Rahel Varnhagen von Ense – Kurze Biografie

Rahel VarnhagenAls dem jüdischen Juwelenhändler und Bankier Markus Levin am 19. 5. 1771 in Berlin als erstes Kind eine Tochter Rahel geboren wurde, die später eine so bedeutende Rolle im kulturellen Leben Deutschlands spielen sollte, musste er um die Existenz des zarten Geschöpfes fürchten, das in Baumwolle gehüllt wurde und neben dem Ofen aufwuchs. Da Jüdinnen keine Schulen besuchen durften, eignete Rahel sich ihre Kenntnisse durch eine ausgebreitete Lektüre selbst an. Um Kontakt zur Gesellschaft zu finden, gründete sie einen »Salon«, einen geselligen Treffpunkt in privater, unbespitzelter Umgebung – in einer bescheidenen Mansarde des Elternhauses. Neben einfachen Bürgern verkehrten bei ihr auch die Brüder A. und W. v. Humboldt und Prinz Louis Ferdinand von Preußen, der sich im Salon zwar als Gleicher unter Gleichen zu geben verstand, aber nicht im Traume daran gedacht hätte, Rahel zur Gegenvisite in sein Palais zu laden. Juden wurden nur auf den Gebieten Wissenschaft, Kunst und Finanz als ebenbürtig anerkannt, sonst aber als Menschen letzter Klasse behandelt. An dieser Infamie scheiterte auch ihre Bindung an Karl Graf Finckenstein. Im Jahr 1806 fällt der geheime Mittelpunkt ihres Salons, Prinz Louis Ferdinand, bei Saalfeld, wird das Familienvermögen ruiniert. Karl August Varnhagen von Ense, von Adalbert v. Chamisso in den Salon eingeführt, 1809 bei Wagram verwundet, 1814/15 als preußischer Diplomat mit Hardenberg zum »Wiener Kongress« entsandt, heiratete Rahel, die während des Freiheitskrieges Verwundete in Prag gepflegt hatte und ihm zuliebe zum Protestantismus übergetreten war. 1819 eröffnete sie wieder ihren Salon in Berlin. Heinrich Heine, Bettina von Arnim, Adalbert von Chamisso und Wilhelm von Humboldt waren ihre ›Planeten‹, Friedrich von Gentz und Thomas Carlyle durchziehende ›Kometen‹. Ihr Mann veröffentlichte aus ihrem Nachlass 1834 »Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde«.

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Info 26.09.2017 - 00:17
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