Die Kaaba in Mekka

Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al-Gossarah – ein staunenswert langer Name, getragen von einer Romanfigur Karl Mays. Er besteht aus dem eigentlichen Namen sowie den durch »ben« bzw. »ibn« angefügten Namen des Vaters und des Großvaters. Alle drei tragen zudem den Zusatz »Hadschi«, da sie als gläubige Muslime die vorgeschriebene Pilgerfahrt nach Mekka gemacht haben, den Hadsch. Er gehört zu den fünf Säulen des Islam und jeder freie Muslim, der es sich leisten kann, soll einmal im Leben nach Mekka pilgern. Der Höhepunkt der Hadsch besteht in der siebenmaligen Umrundung der Kaaba. Jedes Jahr im letzten Monat des islamischen Mondjahres ist die Al-Haram-Moschee in Mekka, die größte der Welt, mit Hunderttausenden von Pilgern gefüllt. Wie eine riesige Scheibe drehen sie sich gegen den Uhrzeigersinn um ihren schwarz verhüllten Mittelpunkt, die Kaaba, einen schlichten, aus graublauen Steinblöcken auf nicht ganz rechtwinkligem Grundriss gemauerten Kubus (arabisch »Kaaba«), ca. 12 x 10 x 15 Meter groß. Seine Ecken weisen in die vier Himmelsrichtungen. Die einzige, nur wenige Male im Jahr geöffnete Tür liegt in der Nordostseite, knapp zwei Meter über dem Boden. Im Innern der Kaaba gibt es außer einem kleinen, abgetrennten »Buße-Raum« drei Säulen aus Holz, die die Decke stützen, an der Leuchter aus Gold und Silber hängen. Kiswa
Der mit der jährlich erneuerten Kiswa, einem mit Koranversen bestickten Vorhang aus schwarzem Brokat, verhüllte Bau gilt als wichtigstes Heiligtum im Islam, während des Gebets verneigen sich Moslems in seine Richtung. Schon Adam, der im Islam als Prophet verehrt wird, soll hier das erste Gotteshaus errichtet haben. Wahrend der Sintflut zerstört, wurde es nach islamischer Überlieferung von den Propheten Ibrahim (der Abraham der Bibel) und seinem Sohn Ismail (Ismael) erneuert. Dabei soll der Engel Gabriel Ibrahim Hadschar geschenkt haben, einen schwarzen Stein aus dem Paradies, der in der Ost-Ecke der Kaaba in knapp 1,5 Meter Höhe eingemauert wurde. Ursprünglich soll er weiß gewesen sein, doch, so die Legende, durch das rituelle Küssen des Steins seien die Sünden der Gläubigen in ihn übergangen und hätten ihn schwarz gefärbt. Der »Stein der Glückseligkeit« ist seit dem 10. Jh. zersprungen, seine Teile werden von einer silbernen Einfassung gehalten. Ob es sich um einen Meteoriten handelt, wurde nie überprüft. Geschichte
Als historisch gesichert gilt, dass die Kaaba schon vor dem Jahr 630, als Mohammed nach Mekka kam, ein bedeutendes arabisches Heiligtum war. Hier im Zentrum der Stadt wurden verschiedene Gottheiten verehrt, deren Abbilder die Kaaba umstanden. Nach der Säuberung durch den Propheten und ihrem Aufstieg zum Sehnsuchtsziel von Gläubigen aus aller Welt war sie häufig umkämpft und wurde mehrmals zerstört. Ähnlich verfuhr das Schicksal mit der Al-Haram oder Großen Moschee, die die Kaaba seit dem 7. Jh. umgibt. Von dem historischen Gebäude, das zuletzt von den osmanischen Herrschern im 17. Jh. erneuert wurde, ist nichts erhalten. Der heutige, riesenhafte, von neun Minaretten umstandene, moderne Bau, den Andersgläubige nicht betreten dürfen, bedeckt eine Fläche von 38 Hektar. Al-Haram ist die einzige Moschee der Welt ohne Gebetsnische – da sie in islamischen Gotteshäusern die Richtung zur Kaaba in Mekka weist, ist sie hier einfach überflüssig. Aus dem beschaulichen Städtchen, das Mekka einst war, ist inzwischen eine 1,7 Millionen Einwohner zählende, moderne Großstadt geworden. Außer der Kaaba haben sich kaum Reste aus vergangenen Jahrhunderten erhalten.
Alte Mekka
Neue Mekka