Die Englische Revolution (1640 bis 1660)

Die Revolution in England, die sich zwischen 1640 und 1660 vollzog, war die erste der großen politischen Umwälzungen der Neuzeit. Bei aller spezifischen Eigengesetzlichkeit wies sie bereits Merkmale auf, die auch den späteren Revolutionen in Frankreich und Russland eigentümlich waren. Das revolutionäre Muster
Nahezu alle Revolutionen werden durch eine Periode politischer und geistiger Unruhen vorbereitet und eröffnet, das etablierte Regime bricht zusammen. Nach länger andauernder Krise formiert sich eine radikale Führungsschicht, die zum Motor der eigentlichen Umwälzung wird. Darauf folgt fast stets ein Zeitabschnitt relativer Ruhe, in dem die revolutionäre Partei – mit der Rückendeckung durch das Militär – ihre Macht konsolidiert. Häufig ist der Entwicklungsprozess aber damit noch nicht abgeschlossen: Die Revolution endet infolge eigener Stagnation in einer Restauration. Diese Vorgänge waren in England, besonders aber in Frankreich, zu beobachten, nur in Russland kam es nicht zu einer Restauration der Macht der Romanows. Die erste Stufe der Revolution in England (1640/41) verlief noch unblutig, untergrub aber bereits die Position des Königs. Karl I. (1600-49) berief 1640 das sogenannte Lange Parlament (1640-53) ein, um sich Geld für einen Feldzug gegen die aufständischen Schotten bewilligen zu lassen. Als Gegenleistung zwangen ihn die Parlamentarier, tiefgreifenden Verfassungsänderungen zuzustimmen. Da der äußerst unpopuläre König im Juli des Jahres 1641 auch zur Aufhebung der Pressezensur gezwungen werden konnte, gab es in der Öffentlichkeit ein lebhaftes Echo auf die Vorgänge im Parlament. Eskalation der Krise
Das zweite Stadium der Revolution mündete in den Bürgerkrieg 1642-46. Schon 1641 hatte sich das Lange Parlament in die zwei Parteien der königstreuen »Kavaliere« und der »Roundheads« (Rundköpfe – so genannt nach der kurzen Haartracht) oder »Parlamentarier« gespalten. Die Parlamentspartei forderte energisch Reformen in Staat und Kirche, doch der König versuchte zunächst, den Oppositionsführer verhaften zu lassen. Das Unternehmen misslang, Karl I. floh und überließ der Parlamentspartei den Regierungsapparat. Erfolge waren der Opposition aber erst beschieden, als sie im Januar 1645 endlich über eine schlagkräftige, disziplinierte Armee verfügte, die »Neue Muster-Armee«, die parlamentarische Gesinnung mit militantem puritanischem Geist verband. Unter Sir Thomas Fairfax (1612-71) errangen die vereinigten parlamentarischen Truppen im Juni 1645 bei Naseby einen entscheidenden Sieg über das königliche Heer. Im dritten Stadium erreichte die Revolution ihren Höhepunkt. Die siegreiche Parlamentspartei spaltete sich 1646/47 in zwei Gruppen: die mehr konservativen Presbyterianer, die mit den Schotten in das Königslager übergingen, und die radikalen »Independenten« (Unabhängigen) unter Oliver Cromwell (1599-1658), die die Monarchie entschieden ablehnten. Der zweite Bürgerkrieg von Februar bis August 1648 war kurz, aber umso erbitterter. Die Entscheidung fiel im August in der Schlacht bei Preston, die mit dem überwältigenden Sieg Cromwells über das schottische Heer endete. Im Dezember 1648 wurden die Presbyterianer durch Oberst Pride aus dem Parlament gejagt. Das verbleibende sogenannte Rumpfparlament betrieb nun mit Nachdruck die Aburteilung des Königs. Die Hinrichtung fand am 30. Januar 1649 statt, ein Vorgang, der ebenso wie die gleichzeitige Abschaffung des Oberhauses in jener Epoche in Europa ohne Beispiel war: England war Republik geworden. Zeitweise kämpfte Cromwell an zwei Fronten: gegen die Königstreuen, aber auch gegen eine neue Partei, die sich aus den Unterschichten rekrutierte. Diese »Levellers« (Gleichmacher) verlangten die Einschränkung der politischen und sozialen Vorrechte des Landadels. Im Herbst 1647 forderten sie zusätzlich die Kontrolle über das Heer. Cromwell, der selbst dem Landadel entstammte, beschloss, die neue radikale Bewegung zu ersticken. 1649 schlug er einen militärischen Aufstand der Levellers bei Burford (Oxfordshire) nieder. Ohne ausreichende Basis im Heer verloren die Rebellen bald ihre Anhängerschaft, doch ihr Schicksal verdeutlicht die zwiespältige Rolle des Revolutionärs Cromwell. Einerseits ließ er den König hinrichten, andererseits verhinderte er das Aufrücken einer eindeutig unterdrückten Klasse. Die vierte Revolutionsphase waren Jahre relativer politischer Stabilität. Eine Rebellion in Irland (1649/51) und ein Aufstand der Königstreuen wurden durch das inzwischen auf 60 000 Mann angewachsene starke Heer brutal unterdrückt. Cromwell und das Ende der Militärdiktatur
Cromwell machte sich selbst zum Lordprotektor von England. Seine Erfolge beruhten auf seiner Doppelbegabung als Politiker und General. Außenpolitische Erfolge errang er im 1. Englisch-Holländischen Seekrieg (1652-54) und in dem um die spanischen Kolonien geführten Krieg mit Spanien (1655-58). Nach seinem Tod fand die republikanische Regierungsform bald ein Ende. Damit trat die Revolution in ihre fünfte Phase ein. Zunächst verlor die Armee ihre Machtstellung. Dann setzte die Restauration ein: Das »Freiparlament« (Convention parliament) führte im Mai 1660 mit Karl II. (1630-85) die Monarchie wieder ein, wenn auch unter stark eingeschränkten Rechten. Somit ging der im Parlament herrschende Landadel als tatsächlicher Sieger aus der revolutionären Epoche hervor.

Forum (Kommentare)

Noname 26.03.2017 um 17:48:18 Uhr.
Dieser Text war sehr hilfreich!
Danke!
wr 06.10.2017 um 10:37:11 Uhr.
sehr gute arbeit