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Das Byzantinische Reich

Im Jahre 293 n. Chr. gliederte Kaiser Diokletian das Römische Reich in vier Verwaltungsbereiche, er selbst übernahm den Osten. Konstantin der Große (um 285-337) wählte das alte Byzantion zum neuen Mittelpunkt des römischen Ostens, er nannte die Stadt Konstantinopel. Mit der politischen Teilung des Reiches (395) wurde Konstantinopel Hauptstadt der Osthälfte - des Oströmischen oder Byzantinischen Reiches. Dieses Reich wurde zum Bindeglied zwischen Europa und Asien. Trotz vieler politischer und religiöser Konflikte mit Päpsten und Kaisern war Byzanz elfhundert Jahre lang das Bollwerk des christlichen Abendlandes, das die Invasionsversuche von Slawen, Türken und Arabern abzuwehren vermochte. Die Gründung Konstantinopels
Zwischen 325 und 330 entstand das »Neue Rom«, die nunmehr Konstantinopel genannte kaiserliche Residenz sie übertraf in ihrer Pracht alle Städte der alten Welt. Konstantinopel sollte nach dem Willen des Kaisers politischer und religiöser Bezugspunkt für alle Untertanen des Reiches sein. Konstantin I. war wahrscheinlich schon 312 zum Christentum übergetreten, 330 weihte er sein neues Machtzentrum der Jungfrau Maria. Nach dem Tod von Kaiser Theodosius (395) wurde das Römische Reich unter seinen Söhnen endgültig in ein West- und ein Ost reich aufgeteilt. Das Westreich erlag schon 476 germanischen Invasoren. Das Byzantinische Reich schöpfte dagegen aus seiner straffen zentralistischen Organisation und der engen Verbindung von Staat und Kirche genügend Kraft, um den Vorstoß von West- und Ostgoten auf dem Balkan abzuwehren. Aus der Verbindung von griechischer Logik und christlichem Offenbarungsglauben schuf eine intellektuelle Elite im Byzanz des 4. und 5. Jahrhunderts die christliche Theologie. Diese wissenschaftliche Lehre von Gott und seiner Offenbarung führte einerseits zu vertiefter Gläubigkeit, andererseits aber zu heftigen Streitigkeiten, die sogar die Reichseinheit gefährdeten. Die christologische Kontroverse im 5. Jahrhundert galt der Frage, ob Christus nur göttlicher oder göttlicher und menschlicher Natur sei. Die Anhänger des Patriarchen von Konstantinopel, Nestorius (gest. um 451), betonten die »Zweinatur« Christi, die Monophysiten in Alexandria die ausschließlich göttliche Natur Christi. Ebenso erbittert bekämpften sich im Bilderstreit (Ikonoklasmus) des 8. Jahrhunderts Anhänger und Gegner bildlicher Darstellungen Christi, der Heiligen und biblischer Ereignisse. Das Zeitalter Kaiser Justinians I.
Kaiser Justinian I. (482-565) konnte dank seines politischen Weitblicks und seiner hervorragenden militärischen und administrativen Fälligkeiten noch einmal die Einheit des größten Teils des Römischen Reiches herstellen. Seine Feldherren Belisar (um 505-565) und Narses (um 480-574) eroberten die ostgermanischen Reiche im ehemals römischen Nordafrika und in Italien. Konstantinopel mit der Hagia Sophia wurde zum politischen und religiösen Zentrum der Zeit. Eine weitere große Leistung des Kaisers ist die Kodifikation des römischen Rechtes (Corpus iuris civilis), der »Codex Justinianus« war noch im Mittelalter Grundlage der Rechtsprechung in Europa. Die justinianische Restauration des Römischen Reiches war jedoch nur von kurzer Dauer. Im Ost reich setzte sich das griechische Element durch, Latein wurde als Amtssprache durch Griechisch verdrängt. Die Langobarden beherrschten bald weite Teile des Westreiches (572 Eroberung Pavias), Pestepidemien schwächten den Osten so sehr, dass die Perser mit Unterstützung der unterdrückten Monophysiten bis 615 den überwiegenden Teil von Ägypten, Syrien und Palästina erobern konnten. 637, fünf Jahre nach Mohammeds Tod (632), überrannten die Araber Syrien und Palästina, in der Folgezeit eroberten sie auch Sizilien, die Kornkammer Ägyptens, Zypern, Rhodos und andere Inseln im Mittelmeer. Der Verfall des Reiches
Der Verlust der Randgebiete bewirkte zunächst noch einmal ein Erstarken der Kerngebiete des Reiches. Die makedonische Dynastie (867 -1056) ergriff im Kampf mit den Arabern die Initiative, beim Tod Basileios II. (1025) erstreckte sich das Reich wieder von der Donau bis nach Kreta, von Süditalien bis Syrien. Der Handel blühte erneut auf Missionare verbreiteten das Christentum in den Ländern des Balkans und in Russland. Dennoch war der Verfall des Imperiums nicht mehr aufzuhalten. 1071 unterlag Romanos IV. den seldschukischen Türken, die Anatolien einnahmen. Von diesem Zeitpunkt an wurde das Reich bis zu seinem endgültigen Untergang im Jahre 1453 durch ständige Invasionen, innere Zwistigkeiten und Religionskämpfe erschüttert. Kreuzfahrer, die gegen die Seldschuken zu Hilfe gerufen wurden, machten sich einen Konflikt mit dem byzantinischen Thronprätendenten zunutze, plünderten Konstantinopel (1204) und gründeten das Lateinische Kaiserreich (1204-61), in dem der Kaiser die Macht mit den Venezianern und einigen lehenspflichtigen Königen und Herzögen teilen musste. Michael VIII. Palaiologos (1224-82) stellte 1261 die griechische Herrschaft über Byzanz wieder her. Kirchenspaltungen und Handelsrivalitäten schwächten das Reich im 14. Jahrhundert schließlich so stark, dass sich nur Konstantinopel und etliche Städte am Mannarameer gegen den Ansturm der Türken behaupten konnten. Mit dem Fall Konstantinopels (1453) kam Byzanz von Palästina bis zum Balkan unter die Herrschaft Mehmeds II.

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