Der Impressionismus

»Impressionismus« war ursprünglich ein abfälliger Ausdruck. Der Kritiker Louis Leroy gebrauchte ihn 1874 zum ersten Mal in seiner Empörung über Monets Bild »Impression Sonnenaufgang«, das in einer »freien« Ausstellung (im Gegensatz zu den offiziellen Ausstellungen des »Salons«) hing. Die Kritiker stellten acht Maler fest, die eine besondere Gruppe bildeten und offenbar überkommene Formen und Inhalte zugunsten subjektiver Impressionen über Bord geworfen hatten. Die impressionistischen Maler
Der »Vater« dieser Gruppe von Impressionisten war Camille Pissarro (1830-1903). Weiter gehörten dazu Paul Cezanne (1839-1906), Sohn eines Bankiers und Freund Emile Zolas, Edgar Degas (1834-1917), Stammgast der Rennbahnen und Ballettstudios, Claude Monet (1840 bis 1926), der die alten Meister verachtete, Auguste Renoir (1841-1919), der Porzellanmaler in Sevres werden wollte, Alfred Sisley (1839-99), in Paris lebender Sohn eines englischen Kaufmanns, Berthe Morisot (1841 bis 95), Schwägerin von Edouard Manet (1832 bis 83), und Armand Guillaumin (1841 -1927). Manet, »Führer« der Gruppe und von nicht geringem Einfluss auf die jüngeren Maler in den Jahren nach 1860, hatte es abgelehnt, außerhalb des offiziellen Salons auszustellen. Obwohl sie erst 1874 als Gruppe bekannt wurden, hatten sich die Impressionisten schon im vorhergehenden Jahrzehnt kennengelernt und zusammen gearbeitet. Einige von ihnen hatten gemeinsam studiert, einige malten Seite an Seite die gleichen Szenen: Monet, Sisley und Renoir 1864 im Wald von Fontainebleau, Monet und Renoir 1869 in »La Grenouillere« bei Paris und Monet und Manet 1874 in Argenteuil. Diese Künstler erlebten auch gemeinsam häufig Zurückweisung durch den »Salon«, was ihre Bilder sehr schwer verkäuflich machte. Außerdem besaß keiner von ihnen, außer Degas, die vom Salon anerkannte Ausbildung durch die Ecole des Beaux-Arts. Dies befreite sie aber auch von den herrschenden künstlerischen Konventionen und gestattete ihnen zu experimentieren. Stil und Thema
Die Impressionisten lehnten es ab, historische Ereignisse nach der Tradition von J.-L. David oder idealisierte Landschaften in der Manier von Claude Lorrain und Poussin zu malen. Stattdessen wählten sie alltägliche Motive aus der Gegend von Paris und der Normandie. Degas malte Rennbahnen, Monet Ansichten vom Seine Ufer oder das Innere von Bahnhöfen, Renoir malte Figuren im sonnenfleckigen Schatten. Eine Ausnahme bildete Cezanne mit seinen Landschaften aus der Provence. Solche Szenen konnten der Künstler unmittelbar erleben und sofort an Ort und Stelle verarbeiten, Anleihen bei der Phantasie wurden überflüssig und raffinierte Kompositionen unmöglich. Ihre Gemälde waren Impressionen »in dem Sinn, dass sie nicht eine Landschaft wiedergaben, sondern ein durch eine Landschaft gewecktes Gefühl«. Dies war nichts völlig Neues. Schon Gustave Courbet (1819-77) hatte bewusst alltägliche Motive ausgewählt. Im Freien gearbeitet hatten auch schon französische Künstler des 18. Jahrhunderts wie Joseph Vernet (1714-89), im 19. Jahrhundert Camiile Corot (1796-1875) und der Engländer John Constable (1776-1837) sowie, von diesen beeindruckt, die Meister der Schule von Barbizon. Künstler der alten Schule, die im Atelier arbeiteten, behandelten Licht als Helligkeit. Die Impressionisten kamen durch das Malen im Freien zu der Entdeckung, dass Licht, ob flüchtig wie bei Renoir oder bleibende Formen hervorhebend wie bei Cezanne, aus Farbtönen zusammengesetzt ist. Beim Arbeiten nach dieser Erkenntnis brauchten sie bald mehr und vor allem reine Farben auf ihren Paletten, sie verbannten das Schwarz aus dem Schatten und ersetzten es durch Violett oder Blau, sie übernahmen das von dem Chemiker Michel Eugene Chevreul (1786-1889) in den Jahren nach 1830 entwickelte System der Komplementärfarben. Außerdem hellten sie den Grund ihrer Leinwände auf und ersetzten das übliche Braun und Hellbraun durch das Weiß und Beige wie bei den Engländern Richard Parkes Bonington (1802-28) und Turner (1775-1851). Letzte Entwicklungen und Wandlungen
Der impressionistische Stil brauchte Zeit, um zur Vollendung heranzureifen. Als Monet z. B. nach 1860 seine »Frauen im Garten« malte, beeinträchtigte er durch viel Schwarz und breite Pinselstriche den Ausdruck des einfallenden Lichts. In den frühen siebziger Jahren, als Mönet den »Sonnenaufgang« und Pissarro den »Dorfeingang von Voisins« malte, konnte der Impressionismus als ausgereift gelten, er war geprägt durch kurze Pinselstriche, farbige Schatten und durch Arbeit direkt vor dem Motiv. Anfang der achtziger Jahre zerbrach die stilistische Einheit der Gruppe. Ihr einstiger großer Fürsprecher Zola bezweifelte, ob »die mit den Augen des Temperaments gesehene Natur« jemals den Grundstoff für ein Meisterwerk liefern könne. Sisley, Guillaumin und Morisot blieben dem Stil treu, doch Monet suchte neue Motive und intensiveres Licht an der Cöte d’Azur und begann später mit seiner »Zyklen« Malerei. Cezanne arbeitete in der Provence an einer intensiven Analyse der Beziehung zwischen Farbe und Form. Renoirs lebenslange Bemühung um die Figur führte zur Wiederentdeckung der Formwerte des klassischen Akts. Degas versuchte, völlig in der Fläche zu bleiben und die Raumillusion aufzugeben, Pissarro übernahm kurz den Pointillismus Georges Seurats (1859-91), der mit kleinen Tupfern in puren Farben malte und dessen wissenschaftliche Analyse des Lichts den Kern des Neo-Impressionismus bildete.

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Info 22.11.2017 17:43
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