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Jesiden

Der Begriff Jesidismus bezeichnet eine synkretistische Religion, die fast ausschließlich unter kurmanci sprechenden Kurden verbreitet ist. Stifter und Ursprung
Als Gründer des Jesidismus gilt der in Kurdistan im 12. Jahrhundert lebende Sufi-Meister, Scheich Adi Ibn-Musafir (gest. 1262) in Lalesch, welcher vorislamische und islamische Lehren übernahm. Das religiöse Zentrum der Jesiden liegt heute noch in Lalesch im Nordirak. Der Name der Jesiden soll sich ableiten vom Kalifen der Omajjaden (Yazid Ibn-Mu’awiya 680 – 683). Eine extremistisch omajjadische Partei und deren Abspaltung sollen dessen Anhänger zum Rückzug nach Kurdistan getrieben haben. Als Jesiden (auch Yeziden, Yezidi, Jesiden, Jesidi, Eziden, Ezidi) bezeichnet man die Anhänger dieser Religion, die neben Grundauffassungen des Islam auch vorislamische Religionen (Zarathustra, Judentum und Christentum) enthält. Lehre und Kosmologie
Die Jesiden begründen ihre Abstammung direkt auf Adam und glauben nicht an die Existenz des Teufels. Nach dem Willen Gottes ist der Satan, das Böse, Teil des göttlichen Planes. Dieser wiederum hätte sich selbstständig gemacht, wird aber zu seinem Herrn zurückkehren. Durch dieses universelle Wissen des Satans genießt er höchste Verehrung, u.a. in Form eines Pfauenengels (Melek ta’us). Daher rührt die Verunglimpfung als Teufelsanbeter. Gott hat die Welt nach Ansicht der Jesiden aus einer Perle erschaffen und sieben Engel sollen das Schöpfungswerk fortgesetzt haben. Moses, Jesus und Mohammed sind als Propheten anerkannt, ebenso die schriftlichen Überlieferungen dieser Religionen, sofern diese mit der Lehre der Jesiden übereinstimmen. Nach dem Tode sollen die Frommen (guten) Seelen die Unsterblichkeit durch Seelenwanderung erhalten, während schlechte Seelen in Tiere verwandelt werden. Überlieferungen
Die sogenannte Geheimreligion der Jesiden, die keine Andersgläubigen in ihr religiöses Wissen einbeziehen, basiert auf zwei Büchern:
1. Das Buch der Offenbarung (Ki-tab-i-gilwa).
2. Das Schwarze Buch (Mashaf-i-ras).
Für diese Bücher existiert eine arabische Übersetzung und eine Übersetzung in einem älteren Kurdisch. Die Originale sollen in Geheimschrift geschrieben worden sein. Der Glauben wird überwiegend durch Lieder (sogenannte Qewals) und Bräuche weiter gegeben. Religiöse Bräuche
Stände oder Kasten sind bei den Jesiden obligatorisch. Die Einteilung erfolgt in Scheich, Führer (Pire), Bruderschaft (Faqire), Sänger, Tänzer und niederste Priester. Die Jesiden kennen die Christliche Taufe, die Beschneidung und jüdische Speiseverbote Die Jesiden sind durch strenge Heiratsregeln in die Kasten der Kleriker (Pir) und der Laien (Mrid) getrennt. Jeside wird man durch Geburt, eine Mission findet nicht statt. Ein Ein- oder Austritt aus der Religion ist nicht möglich. Auch die Heirat zwischen Jesidi und Nicht-Jesidi unterliegt einem Verbot und ist mit etlichen Problemen behaftet. So wird der oder die Jesidi in der Folge einer solchen Heirat aus der Religionsgemeinschaft verstoßen und auch die so geborenen Kinder gelten nicht als Jesidi. Verbreitung
Die Anzahl der Jesiden schätzt man zwischen 150.000 und 300.000 Gläubige, überwiegend in der Türkei. Reste sind auch im Irak, Syrien und Iran. Jesiden sind auch nach Europa (ca. 30.000 in Deutschland) emigriert, überwiegend aus der Türkei. Literatur
In die deutschsprachige Literatur sind die Jesiden z. B. durch Werke von Karl May eingegangen (Durchs wilde Kurdistan). Die älteste Literatur über die Jesidi sind Schriften arabischer Muslime, später kamen französische und englische Schriften hinzu.

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