Hermann Hesse – Kurze Biografie

Hermann HesseDer Schwabe Hermann Hesse, geboren am 2. Juli 1877 in Calw, wird als Sohn eines Missionars pietistisch erzogen und nach dem Besuch der Lateinschule 1891 ins Kloster Maulbronn geschickt, aus dem er aber bald flüchtet. Er durchläuft eine Buchhändlerlehre in Tübingen, lebt 1899-1903 als Buchhändler in Basel, unternimmt zwei Italienreisen und veröffentlicht 1904 den Entwicklungsroman »Peter Camenzind«, der ihn berühmt macht: die Geschichte eines jungen Mannes, der den Weg zurück zur Natur geht, um so seine eigene Individualität zu finden. Im selben Jahr heiratet Hesse und lebt nun als freier Schriftsteller am Bodensee. Nach einer Indienreise 1911 zieht er mit der Familie nach Bern. Die Krise seiner Ehe spiegelt sich im Roman »Roßhalde« (1914), seine eigene Position als ruheloser Wanderer markiert der »Knulp« (1915). Gegen den Irrsinn des Kriegs protestiert Hesse 1914 vehement. 1919 veröffentlicht er »Demian«, die Geschichte Emil Sinclairs, der die weite Welt seiner Seele entdeckt, indem er seiner Mutterbindung entsagt: wie »Camenzind« wirkt auch der »Demian« stark auf die Jugend der Zeit. Hesse zieht nun allein nach Montagnola/Tessin; eine Phase der Neubesinnung folgt, neue Kontakte werden geknüpft. 1922 erscheint »Siddharta«, abermals ein Versuch, seine eigene Identität zu finden. 1923 wird seine Ehe geschieden, Hesse wird Schweizer Staatsbürger; 1924 heiratet er wieder. Hesses rückhaltlos offenes Selbstporträt enthält der »Steppenwolf« (1927). Der Dualismus des Menschen, die Pole Geist und Eros, sind erneut Grundlage eines Werkes in »Narziss und Goldmund«. 1931 heiratet Hesse zum dritten Mal. In der »Morgenlandfahrt« stellt Hesse das Reich des Geistes symbolisch im Orient dar; es wird dann im »Glasperlenspiel« erneut beschworen. Hesse, ein scharfer Gegner des Nationalsozialismus, erhielt 1946 den Nobelpreis, 1955 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Am 9. August 1962 starb er in Montagnola.