Die islamische Kunst

Höchste Leistungen erreichte die islamische Kunst in Architektur und Baudekoration. Allerdings drängte die Pracht der großen religiösen Bauten die islamische weltliche Kunst in den Schatten, aber gerade in der Kalligraphie, in der Buchmalerei und Lederbearbeitung, im ornamentalen Schaffen, in Holz und Keramik, in Metallbearbeitung und in textilen Techniken leistete sie ebenfalls Hervorragendes. Bisher eher vernachlässigte Kunstgattungen erlangten unter dem Islam steigende Bedeutung. Die Ausbreitung islamischer Kunst
Geographisch gesehen reicht die islamische Kunst von Spanien im Westen bis Indonesien im Osten. Ihre schöpferische Zeit erstreckte sich vom 7. bis zum 17. Jahrhundert. Trotz dieser weiten räumlichen und zeitlichen Spanne hat sie einige sofort erkennbare Eigenheiten. Das zeigt sich besonders in der Dekoration, die unvergleichlichen Einfallsreichtum mit höchster Kunstfertigkeit kombiniert. Menschen durften in einem religiösen Zusammenhang nicht dargestellt werden. Deshalb wandten sich die Künstler der geometrischen, pflanzlichen und epigraphischen Ornamentik zu, ein Beispiel ist die überall auftretende Arabeske (ineinander verschlungene Ranken und Blätter), die im Islam geometrisierte Form des spätantiken Gabelranke, die auch sakral, zur Ausschmückung der heiligen Schriften, verwendet wurde. Sakrale Bauten wurden meist mit Inschriften aus dem Koran geschmückt. Die Kalligraphie entwickelte sich zu einem eigenen Zweig religiöser wie dekorativer Kunst gleichermaßen. Der wichtigste Bereich der islamischen Baukunst sind die Sakralbauten, vor allem die Moschee. Ihre ursprüngliche Form wird auf das Haus Mohammeds in Medina zurückgeführt, dieses hatte einen offenen, umbauten Hof räum mit einem überdachten Bereich, der nach Mekka ausgerichtet war. Viele Moscheen haben ein Minarett, einen hohen Turm für den Gebetsruf. Weitere für den Islam typische Bauten sind die Karawanserei zur Unterbringung der Reisenden, die Medrese oder theologische Hochschule und das Ribat, eine Art befestigtes Kloster. Die klassische Zeit der islamischen Architektur entwickelte auf römisch-sassanidischer Grundlage richtungweisende Lösungen für Schlösser und Verteidigungsbauten. Bei allen regional verschiedenen Ausprägungen bleiben doch Gemeinsamkeiten der Architektur erhalten: Fast alle Gebäudetypen haben Kuppeln (die schon in den sassanidischen Feuertempeln Symbol des Himmels waren), überlange Arkaden mit Spitz- oder Hufeisenbogen, vielgestaltige Gewölbe, offene Höfe als Bestandteil der Architektur und große Mauerflächen und Gewölbe dekoriert mit Stuckwerk und Holz, mehrfarbig glasierten Fliesen oder Marmorintarsien. Sonderformen islamischer Kunst Bis zum 9. Jahrhundert hatte sich unter dem Abbasiden-Kalifat im Irak eine klassische islamische Kunst entwickelt, von hier aus verbreiteten sich Anregungen in der gesamten islamischen Welt. Kennzeichnend für diese Kunst war geschnittener oder geformter Stuck, dessen geometrische und streng stilisierte, pflanzliche Motive sich fortlaufend wiederholten. Als die Macht der abbasidischen Kalifen verfiel, entstanden neue politische Gruppierungen, entsprechend kann man fünf unterschiedliche, regionale Stile unterscheiden: spanisch maurisch, syrisch-ägyptisch, türkisch, persisch und indo-islamisch. In Spanien wandelte das Omaijaden-Kalifat das syrische Kunsterbe zu einem eigenständigen Stil um, der sich über ganz Nordafrika ausbreitete. Für diesen Stil typisch sind reizvolle, flächenfüllende Ornamente. Der syrisch-ägyptische Stil besticht durch eine bemerkenswerte Vielfalt religiöser Bauten, deren Außenflächen mit gemeißelten Steinen verkleidet waren. Türkische Architekten wurden zunächst stark von den Kunstrichtungen der benachbarten Araber und Perser beeinflusst. Später übernahmen die Türken die Konstruktionsprinzipien der größten byzantinischen Kirche, der Hagia Sophia in Konstantinopel, und entwickelte sie zur osmanischen Moschee. Diesen Moschee-Typ kennzeichnet eine große Mittelkuppel, optisch (aber nicht strukturell) verstrebt durch Halbkuppeln und schlanke, bleistiftförmige Minarette. Für den westlichen Bereich des Islams sind die Minarett bauten der Giralda in Sevilla und der Kutubija in Marrakesch beispielhaft. Kunsthandwerk und Malerei
Im Kunstgewerbe lassen sich altorientalische, ägyptische, frühchristliche und chinesische Anregungen nachweisen, besonders die Keramik erreicht eine technische und ästhetische Perfektion, als deren Höhepunkt die köstlichen Glasuren gelten können. Die Araber legten mehr Wert auf Farbe und Dekoration (epigraphisch, geometrisch oder floral) als auf die Form. Islamische Metallarbeiten, häufig Tauschierungen, schöpfen aus einem reichen Formenvorrat. Die Handwerker stellen neben reiner Ornamentik Szenen aus dem höfischen Leben dar. Die Metallbearbeitung erreicht ihren Höhepunkt im 12.-14. Jahrhundert in Persien und im Nahen Osten. Künstlerisch bemerkenswerte Textilien sind Seiden, Brokate und Knüpfteppiche, deren beste Exemplare im 16. und 17. Jahrhundert in Persien entstanden. Im Islam sind Tafelbilder, Fresken und Mosaiken selten, die Buchmalerei wurde jedoch immer geübt. Illuminiert werden alle Themen: Tierfabeln und wissenschaftliche Abhandlungen ebenso wie überraschend humorvolle Genreszenen. Die traditionsreiche persische Buchmalerei bevorzugt erzählende Dichtungen, sie beeinflusst sowohl Indien als auch die Türkei.

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Info 18.01.2018 05:08
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