Aufklärung von Verbrechen

Fast immer, wenn ein schweres Verbrechen aufzuklären ist, setzt die Polizei eine Vielzahl von Experten ein, um die Täter zu überführen und vor Gericht zu bringen. Sehr häufig spielen bei der Verbrechensaufklärung Fingerabdrücke eine Rolle. Sie wurden dafür erstmals am Ende des 19. Jahrhunderts benutzt. Heute vergleicht man die Fingerabdrücke vom Tatort durch Computer mit dem zentral gespeicherten erkennungsdienstlichen Material. Gerichtsmediziner – Helfer der Polizei
Die Gerichtsmedizin reicht weit in die Geschichte zurück. Zu den frühesten Zeugnissen gehört eine chinesische Schrift aus dem 13. Jahrhundert. Diese Abhandlung über das Vertuschen von Straftaten enthält bereits wertvolle Hinweise für den Kriminalisten, z. B. die Anzeichen, an denen man erkennt, dass eine angeblich ertrunkene Person in Wirklichkeit erwürgt worden ist. Später erfolgte eine Zweiteilung der forensischen Medizin: Der eine Zweig befasst sich mit der Überprüfung der Lebenden (sowohl der Opfer als auch der Verdächtigen), der andere mit den Toten. Die Gerichtsmedizin ist tatsächlich ein Eckpfeiler bei der Aufklärung von Tötungsdelikten. Der Gerichtsmediziner, der zu einem unter verdächtigen Umständen aufgefundenen Toten gerufen wird, muss zunächst einmal entscheiden, ob hier Unfall, Mord oder Selbstmord vorliegt. Die tatsächliche Todesursache versucht man dann durch die Autopsie (Leichenöffnung) zu ermitteln. Laboruntersuchungen heute von Wert
Noch vor 100 Jahren spielten Laboruntersuchungen bei der Aufdeckung von Verbrechen eine untergeordnete Rolle. Selbst in Mordfällen blieb es allein der Polizei überlassen, die nötigen Untersuchungen zu machen, dem Arzt oblagen lediglich einige einfache medizinische Tests. Erst seit der Jahrhundertwende gewann die wissenschaftliche Verbrechensaufklärung durch Zusammenarbeit von Medizinern und Polizei an Bedeutung. Heute bedient sich die Kriminalistik vielfältiger Speziallaboratorien für chemische, physikalische, biologische, pathologische, metallurgische und ballistische (Schusswaffen betreffende) Untersuchungen, sie setzt auch Schriftsachverständige ein, um zu klären, ob Dokumente gefälscht oder echt sind. Die tägliche Routinearbeit der gerichtsmedizinischen Labors betrifft jedoch vor allem Blutalkoholanalysen, mit deren Hilfe man die Höhe des zur Tatzeit vorhandenen Alkoholeinflusses feststellen kann und zwar auch dann, wenn die Blutprobe erst einige Zeit nach der Tat erhoben wurde. Nach einem auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelten Schlüssel kann man von dem festgestellten Alkoholgehalt auf den entsprechenden Gehalt zur Tatzeit rückschließen. Auch die Aufklärung von Rauschgiftdelikten ist mit wissenschaftlichen Mitteln eher möglich. Die Hilfsmittel des Kriminalisten
Die Bedeutung der verschiedenen wissenschaftlichen Hilfsmittel für die Verbrechensaufklärung ist von Land zu Land verschieden, je nach Art und Häufigkeit der Straftaten. So gewinnt in den USA, wo Schusswaffendelikte häufig sind, die Arbeit der Waffenexperten (Ballistiker) besonderen Stellenwert. In der Bundesrepublik Deutschland spielt der Blutalkoholgehalt deshalb eine sehr große Rolle, weil im Straßenverkehr bestimmte Promillezahlen unterschiedliche strafrechtliche Folgen nach sich ziehen ab 0,8% Alkoholgehalt Ordnungswidrigkeit, ab 1,3% absolute Fahruntüchtigkeit). Spurensicherung (Spuren am Tatort, an der Person oder am Fahrzeug) ist auch bei Einbruch, Überfall und Fahrerflucht wesentlich. Die Kriminalisten lernen schon während ihrer Ausbildung, dass jede Tat Spuren hinterlässt, seien sie auch noch so klein. Die Polizei bemüht sich bei Beginn der Verbrechensaufklärung, irgendwelche Tatspuren zu finden. Sie schaltet dann Wissenschaftler ein. Dabei gibt es Erkenntnisse, die wegen ihrer außerordentlich hohen Wahrscheinlichkeit – auch ohne theoretisch zwingend zu sein – einen Schuldverdacht beweisen können. Ein wichtiges Beispiel dafür sind die Fingerabdrücke. Man hat zwar nie die Abdrücke aller Menschen erfassen und vergleichen können und weiß deshalb nicht absolut sicher, ob es nicht doch etwa zwei Leute mit gleichem Fingerabdruck gibt. Da man aber die Abdrücke vieler Millionen Menschen aufgezeichnet und vergeblich auf ihre Identität hin untersucht hat, geht man davon aus, jeder Mensch habe einen unverwechselbaren, einmaligen Fingerabdruck. Auch ist es keineswegs selten, dass ein Straftäter durch den Verlust eines Gegenstandes am Tatort überführt wird, z. B., wenn die Spitze eines Schraubenziehers abbricht, oder wenn nach Fahrerflucht ein Stück des Scheinwerferglases, das am Tatort verblieb, zum Wagen des Verdächtigen passt. Die Bedeutung der Kriminalistik liegt einmal im Auffinden objektiver Beweise. Nach wie vor sind ihre Mittel und Methoden der Verbrechensaufklärung nur den Sachverständigen vertraut, so dass der durchschnittliche Verbrecher niemals genau weiß, welche Möglichkeiten man gegen ihn ausschöpfen kann und wird. Auch für die Zukunft sind die Grenzen der Kriminalistik und ihrer wissenschaftlichen Fortentwicklung noch nicht erkennbar. Das ist beruhigend, denn den Straftäter schreckt offenbar mehr die Angst vor Entdeckung ab als die Angst vor Strafe. Es ist aber zu bedenken, dass sich besonders das organisierte Verbrechen sehr schnell neue technische Möglichkeiten zunutze macht, nicht immer ist dann die Polizei dem Verbrechen um einen Schritt voraus.