Das Zeitalter der Entdeckungen

Im jahr 1492 segelte Christoph Kolumbus (1451 bis 1506) nach Westen über das »Meer der Finsternis«, um einen Seeweg nach Indien zu finden und entdeckte Amerika. 1497 lief Vasco da Gama (1469-1524) aus Lissabon aus, umsegelte das Kap der Guten Hoffnung, gelangte nach Mosambik und Mombasa und dann quer über den Ozean nach Kalikut (Koschi-kode) in Indien. 1519 suchte Ferdinand Magellan (um 1480-1521) die See Route nach Ostasien, die Kolumbus nicht gefunden hatte. Er führte eine spanische Expedition an der Südspitze Südamerikas vorbei über den Pazifik nach Ostindien. Magellan selbst starb während der Reise, aber die Überlebenden kehrten zurück und umschifften das Kap der Guten Hoffnung. Damit war der Globus zum ersten Mal umrundet. Die Seereisen der Portugiesen Vasco da Gamas Expedition nach Osten war weniger eine Entdeckungsreise, als vielmehr der Versuch, Portugal den Handel mit dem Osten, mit Asien ganz oder wenigstens zum großen Teil zu sichern. Diese Expedition krönte eine jahrhundertelange, schrittweise Erkundungstätigkeit der Portugiesen, die in ihren leichten Karavellen an der westafrikanischen Küste entlang bis um das Kap der Guten Hoffnung gesegelt waren. Angelockt vom Gold und Elfenbein Afrikas und angestachelt von der Hoffnung auf die riesigen Gewinne aus dem Indien Handel, bereiteten die Kapitäne Heinrichs des Seefahrers (1394-1460) den Weg für da Gama vor. Sie erreichten 1418 Madeira, 1431 die Azoren, 1434 das Kap Bojador und entdeckten 1444 die Mündung des Senegal. 1460 sichteten sie Sierra Leone, Bartolomeu Diaz (um 1450-1500) umschiffte im Jahr 1487 das Kap der Guten Hoffnung. Die Motive der Entdecker
Die diesen frühen Entdeckungsreisen zugrunde liegenden Motive waren bei Portugiesen wie Spaniern eine Mischung aus Erwerbsgier und religiösem Eifer. Durch die Italiener vom einträglichen Mittelmeerhandel ausgeschlossen, ohne die Einkünfte des Orienthandels, den Muslime und Venezianer gemeinsam betrieben, suchten die Spanier und Portugiesen nach neuen Handelswegen. Gleichzeitig trieb sie die Idee der christlichen Mission voran. Aber nicht alle Seereisen während dieser Zeit wurden von ihnen durchgeführt. In spanischem Dienst segelte der Genuese Christoph Kolumbus in westliche Richtung und landete im Oktober 1492 auf den Bahamas, die er für eine asiatische Inselgruppe hielt. Bis 1504 unternahm er noch drei Reisen in die Karibik, ohne den Beweis antreten zu können, dass er Asien erreicht hatte. Inzwischen unternahm in englischen Diensten der Italiener Giovanni Caboto (John Cabot, um 1425-98) Reisen an der Nordostküste Amerikas entlang. Die Entdeckungen des Florentiners Amerigo Vespucci (1451-1512) an der Nordküste Südamerikas und in Brasilien im Dienste Spaniens führten zu der Erkenntnis, dass sich zwischen Europa und Asien eine unbekannte Landmasse, eine Neue Welt, befinden müsse. Die Portugiesen besaßen gegenüber ihren europäischen Rivalen viele Vorteile. Die Italiener waren im Mittelmeer eingeschlossen, in Spanien wurde erst 1469 die Grundlage für ein geeintes Königreich gelegt (die Vertreibung der Mauren wurde gar erst 1492 abgeschlossen). Inzwischen hatten die Portugiesen die Führung in der Expansion nach Westen übernommen. Diese recht kleine, seefahrende Nation besaß eine große Flotte, eine Bevölkerung, die Erfahrungen in der Hochseefischerei hatte, eine leistungsfähige Seeversicherung und eine königliche Familie, die bereit war, Entdeckungsreisen zu finanzieren. Hinzu kam, dass der Schiffbau im 15. Jahrhundert große Fortschritte gemacht hatte, gleiches galt für die Navigationshilfsmittel. Portugal beherrscht den Gewürzhandel
Durch den direkten Seeweg nach Indien errangen die Portugiesen eine Vormachtstellung im Gewürzhandel. Das verdanken sie vor allem Alfonso de Albuquerque (1453-1515). Dieser eroberte 1510 Goa und 1511 Malakka. Von Ostindien fuhren portugiesische Schiffe nach China weiter und pendelten zwischen China und Japan. Sie verfolgten damit ein doppeltes Ziel: das Monopol im Gewürzhandel mit Europa zu erringen und sich im Indischen Ozean die Vormachtstellung zu sichern. Das Ergebnis der Entdeckungsreisen im 16. Jahrhundert war tatsächlich ein portugiesisches Handelsimperium. Aber dieses erwies sich als weit weniger vorteilhaft und gewinnbringend als die Portugiesen erwartet hatten. Sie wurden von ihren asiatischen Konkurrenten zwar respektiert, mehr aber auch nicht. Bis zum Auftreten der Holländer behielten sie das Monopol in der Umschiffung von Afrika. Aber es gelang ihnen nie, das Monopol im Gewürzhandel zwischen Asien und Europa zu gewinnen. Die Venezianer, die über die von den Türken kontrollierten Handelsstraßen über den asiatischen Landweg immer noch einen gewissen Handel trieben, brachten auch weiterhin Gewürze und andere Güter nach Europa. Der Estado da India der Portugiesen, eine Reihe befestigter Handelsplätze an Küsten und auf Inseln, drang nie ins Landesinnere vor und wagte keine größere Auseinandersetzung mit den asiatischen Kontinentalreichen. Die neuen Entdeckungen im Osten (u. a. Gewürzinseln 1512, Süd Japan 1543) waren zunächst wichtiger für Europa als für die entdeckten Länder. Die Zentren des europäischen Handels verlagerten sich von den italienischen Mittelmeerhäfen zur Atlantikküste. Venedig und Genua verloren an Bedeutung, Sevilla und Lissabon, später Brügge, Antwerpen und London traten an ihre Stelle.

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Info 23.11.2017 19:28
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