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Konfuzianismus

Konfuzianismus ist der Begriff für Philosophien und politische Vorstellungen in China, die sich selbst in die Tradition des Meister Kong (lebte ca. Ende des fünften vorchristlichen Jahrhunderts, chin.: kongzi, latinisiert: Konfuzius) und seiner Schüler stellen. Konfuzius wurde von seinen Anhängern als Vorbild und Ideal verehrt. Seine moralischen Lehren, seine rituellen Schriften und seine Lebensweise wurden als mustergültig angesehen. Das Leben des “Konfuzius” ist durch den Kranz der Legenden hindurch nicht mehr zu bestimmen. Sowohl über seine Herkunft als auch über seinen tatsächlichen Lebensweg gibt es verschiedene, sich diametral widersprechende Beschreibungen. Lediglich die Tatsache, dass es einen wandernden Lehrer dieses Namens gab, dieser in Lu, in der heutigen Provinz Shandong lebte und es einige schriftliche Werke gibt, die ihm zugeschrieben werden. Ziel seiner Lehren war es die mythologische und religiösen Wertesysteme des chinesischen Feudalreiches zu restaurieren. Die sich in Konfuzius Tradition sehenden Denker, die in China unter dem Begriff Rujia zusammengefasst sind, entwickelten Vorstellungen, die den gesamten Ostasiatischen Raum bis heute entscheidend prägten: von China über Taiwan, Japan, Korea bis Vietnam. Trotz verschiedener großer Brüche in der Geschichte, wie der legendären Verfolgung der Rujia unter dem chinesischen Kaiser Qin Shi Huangdi um die westliche Zeitenwende oder der Verteufelung von Meister Kong durch Mao Tsetung während der ersten vierzig Jahren der Volksrepublik China im vergangenen Jahrhundert, konnten die humanistischen und klaren Vorstellungen, die Meister Kong als Lehrer geprägt hatte, durch ständige Neuinterpretation durch die verschiedensten Zeiten und Umstände hindurch als Vorbild an Besonnenheit und Mitgefühl dienen. Der Konfuzianismus selbst bildete die Staatsdoktrin zahlreicher Dynastien; ab der Han-Dynastie gab es ein umfassendes Prüfungssystem, zu dem z. B. die umfassende Kenntnis konfuzianischer Lehren zählte. Da die “Bedrohung” durch andere Weltanschauungen (chin. Jia; es gibt im chinesischen keine Trennung zwischen Lehre/Philosophie und Religion) Taoismus (Daojia) und Buddhismus (Fojia) entwickelte sich in der Song-Dynastie eine neue Strömung, der Neokonfuzianismus des Zhuxi (jap. : Shushi). Dieser Konfuzianismus tolerierte auch Mytische Elemente, obgleich der “Meister” einst sprach: “Wenn Du das Leben noch nicht kennst, wie sollst Du da den Tod verstehen!” Überhaupt ist die im Grunde sehr rationalistische Ideologie des ursprünglichen Konfuzianismus sehr stark auf das Hier und Jetzt konzentriert. Problematisch sind verschiedene Aspekte des Konfuzianismus; zum einen das Ideale. Der Konfuzianismus ist neben Taoismus und dem Buddhismus eine der bedeutendsten philosophischen Richtungen in China und Ostasien. Der Konfuzianismus als Religion – das heißt die altchinesische Religionsform, der Konfuzius selbst anhing und die er förderte, die aber nicht durch ihn begründet wurde – spielt dagegen heute nur noch eine geringe Rolle; in den meisten betroffenen Ländern sind heute Buddhismus und Taoismus die dominanten Religionen. Chinesen jedoch sehen hierin keine Konkurrenz, sondern eine Art Koexistenz, da jede “Religion” seinen eigenen “Aufgabenbereich” hat. Konfuzianismus ist im eigentlichen Sinne keine Religion, sondern eine praktisch orientierte, moralische Philosophie. Im Jahr 1995 wurde der Konfuzianismus in Korea zur Religion erklärt.

emu