Psychosen

Psychose nennt man eine seelische Erkrankung, die durch einen einschneidenden Realitätsverlust und quälende innere Erfahrungen gekennzeichnet ist. Schizophrenie
Die wichtigste Psychose ist die Schizophrenie. Dieser Begriff (wörtlich: Spaltung des Denkens) bezieht sich auf die schweren geistigen Störungen, die allen Formen dieser Krankheit gemeinsam sind und die mit einer Absonderung von der äußeren Welt (»Autismus«) und einer Auflösung der inneren einhergehen. Die Schizophrenie tritt in der Regel nicht vor der Pubertät auf. Kennzeichnend für sie ist vor allem Zerfahrenheit des Denkens, Mangel an Gefühlsäußerungen, Wahrnehmungstäuschungen und Halluzinationen (Trugwahrnehmungen). Aufgrund der Verschrobenheit des Denkens ist die Sprache oft unverständlich und unlogisch. Der Schizophrene nimmt u. U. eine erschütternde Nachricht ohne jedes Zeichen innerer Bewegung entgegen, er ist unbeteiligt oder lächelt, wenn er von einem schweren Unglück erfährt oder von einem traurigen Ereignis. Die Wahrnehmungstäuschungen haben für den Kranken so viel Überzeugungskraft, dass er vernünftigen Argumenten nicht zugänglich ist. Für einen Schizophrenen kann beispielsweise die Tatsache, dass ihm ein Getränk angeboten wird, bedeuten, dass er dadurch für alle Umstehenden als Mörder entlarvt werden soll. Unter den Halluzinationen ist das Stimmenhören am häufigsten. Die Ursachen der Erkrankung sind ungeklärt. Vererbung spielt eine Rolle, wie sich in Untersuchungen an Zwillingen ergab, ist aber für das Auftreten der Krankheit nicht allein bestimmend. Seelische Belastungen (z. B. familiäre Auseinandersetzungen), einschneidende körperliche Ereignisse (z.B. schwere Erkrankungen, Geburten) und zahlreiche Rauschdrogen (Amphetamine, LSD usw.) können die Krankheit bei entsprechend disponierten Menschen auslösen. Formen der Schizophrenie sind die Paranoia (häufig mit Verfolgungswahn und Misstrauen gegen jeden), die Schizophrenia Simplex (völlige Apathie und Autismus), die Hebephrenie (häufig mit Albernheit und groteskem Verhalten) und die Katatonie (völlige Teilnahmslosigkeit und körperliche Starre, manchmal im Wechsel mit schweren Erregungszuständen). Häufig setzt sich das Erscheinungsbild der Schizophrenie aus Elementen aller vier Typen zusammen. Die Paranoia (wörtlich: »neben dem Verstand«) ist vor allem durch die Entwicklung eines zusammenhängenden, festen Wahnsystems gekennzeichnet, bei geordnetem Denken, Verhalten und Antrieb in allen anderen Bereichen. Der reine Zustand ist selten, in vielen Fällen entwickeln sich aus einer Paranoia schubweise die charakteristischen geistigen und emotionalen schizophrenen Zerfallserscheinungen. Paranoide Züge kommen übrigens auch vor bei Einzelgängern und ängstlichen Menschen, die ihre eigenen Zweifel und Unsicherheiten in andere hineinprojizieren, bei tauben Menschen, die Äußerungen anderer als Beleidigungen missverstehen, und bei krankhaft eifersüchtigen Persönlichkeiten. Die Behandlung umfasst Medikamente (Phenothiazine), sozialtherapeutische Maßnahmen und Psychotherapie. Heilungen kommen vor, in den meisten Fällen ist aber eine schwere Beeinträchtigung (dauernder Leidensdruck, Berufsunfähigkeit) die Folge. Manisch-depressive Psychose
Eine zweite Gruppe von Psychosen fasst man unter dem Begriff manisch-depressives Irresein zusammen. In diesem Begriff sind die beiden Hauptformen bereits angedeutet: die Manie (wörtlich: Raserei), gekennzeichnet durch Erregung, euphorische Stimmung (Aufgekratztheit, Schmieden großer Pläne, Ideenflucht und Überaktivität), und die Depression. Das Krankheitsbild weist entweder einen dieser Zustände oder beide im Wechsel auf. Exogene Psychosen
Neben den beiden beschriebenen Formen der endogenen (funktionellen) Psychose gibt es vielfach psychotische Zustände im Zusammenhang mit körperlichen Störungen. Psychotische Symptome kommen als »Delirium« (mit Verworrenheit, Orientierungsverlust, Wahnbildung u. a.) bei Fieber, Alkoholvergiftung u. a. vor. Eine schwere geistige Störung, häufig mit psychotischen Zügen, ist die Demenz. Sie ist Symptom einer Gehirnerkrankung (mit Verlust von Hirnsubstanz) und gekennzeichnet durch den Abbau geistiger Funktionen sowie durch eine schwere Beeinträchtigung des Gefühlslebens, zum Teil auch durch manische (Rastlosigkeit, Angeberei, krankhafte Redesucht), depressive (Gefühlsabstumpfung, Reizbarkeit, hysterische und hypochondrische Züge) oder paranoide Symptome {Beziehungswahn, besonders Furcht vor Mördern). Im Alter kommt es häufig zu psychischen Abbauerscheinungen (senile Demenz). Zu den Formen der Demenz, die oft vor dem 50. Lebensjahr auftreten, gehören die Picksche Krankheit (mit einer umschriebenen Atrophie der Schläfenlappen der Hirnrinde) und die Alzheimersche Krankheit (ausgebreitete Hirnatrophie). Psychotische Symptome kommen außerdem bei Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns, bei Hirntumoren, aber auch als Folge von Kopfverletzungen vor. Außerdem kann eine spezielle Form der Epilepsie (mit Krampfherd vor allem in den Schläfenlappen) von Halluzinationen, Stimmungsstörungen und paranoider Wahnbildung begleitet sein. Bei entsprechend disponierten Frauen können psychotische Symptome vorübergehend nach Geburten auftreten.

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Info 22.11.2017 17:38
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