Politische Systeme

Politische Systeme können nach unterschiedlichen Gesichtspunkten klassifiziert werden. Man wird vor allem ihre politischen Institutionen untersuchen, um vergleichbare oder auch gegensätzliche Merkmale festzustellen. Eine solcher Institutionen wären z. B. die Parlamentswahlen, die in den einzelnen Staaten in verschiedenen Formen, entweder als Mehrheitswahl oder als Verhältniswahl, praktiziert werden. Wahlsysteme
Für das in England heute noch angewendete Mehrheitswahlsystem wird in einem Wahlkreis jeweils nur der Kandidat mit den absolut (oder auch relativ) meisten Stimmen in das Parlament entsandt. Die Wähler der unterlegenen Parteien dieses Wahlkreises sind damit überhaupt nicht im Parlament repräsentiert. Um diese Wahlungerechtigkeit zu vermeiden, bevorzugen heute fast alle Länder des europäischen Kontinents die Verhältnis- oder Proportionalwahl: Die Sitze werden nach dem Zahlenverhältnis der abgegebenen Stimmen auf die Listen der Parteien verteilt, um eine adäquate Vertretung auch der Minderheiten zu sichern. Politische Systeme können aber auch entsprechend den Verfahren klassifiziert werden, die beim Zustandekommen der Exekutive angewendet werden. In der westlichen Welt herrschen das parlamentarische und das Präsidialsystem vor. Im parlamentarischen System stellt die absolut stärkste Partei oder der stärkere Partner einer Koalition den Regierungschef (Premierminister, Kanzler), der seinerseits die Regierungsmitglieder (Minister) beruft. Im parlamentarischen System kann die Regierung zum Rücktritt gezwungen werden, wenn ihr die Parlamentsmehrheit das Vertrauen entzieht. Im Präsidialsystem wählen die Bürger den Regierungschef (den Präsidenten) direkt und unabhängig von den Parlamentswahlen. Daraus folgt, dass der Präsident und seine Regierung nicht unbedingt von der Parlamentsmehrheit unterstützt werden. Demokratie und Diktatur
Der Begriff der Demokratie wird im Allgemeinen auf politische Systeme angewendet, in denen das Volk auf irgendeine Weise an der Regierung beteiligt ist. In einer Diktatur beherrscht dagegen eine kleine Gruppe die große Mehrheit der Staatsbürger. Wesentliches Element der Demokratie ist die Gleichberechtigung der Bürger: Jeder einzelne soll bei wichtigen Entscheidungen seine Meinung äußern können. Allerdings ist man sich keineswegs einig, welches demokratische System dem Ideal am nächsten kommt. In der westlichen Welt sieht man es am ehesten in einem Staat verwirklicht, der regelmäßig freie Wahlen abhält, bei denen alle Parteien Kandidaten aufstellen können. Sozialistische Gesellschaften meinen dagegen, Demokratie sei überhaupt erst möglich, wenn alle Bürger gleichmäßig über die Produktionsmittel verfügen könnten. Solche unterschiedlichen Auslegungen ein und desselben Begriffes haben die Politologen veranlasst, andere Kategorien für die Klassifizierung politischer Systeme zu wählen. So untersuchten sie z. B., auf welche Weise Konflikte zwischen den Interessengruppen der Gesellschaft gelöst werden. Dabei zeichneten sich drei verschiedene Typen ab. In einer Autokratie setzen der Machthaber oder die kleine Herrschaftsgruppe ihre Interessen ohne Befragung des Volkes durch. Republikanische Systeme versuchen, die gegensätzlichen Interessen dadurch abzugleichen, dass alle Bürger an der Regierung selbst oder an der Wahl der Regierung beteiligt sind. Totalitäre Regime wollen das Konfliktproblem lösen, indem sie kraft einer Ideologie eine Gesellschaftsform schaffen, in der stärkere Konflikte ausgeschlossen sind. Kommunismus, Sozialismus, Liberalismus
Besonders häufig werden die gegenwärtig existierenden politischen Systeme in zwei Gruppen zusammengefasst: in nichtkommunistische, liberale, »westliche« und in kommunistische oder sozialistische östlicher Prägung. Der wesentliche Unterschied liegt im ökonomischen Bereich. Im Westen ist die Wirtschaft vorwiegend kapitalistisch orientiert, d. h., die Produktionsmittel (Fabriken, Maschinen, Transportmittel) sind überwiegend Privateigentum, in der sozialistischen Wirtschaft sind die Produktionsmittel dagegen Volks-Eigentum. Diesen grundlegenden Unterschieden in der Wirtschaftsordnung entsprechen weitgehend auch die politischen Systeme. Fast alle kapitalistischen Länder haben eine republikanische Staatsform. Der Staat selbst greift nur in relativ geringem Umfang in die Produktion ein, im Prinzip sind alle politischen Parteien bei Wahlen zugelassen. Die politischen Systeme der Länder mit sozialistischer Wirtschaft werden oft als totalitär bezeichnet. Sie sind meist aus Revolutionen hervorgegangen, in deren Verlauf das Privateigentum an den Produktionsmitteln abgeschafft wurde. Der Staat selbst versteht sich als Interessenvertreter der Werktätigen, er übt die Kontrolle über Produktion und Produktionsmittel aus. Meist ist nur eine Partei – die kommunistische – zugelassen, denn alle anderen Parteien würden aus kommunistischer Sicht die Interessen der Arbeiterklassen schädigen. Das System basiert auf der marxistischen These, dass echte Gleichberechtigung in einer Gesellschaft nur besteht, wenn die Werktätigen die Produktionsmittel kontrollieren. Im Sozialismus regiert noch der Staat im Namen des Volkes, im ideologischen Selbstverständnis des Sozialismus ist er nur eine Übergangsstufe zum Kommunismus, der herrschaftslosen, klassenlosen Zukunftsgesellschaft.