Amerika: Eroberung und Besiedlung

Im frühen 16. Jahrhundert gründeten die Spanier auf den Antillen und auf der Landenge von Panama Kolonien. Diese Gebiete hatten jedoch ungeachtet des Namens »Goldenes Kastilien« wenig zu bieten. Handelsexpeditionen entlang der Küste von Yucatán ließen immerhin größeren Reichtum im Landesinneren vermuten. Deshalb entsandte der Statthalter von Kuba, Diego Velázquez (um 1465 – um 1522), 1519 unter Cortez eine Flotte, um diese festländische Region zu besetzen. Die großen Eroberungen
Hernando Cortez (1485 -1547) landete mit 550 Mann an der Küste Mexikos und gründete Veracruz (Wahres Kreuz). Durch eine Reihe geschickter diplomatischer Schachzüge und durch überlegene militärische Technik gelang es Cortez, die aztekische Hauptstadt in Besitz zu nehmen. Montezuma II., der Herrscher, hatte Cortez in aller Form als Gast begrüßt, doch dieser setzte ihn sofort gefangen. Montezuma II. soll im Glauben, Cortez sei ein Abgesandter des aztekischen Gottes Quetzalcoatl, sein Reich Kaiser Karl V. übereignet haben. Diese Geschichte ist sicher ein Propaganda-Märchen. Der Abenteurer Francisco Pizarro (1478 bis 1541) eroberte auf der Suche nach Gold Peru. Als die Spanier 1527 in Tümbes die peruanische Küste erreichten, tobte im Inka-Reich gerade ein Bürgerkrieg, aus dem schließlich der Inka Atahualpa als Sieger hervorging. Kurz nach seinem Sieg wurde er bei der Festung Cajamarca von Pizarro eingeholt. Die Spanier töteten beinahe sein ganzes Gefolge und nahmen den Inkaherrscher selbst gefangen. Dieser erklärte sich bereit, im Tausch gegen seine Freiheit seine Zelle mit Gold zu füllen. Der Inka Atahualpa hielt sein Versprechen, Pizarro aber ließ ihn erdrosseln (1533). Der Wert des Lösegeldes, einschließlich der Schätze des Sonnentempels, wird auf etwa 100 Millionen – geschätzt. Das ganze Gold wurde zu Barren eingeschmolzen und über Panama, nach Spanien transportiert. Pizarro besaß nicht die Führungsqualitäten von Cortez. Nach der Unterwerfung des Inka-Reiches (1535) gerieten die Eroberer einander in die Haare, besonders Pizarro und Diego de Almagro (um 1475-1538). In diesen Auseinandersetzungen behielt Pizarro zwar zunächst die Oberhand, er wurde aber von Amalgros Anhängern 1541 erdrosselt, sein Bruder Gonzalo 1548 enthauptet. Nach der Eroberung Perus wandte sich die Aufmerksamkeit der Entdecker anderen Zielen zu. Neu-Mexiko, Texas und Florida wurden erforscht, Niederlassungen gegründet. Neu-Mexiko blieb aber lange Zeit wenig mehr als ein militärischer Außenposten. Die Verwaltung
Aus Furcht, die erfolgreicheren Konquistadoren könnten zu mächtig werden, nahm die spanische Krone selbst sehr bald die Regierung der neuen Kolonien in eigene Hände. An der Spitze der Verwaltung stand der Vizekönig, der allein der Krone verantwortlich war. Er war infolge der großen Entfernung zwischen dem Mutterland Spanien und »Indien« (wie man immer noch annahm) notwendigerweise relativ selbständig und besaß große Machtbefugnisse. Um das politische Gleichgewicht innerhalb der Kolonie zu erhalten, wurde ein eigenes Berufungsgericht, die audiencia, errichtet. Diese unterstand unmittelbar der Krone und hatte auch das Recht, königliche Beamte abzusetzen. Sie vertrat auch die Indianer gegenüber ihren Herren. Zur Kontrolle der Verwaltung in den entfernten amerikanischen Besitzungen schuf die Krone eine weitere unabhängige Behörde, die residencia, die die Amtsführung der Beamten zu überprüfen hatte. Wirksamkeit und Nutzen waren umstritten. Die Indianer wurden Siedlern unter dem System der encomienda »anvertraut«. Nach diesem System wurden freie Indianer (nicht jedoch ihr Land) den (spanischen) Siedlern zur Arbeitsleistung und seelsorgerischen Betreuung zugeteilt. Die Stellung des Indianers war damit eigentlich zu der eines europäischen Leibeigenen geworden. Dieses System wurde zum Nachteil der Indianer missbraucht, wie zu verbotener Zwangsarbeit und zur Einziehung ihrer Ländereien. Die Krone versuchte zwar, diese Missbräuche zu steuern, aber auch die spanischen Gesetze (1512-13 Gesetze von Burgos) konnten den Missbrauch der indianischen Arbeitskraft durch die Kreolen (spanische Siedler) kaum verhindern. Der Reichtum Amerikas
Der große Reichtum Amerikas waren seine Silbervorkommen. Nach 1540 wurden in Peru und Bolivien reiche Minen entdeckt. Die Ausbeute strömte bald auf den europäischen Silbermarkt. Die Kolonisten selbst hatten allerdings nur wenig Nutzen von diesem Silber. Sie verdienten ihren Unterhalt in der Landwirtschaft und im Handel mit weniger wertvollen Waren (z. B. Seide) mit den Philippinen. Amerikanische Edelmetalle waren ein Monopol der Krone von Kastilien. Sie wurden nach Sevilla verschifft, wo schon 1503 eine eigene Abrechnungsstelle eingerichtet wurde. Die spanische Kolonisation hatte eine beträchtliche Wirkung auf die Neue Welt. Saatgut und Vieh aus Europa zerstörten die dörfliche Lebensform der Indianer und änderte das ökologische Gleichgewicht Mittelamerikas. Die Auflösung der alten Stammesgruppen und der überlieferten sozialen Hierarchie schwächte die traditionelle Gesellschaft. Hinzu kamen Krankheiten, denen die Indianer rasch erlagen. Im Verlauf des 16. Jh. ging die Bevölkerungszahl im spanischen Amerika stark zurück. Auch hielten die Eingeborenen die Zwangsarbeit für die Spanier weder psychisch noch physisch aus, viele starben an Erschöpfung, es kam auch zu kollektiven Selbstmorden.

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Info 14.12.2017 16:04
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