familie der Violinen erzeugte jenen Klang, der zum Fundament des Symphonieorchesters wurde. Die 24 Violinisten des französischen Königs, die unter der Leitung von Jean-Baptiste Lully (1632-87) spielten, waren eines der besten Ensembles, die an den europäischen Höfen musizierten. Während des ganzen 17. Jahrhunderts schrieb man bei orchestralen Begleitungen gewöhnlich nur die Bassstimme, den sogenannten Continuobass, auf. Das Continuoinstrument, meist ein Cembalo oder eine Orgel (Portativorgel), fügte die Füllstimmen zur Bildung der Harmonie selbständig hinzu. Dieses System des Continuobasses erforderte also vom Spieler oder vom Dirigenten eine schöpferische Beteiligung, die erst dann wegfiel, als die Komponisten begannen, die einzelnen Stimmen selbst vollständig auszuschreiben. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war die Streicher Besetzung, bestehend aus erster und zweiter Violine, Bratsche und Violoncello, endgültig festgelegt. Der Kontrabass spielte anfangs den Cellopart eine Oktave tiefer mit. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde er zum selbständigen Teil des Orchesters. Seine bis heute gültige Gestalt fand er, als sich das italienische Modell mit vier Saiten im späten 19. Jahrhundert überall durchgesetzt hatte. Die Familie der Holzblasinstrumente
Im Laufe der Zeit erhielten neben den Streichern immer mehr Instrumente ihren festen Platz im Orchester im 17. Jahrhundert als erste Holzblasinstrumente Oboe und Fagott. Zunächst wurde das Fagott als Blasinstrument eingesetzt, später auch in Tenorlage. Ungefähr ab 1650 spielten die Oboen die Violinstimme mit. Virtuose Oboisten verhalfen ihr aber bald zu einer selbständigeren RoUe. Die Flöte tauchte schon in frühen Orchestern auf. Die Blockflöte wurde bald von Oboe und Querflöte verdrängt. Letztere verdankt französischen Musikern und Instrumentenbauern wesentliche Verbesserungen mechanischer Art. Als letztes Holzblasinstrument fügte sich die Klarinette, um 1700 von Johann Denner (1655-1707) entwickelt, dem Orchester ein. Die wichtigsten Holzblasinstrumente eroberten ihre Stellung im Orchester in verschiedener Weise: So wurde eine Verwandte der Oboe, das Englischhorn, eine Oboe in Altlage, vor allem von romantischen Komponisten gern verwendet. Auch Bass Flöte und Bassklarinette wurden gelegentlich eingesetzt, und manchmal ergänzte die Pikkoloflöte durch ihren funkelnden Glanz das Ensemble der Holzbläser. Blechblasinstrumente und Schlagzeug
Als Johann Sebastian Bach sein erstes »Brandenburgisches Konzert« schrieb (1721), hatte das Waldhorn seinen Platz im Orchester eingenommen, vorher schon die Trompete. Das Waldhorn wurde oft zusammen mit der Oboe zu einer Gruppe zusammengefasst. Mozart schrieb bei 19 seiner ersten 40 Symphonien eine Bläserbesetzung vor, die nur aus Oboe und Horn bestand. Die Posaune, die im späteren 18. Jahrhundert schon im Opernorchester heimisch war, gelangte erst fünfzig Jahre später auch in das Symphonieorchester. In der Romantik und Spätromantik, als die Komponisten immer neue orchestrale Klangfarben und Effekte erprobten, wurde die Gruppe der Schlaginstrumente ständig erweitert, bis sie schließlich über 20 verschiedene Instrumente umfasste. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam man davon ab, dass der Konzertmeister der Violinen das ganze Orchester leitete. Louis Spohr (1784-1859) überraschte 1820 in London sowohl das Orchester wie die Zuhörer, als er, soweit bekannt zum ersten Mal, mit einem Taktstock dirigierte. Hector Berlioz (1803-69) und Richard Wagner (1813-83) setzten neue Maßstäbe für die Perfektion des Zusammenspiels. Das bürgerliche Publikum, das nunmehr in die Konzertsäle strömte, machte Orchester aus qualifizierten Berufsmusikern und mehrere Proben finanziell möglich.

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