Diskriminierung und Diskriminierende Sprache

Unter Diskriminierung wird die Benachteiligung von Menschen oder Gruppen (zumeist Minderheiten) aufgrund von Merkmalen wie Herkunft, Staatsangehörigkeit, ethnischer, politischer oder religiöser Zugehörigkeit, sozialen Gewohnheiten, sexuellen Neigungen, Sprachen, Geschlecht, Behinderung oder äußerlichen Merkmalen wie Haut- oder Augenfarbe verstanden. Sie steht dem Grundsatz der Gleichheit der Rechte aller Menschen entgegen. Diskriminierung kann als ein Ausdruck von Intoleranz und dem Vorherrschen von Vorurteilen betrachtet werden. Diesem Vorurteilsansatz steht der Ansatz der institutionellen Diskriminierung gegenüber. Im Wortsinn kann Diskriminierung auch ein Menschenrecht sein, beispielsweise gehört es zum Grundrecht auf persönliche Entfaltung und allgemeine Handlungsfreiheit, bei der Partnerwahl Menschen nach oben genannten Diskriminierungsmerkmalen zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Diskriminierung ist daher immer abhängig vom Kontext der Diskriminierung und von der Machtstellung des Diskriminierenden. Der Staat etwa hat eine sehr starke Machtstellung, da er das Gewaltmonopol besitzt. Benachteiligungen können in Einschränkungen in jeglichen Ebenen des Lebens stehen, insbesondere in Einschränkungen an der Teilnahme am öffentlichen Leben, Einschränkung der Freizügigkeit, Einschränkungen bei Ausbildung, Berufsausübung oder Entgelt. Im Interessenkonflikt zwischen deutlich unterscheidbaren Gruppen (z. B. Rauchern und Nichtrauchern) ist die Grenze zwischen einer diskriminierenden (schlechter stellenden) Einschränkung der Selbstbestimmung und dem Schutz der Allgemeinheit eine Frage der Abwägung, die einer kontinuierlichen Neubewertung unterliegt. Es besteht auch ein Konflikt zwischen Religionsfreiheit, staatlicher Schulpflicht und der Einschränkung der freien Religionsausübung in der Schule. Altersdiskriminierung ist eine Diskriminierung aufgrund des Lebensalters. Während sie in der Bundesrepublik Deutschland erlaubt ist, ist sie in vielen anderen Ländern verboten. Die Altersdiskriminierung zeigt sich zum Beispiel darin, dass in der Bundesrepublik Deutschland in 41% der Betriebe niemand beschäftigt wird, der älter als 50 Jahre ist. (Quelle: Altenbericht, nach »Sächsische Zeitung« vom 31. August 2005, S.2) Diskriminierung Behinderter findet heute zumeist im Bereich des freien Zugangs von Behinderten zu Dienstleistungen statt: Verweigerung des Zutritts zu Restaurants oder Verweigerung der Versicherung einen Behinderten versichern zu wollen. Dies kann bei den Betroffenen oftmals zu schwerwiegenden Nachteilen führen, beispielsweise wenn ein Behinderter zusätzlich einen Unfall erleidet und wegen seiner Behinderung nicht adäquat versichert ist, weil ihn die Versicherung abgelehnt hat. Es gab in der Geschichte mehrere »große« Diskriminierungen, wie zum Beispiel der Genozid an Juden im nationalsozialistischen Regime oder der Rassismus von »weißen« gegenüber »schwarzen« Menschen in der ehemaligen Sklavenhaltergesellschaft der USA und dem ehemaligen Apartheidsregime in Südafrika. Diskriminierende Sprache
Oft zeigt sich Diskriminierung in der Sprache, indem abwertende oder nicht neutrale Formulierungen verwendet werden. So wird beispielsweise anstelle von Studenten heute offiziell von Studentinnen oder Studenten gesprochen, oder von – sprachlich jedoch problematisch – von Studierenden. Einen feinen semantischen Unterschied macht es, ob man von „Behinderten“ spricht oder von „Menschen mit Behinderungen“. Dem Versuch einer nicht-diskriminierenden Sprachverwendung wird – zumeist von Gegnern dieser Bestrebungen – die Verhaltensweise einer Political Correctness zugeschrieben. Problematisch an einer nicht-diskriminierenden Sprachverwendung sei, dass es nicht gelingen könne, Diskriminierung durch sprachliche Änderungen zu beseitigen, solange die Ursachen nicht beseitigt sind. Neue Bezeichnungen nähmen den Charakter der alten an, wenn der alte Sachverhalt erhalten bleibt (Euphemismus-Tretmühle). Es helfe also kaum, lediglich die Bezeichnungen zu ändern. Gewarnt wird davor, dass durch entsprechenden Sprachgebrauch Diskriminierung verschlimmert und verschleiert werden könnte. Typische Merkmale diskriminierenden Sprachgebrauchs sind:
1. Betonung von Unterschieden.
2. Stereotypisierung.
3. Abfällige und aufgezwungene Bezeichnungen. Institutionalisierte Diskriminierung
Der Begriff der institutionalisierten Diskriminierung ist relativ stinkich. Er versteht Diskriminierungen wie Rassismus und Sexismus als Ergebnis sozialer Prozesse. Mit dem Wort institutionell wird darauf verwiesen, dass die Ursachen von Diskriminierung in einem organisatorischen Handeln stattfinden. Dieses finde statt in einem Netzwerk gesellschaftlicher Institutionen, beispielsweise dem Bildungs- und Ausbildungssektor, dem Arbeitsmarkt, der Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik, dem Gesundheitswesen und der Polizei. Historisch geht der Begriff der institutionellen Diskriminierung auf die Diskussion zum institutionellen Rassismus in den USA und Großbritannien zurück. Rolle des Staates
In den meisten Staaten der Neuzeit wird es als eine der Grundaufgaben des Staates betrachtet, seine Bürger beziehungsweise Einwohner vor Diskriminierung zu schützen, weswegen Gesetze zur Vermeidung von Diskriminierung bestehen. Auf der Grundlage relativ weitgehender entsprechender europarechtlicher Vorgaben, die allerdings bislang nicht vollständig in deutsches Recht umgesetzt sind, bestehen in der Bundesrepublik Deutschland vor allem im Bereich des Arbeitsrechts verschiedene Anti-Diskriminierungsbestimmungen (vor allem bei Benachteiligungen wegen des Geschlechts und wegen bestehender Behinderung). Dennoch kommt Diskriminierung in allen Staaten in den unterschiedlichsten Formen vor. In zahlreichen Staaten wird eine systematische Benachteiligung von Bevölkerungsgruppen staatlich organisiert und mittels der Gesetzgebung festgeschrieben. In diesen Fälle erhofft sich zumeist eine herrschende Gesellschaftsgruppe Vorteile von einer solchen Diskriminierung, oder sie nimmt die Nachteile für die Minderheiten billigend in Kauf. Die Diskriminierung kann aktiv geschehen z. B.:
1. Rassengesetze im Dritten Reich.
2. Apartheid in Südafrika.
3. Rassentrennung in den Südstaaten der USA. Positive Diskriminierung
Unter positiver Diskriminierung (engl. affirmative action) versteht man eine bewusste Bevorzugung von Mitgliedern einer Gruppe zum Ausgleich von behaupteten oder tatsächlichen Nachteilen (Nachteilsausgleich: z. B. Quotenregelungen für Frauen und Menschen mit Behinderung, Erleichtern des Zuganges zu Universitäten für Schwarze in den USA). Diese positive Form der Diskriminierung ist umstritten, da sie mindestens eine formale Benachteiligung der Menschen, die das entsprechende Merkmal nicht aufweisen, umfasst. Ein anderes Beispiel ist der Haushaltstag, der in der Bundesrepublik Deutschland nur Frauen gewährt wurde. Als Männer gegen die entsprechende Diskriminierung klagten und Gleichbehandlung einforderten, wurde der Haushaltstag abgeschafft und (scheinbare) Gleichbehandlung erreicht. Eine andere Lösung wäre, dass in einer Familie die Familie selbst wählen kann, wer den Haushalttag nimmt, wie es z. B. in der DDR praktiziert wurde.

Forum (Kommentare)

Gabi 16.10.2017 um 18:04:10 Uhr.
Ich hatte heute eine Auseinandersetzung, weil ich die Bemerkung: "Ich bin doch nicht dein Neger!" nicht als übliche Umgangssprache akzeptieren will. Für mich bleibt diese Bemerkung unnötig und diskriminierend. Ich hätte gerne eine Rückmeldung dazu. Ist unsere Umgangssprache grenzenlos Unding jeder Schattierung entschuldbar?