Die Verbrechensbekämpfung

Verbrechensbekämpfung ist Aufgabe der Polizei. Da Polizei im Sinne hoheitlicher Zwangsgewalt zur Durchsetzung öffentlicher Aufgaben einen Staat voraussetzt, kann man von ihr erst sprechen, seitdem der neuzeitliche Staat besteht also, seit dem Absolutismus. In der Epoche der Aufklärung, die die Rechte des einzelnen hervorhob, sollte sie den Bürger vor Übergriffen schützen. Eine der Hauptaufgaben ist heute die Verbrechensbekämpfung. Sie erfordert eine umfangreiche polizeiliche Organisation mit zahlreichen Beamten und Behörden und zum Teil recht kostspieligen Hilfsmitteln. Die Polizeiangehörigen sind heute überwiegend Spezialisten, im Gegensatz zu früher kennen sie kaum mehr aus eigener Anschauung die Verbrecherszene oder deren Mitglieder. Bei der Bekämpfung von Verbrechen kommt es im modernen Rechtsstaat darauf an, dass die Rechte des einzelnen, der vor Straftaten geschützt werden soll, nicht durch die Polizeiarbeit beeinträchtigt werden. Zu diesem Zweck hat man ein umfangreiches System von Rechtsregeln geschaffen, die die Grenzen polizeilicher Arbeit festlegen. Insbesondere sind die Methoden genau umschrieben, die bei Vernehmungen angewendet werden dürfen. Auch die Durchsuchung von Personen und Räumen sowie der Gebrauch von Schusswaffen usw. sind genau geregelt. Schusswaffen dürfen z. B. nicht eingesetzt werden, wenn dritte, unbeteiligte Personen durch die Schüsse gefährdet werden könnten. Aus der Polizeigeschichte
Frankreich organisierte schon Ende des 17. Jahrhunderts eine zentrale Polizeigewalt. In England schuf man erst 1829 die erste bezahlte und uniformierte Polizei, die »Bobbies« von London (nach ihrem Gründer Robert Peel benannt). In den USA wurde Polizeigewalt zunächst ziemlich unsystematisch ausgeübt. Diese Situation veranlasste Allan Pinkerton (1819-84), seine Tätigkeit bei der Chicagoer Polizei 1850 aufzugeben und ein privates Ermittlungsbüro zu eröffnen. Er errichtete eine das ganze Land umfassende polizeiähnliche Organisation. Pinkertons Einfluss zeigt sich noch heute in den Vereinigten Staaten an der wichtigen Rolle des Privatdetektivs bei der Verbrechensaufklärung. Die meisten westlichen Staaten sind außerdem Mitglieder von Interpol, einer 1923 gegründeten Organisation mit Sitz in Paris, die die internationale Verfolgung von Straftaten und -tätern zum Ziel hat, sie wird insbesondere bei überstaatlichen Fahndungsmaßnahmen eingeschaltet. Anders als in den USA spielt der Privatdetektiv in Deutschland keine Rolle bei der Verbrechensbekämpfung. Eher wird er zur Lösung privater Ausspähungsprobleme eingesetzt, vor allem zur Überwachung von Ehepartnern, aber auch zur Bekämpfung von Versicherungsbetrügereien. Dieser Unterschied ist in den Rechtssystemen der beiden Staaten begründet: In der Bundesrepublik werden nahezu alle Gesetzesverstöße als Offizialdelikte von der staatlichen Gewalt, also von der Polizei, verfolgt, anders in den USA, wo die Polizei im Wesentlichen die schwere Kriminalität bekämpft. Betrug etwa ist hier ein Zivilrechtsproblem. Sicherheit als Geschäft
Im Jahre 2002 gaben Gesellschaften und Einzelpersonen in den USA mehr als 40 Milliarden Dollar für private Sicherheit und Verbrechensvorbeugung aus. Verbrechensbekämpfung wurde auf diese Weise zum großen Geschäft. Auch in der Bundesrepublik entstanden in den letzten 20 Jahren zahlreiche Privatfirmen, die gegen Entgelt die Sicherheit von Personen und Sachen gewährleisten sollen. Diese Entwicklung provozierte jedoch auch ein neues Problem, nämlich, wie der einzelne wiederum vor solchen »Beschützern« geschützt werden kann. Seit man über die Mikrotechnik verfügt, ist es in den letzten Jahren wesentlich leichter geworden, unerlaubt in die Privatsphäre anderer einzudringen, vor allem durch versteckte Kameras, Tonbandgeräte, Abhörgeräte, Kleinsender (»Wanzen«). So wurden Gesetze erforderlich, die den Vertrieb oder Gebrauch solcher Geräte einschränken. Sozialisierende Maßnahmen
In der heutigen Zeit, probiert man zunehmend neue Wege der Verbrechensbekämpfung. Man will es gar nicht erst zur Straftat kommen lassen, der potentielle Straftäter soll durch sozialisierende Maßnahmen von Straftaten abgehalten werden. Ausgehend von der Vorstellung, das Milieu und fehlende soziale Eingliederung sei ursächlich schuld an den Straftaten, versucht man, bereits vorbeugend zu wirken. Mit Bewährungshelfern und Aufsichtsstellen, die die Betroffenen überwachen und ihnen helfen sollen, will man den einzelnen in die Gesellschaft eingliedern (auch angemessene Bezahlung für geleistete Arbeit) und dadurch von Straftaten abhalten.

Forum (Kommentare)

Info 23.11.2017 19:28
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.