Gesprächs und gruppentherapeutische Verfahren

Es gibt eine Reihe psychotherapeutischer Techniken, bei denen das Gespräch zwischen Therapeut und Patient im Vordergrund steht. Behandlungsziel ist dabei nicht nur die Beseitigung von Symptomen wie etwa bei der Verhaltenstherapie, sondern die Auseinandersetzung des Patienten mit sich selbst. Es gibt also auch keine Heilung von außen wie etwa in der Medizin durch Medikamente, vielmehr kommt es darauf an, dass der Patient über sich Klarheit gewinnt, seine Fehleinstellung erkennt und abbaut, so dass die Symptome, in denen sich die Störung Ausdruck verschafft hatte, überflüssig werden und verschwinden. Der psychotherapeutische Prozess kann dabei einzeln oder in der Gruppe ablaufen, er kann durch den Therapeuten interpretierend, helfend oder suggestiv unterstützt werden, und er kann sich in verschiedener »Tiefe« vollziehen. Interpretierendes Verhalten des Therapeuten zielt darauf ab, psychische Tatbestände zu erhellen, die dem Patienten verborgen sind, etwa durch Deutung von Träumen über das hinaus, was dem Patienten dazu einfällt. Übrigens deuten die Vertreter der verschiedenen psychotherapeutischen Schulen (etwa der von Freud oder von Jung) denselben Traum völlig verschieden. Helfend bzw. suggestiv ist ein psychotherapeutisches Verfahren dann, wenn der Therapeut dem Patienten ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln oder ihn zu beraten, zu schützen und zu ermutigen sucht. Die »Tiefe« der Behandlung hängt davon ab, ob vor allem die Vergangenheit des Patienten bis zur frühen Kindheit bzw. verdrängte Züge seiner Persönlichkeit analysiert werden oder nur neuere und bewusste psychische Inhalte. Patient und Therapeut
Was den Patienten zur Psychotherapie führt, ist vor allem sein Leidensdruck (in einigen Fällen auch die Tatsache, dass die Umwelt – etwa der Ehepartner – unter ihm leidet). Der Leidensdruck, als Niedergeschlagenheit, Depression, Gefühl der Überforderung und als unbestimmte Angst erlebt, deutet auf eine Konfliktspannung, auf Schuldgefühle oder eine Fehleinstellung, die dem Patienten selbst zunächst meist unbewusst sind. Wenn möglich »flüchtet« er sich in seine Symptome (Zwänge, körperliche Störungen), mit denen er die eigentlichen Probleme überdeckt. Der Entschluss, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, ist oft schon der erste Schritt zur allmählichen Überwindung der Fehleinstellung. Dennoch kann eine Therapie in schweren Fällen Jahre dauern. Nicht jeder Patient eignet sich für eine Psychotherapie. Günstige Voraussetzungen sind nicht zu hohes Alter, Intelligenz, Fähigkeit zur Selbsterfahrung, zum Ertragen von Unsicherheit, Angst und Frustration sowie sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Psychotherapeutische Techniken werden erfolgreich vor allem bei Neurosen und anderen Persönlichkeitsstörungen, bei sexuellen Perversionen und psychischen Entwicklungsstörungen bei Kindern angewandt. Es gibt die orthodoxe, analytisch orientierte Einzeltherapie, aber auch die gemeinsame Therapie von Eheleuten, die Familien- und Gruppentherapie, ferner verschiedene Formen der Beratung sowie mehrere Sonderverfahren, etwa Gestalttherapie, Ur schrei Therapie und Psychodrama. Während man früher streng auf die »Reinheit« des therapeutischen Verfahrens achtete, weiß man heute, dass die Persönlichkeit des Therapeuten für den Erfolg einer Therapie wichtiger ist, besonders bestimmte Fähigkeiten wie Einfühlung, verständnisvolle Teilnahme, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Das tiefgehendste psychotherapeutische Verfahren ist das der individuellen Psychoanalyse. Nach psychoanalytischer Auffassung schützt sich das Ich gegen unangenehme Erlebnisse und Angst durch verschiedene psychische Mechanismen wie Verdrängung, Verleugnung und Projektion. Neurotische (z. B. hysterische) und psychotische (Paranoia) Zustände sind durch die Wirksamkeit solcher Mechanismen gekennzeichnet, die in der Analyse vom Patienten durchschaut und überwunden werden müssen. Gruppentherapeutische Verfahren
Einige psychotherapeutische Techniken lassen sich auch in Gruppentherapie anwenden. Dabei gibt es »orthodoxe« Gruppen, die sich täglich oder wöchentlich unter der Leitung eines analytisch ausgebildeten Therapeuten treffen, und weniger strenge Gruppen, die unter der Bezeichnung »Encounter-Gruppen« zusammengefasst werden. Diese Gruppen sind eher pragmatisch orientiert, sie zielen mehr auf die Erfahrung positiven Gruppenverhaltens als auf Analyse, sie sind vor allem für Menschen gedacht, die eine bessere Selbsterfahrung und mehr soziale Sensibilität erwerben wollen, weniger für Patienten, die an schweren Persönlichkeitsstörungen oder -veränderungen leiden. Eine Sonderform dieser Selbsterfahrungsgruppen ist die »Marathon-Gruppensitzung«, bei der Teilnehmer und Therapeut 24-72 Stunden ununterbrochen zusammen sind. Neuere Entwicklungen
Ein weiterer therapeutischer Ansatz hat sich neben den verschiedenen analytischen und verhaltenstherapeutischen Techniken, wenngleich nicht unabhängig von ihnen, entwickelt: die therapeutische Beratung. Das Verfahren empfing entscheidende Anregungen durch die Methode der »Klient zentrierten Therapie« von Carl Rogers. Das Schwergewicht hegt dabei auf der Herstellung eines Gleichgewichts in der Beziehung zwischen Therapeut und Klient (Patient), auf der gegenseitigen Analyse von Problemen und Chancen sowie der Ablehnung jeder fremdbestimmten Selbstauffassung und Werthaltung des Klienten.

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Info 26.09.2017 - 22:03
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