Die Renaissance in Frankreich

Die französische Malerei und Bildhauerei des 15. Jahrhunderts hat viele Wurzeln mit der burgundischen und niederländischen Kunst gemeinsam. So arbeiteten Künstler wie der in Nimwegen gebürtige Jean Malouel (gest. 1419) und die Brüder von Limburg sowohl für den französischen als auch für den burgundischen Hof. Allerdings war die französische Malerei auch einer lebendigen Tradition der Miniaturmalerei verpflichtet, besonders in Paris, einem Zentrum der Gotik. Naturalismus und Schlichtheit
Der Anstoß für einen Neubeginn kam aus zwei Richtungen, aus Italien und Flandern. Der bedeutendste Künstler war Jean Fouquet (um 1420 – um 1480), der von 1446-1450 in Rom gelebt hatte. Fouquet, der für Karl VII. (1403-61) und Ludwig XI. (1423-83) arbeitete, erhielt nach den Gewohnheiten der Zeit wohl mehr Aufträge für Miniaturen als für Tafelbilder, doch ist jede seiner Miniaturen wie ein Tafelbild durchkomponiert. Andere mit dem Hof)in Verbindung stehende Künstler wie der Meister von Moulins (vielleicht Jean Hey?) arbeiteten in dem vom Königshaus bevorzugten Tal der Loire. Aber auch in der Provence gab es von etwa 1440 an eine sehr aktive Schule, deren Maler bisweilen mehr unter flämischem Einfluss (z. B. Nicolas Froment, um 1435-90), manchmal mehr unter italienischem Einfluss standen (Enguerrand Charenton oder Quarton, um 1410- nach 1461). Die Plastik war in Frankreich im 15. Jahrhundert mehr eine Sache regionaler Schulen, die dem gotischen Stil bis in seine letzten naturalistischen Phasen konsequent treu blieben. Bedeutende Anregungen hat Claus Sluter (um 1345/50-1406) in Dijon gegeben. Vielleicht war Michel Colombe (um 1430 bis um 1512), der zusammen mit Fouquet Aufträge erhielt, ebenfalls einflussreich. Sein Grabmal für Franz II., Herzog des Britannias, in der Kathedrale Nantes (1499-1507) ist ein wichtiges Spätwerk. Originell ist wohl die Architektur in Profanbauten, in Schlössern und großen Stadthäusern wie das des Jacques Coeur in Bourges (1444-51) oder das Hotel de Cluny in Paris (begonnen 1485). In diesen Bauten werden bereits neue architektonische Elemente verwendet wie weite Innenhöfe, Außentreppen, Rundtürme, Steildächer und Galerien, die in den großen Schlössern des folgenden Jahrhunderts wiederkehren. Kunst aus dem besiegten Italien Die Wiederbelebung der französischen Kunst, etwa ab 1500, war vor allem das Ergebnis militärischer Erfolge, die Karl VIII. und Ludwig XII. (1494-99) in Italien errungen hatten. Die Franzosen übernahmen die Kultur der Renaissance, auf die sie in Florenz, Neapel und Mailand trafen. Zentren der Adaption italienischer Kultur in Frankreich waren folglich die Residenzen des Königs. Das erste gut dokumentierte (aber unvollkommen erhaltene) Ergebnis dieses Prozesses ist das Schloss Gaillon (1501-10) für den Kardinal Georges d’Amboise, das unter Pierre Fain zum Teil von Italienern erbaut und ausgestattet wurde. Diese »Italianisierung« wurde unter Franzi. (Regierungszeit 1515-47) ein richtiges Programm. Er hatte Italien besucht, bewunderte das Land und holte sich italienische Dichter, Musiker und Künstler (darunter auch Leonardo da Vinci) an seinen Hof. Für ein Jahrhundert beherrschte nun die profane Architektur die französische Kunst. Die frühen Bauten des im 13. Jahrhundert begonnenen Schlosses in Blois und das Schloss Chambord sind in einem Übergangsstil ausgeführt. Italienische Schmuckformen und Baudetails werden auf örtliche Bauformen übertragen. Das führt oft zu bizarren Ergebnissen wie bei den halb im Flamboyant-, halb im Renaissancestil gehaltenen Kaminen und Fenstern des Daches von Chambord. Alle Spuren der Gotik sind dann in den neuen Bauten von Fontainebleau verschwunden, das 1528 unter Franz I. von Gilles Le Breton begonnen und in den sechziger Jahren von Primaticcio beendet wurde. Das Ergebnis unterscheidet sich auch von einem italienischen Bauwerk – die steilen Dächer, die unruhig aufgelöste Gliederung des Baukörpers ist ganz unitalienisch. Etwa ab 1530 hatte sich dann ein eigener französischer Renaissancestil herausgebildet. Auch die Architekten waren nun Franzosen. Die bedeutendsten waren Philibert Delorme (um 1512-70), der den Kuppelbau wieder einführte und sich als erfindungsreicher Techniker erwies, und Pierre Lescot (um 1510-78), der 1546 mit dem Neubau des Louvre begann. Jean Bullant (1520/25-78) führte ziemlich früh (1555) die Kolossalordnung (eine Säulenordnung, die über mehrere Geschosse reicht) in die französische Architektur ein. Die Schule von Fontainebleau
Der königliche Hof war so sehr Mittelpunkt der künstlerischen Tätigkeiten, dass die Bezeichnung »Schule von Fontainebleau« volle Berechtigung hat. Die Innenraumgestaltung durch die von Franz I. berufenen italienischen Künstler demonstriert, dass hier der Manierismus in seiner aktuellsten, italienischen Form nach Frankreich gelangte. Die Maler Rosso Fiorentino (1494-1540) und Francesco Primaticcio (1504-70) und der Bildhauer Benvenuto Cellini (1500-71) vermittelten die Kunst Italiens nach Frankreich. Die französischen Bildhauer Jean Goujon (um 1510/14-1563/68) und Germain Pilon (um 1435-90) konnten es in anmutiger und treffender Behandlung des menschlichen Körpers mit jedem Italiener, außer Michelangelo, aufnehmen. Ab 1530 wurde die Schule von Fontainebleau einflussreichstes Zentrum des Manierismus im Norden.

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Info 26.09.2017 - 22:02
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