Georg Büchner – Kurze Biografie

Bild: Georg BüchnerWelch ein Leben! Ganze vierundzwanzig Jahre nur währte es, aber von welcher Fülle, Sprachgewalt, Leidenschaft war es! – Geburt 1813 unter dem Kanonendonner der »Völkerschlacht« bei Leipzig, in der mit Napoleon auch Ideen der großen Revolution untergehen, Tod im Jahre 1837, das die Amtsenthebung und Verfolgung der sieben aufrechten, gegen Fürsten willkür protestierenden Göttinger Professoren sieht. Dazwischen: In des Vaters ärztlicher Praxis Einblicke in die Not der Landbevölkerung, dann Jahre intensiven Studiums und der Erkenntnis in Straßburg, dem Zentrum freiheitlicher Ideen, der Flüchtlinge, dem Ort Radikaler und Monarchisten, Bürger und Demokraten, der Tradition, des Fortschritts, der Freiheit und der Menschenrechte. Und Gießen: Denunzianten überall, Metternich-Geist, qualvoll provinzielle Enge der Universität im reaktionärsten Staat Deutschlands, und das unter Fürsten, gebildet, aufgeklärt, deren pervertierte Operettenarmeen gegen hungernde Bauern marschieren. Immer wieder die Hilflosigkeit der Bauern, Handwerker, der verfolgten, gefolterten Revolutionäre. Aufstände im Odenwald und Vogelsberg. Büchner, der so distanzierte, rational Denkende, der nicht wie andere an ein zum Recht und zur Freiheit bereites Volk glaubt, der es als dumpf und knechtisch empfindet, lässt sich – schon selbst verfolgt – aus Mitleiden, vom verletzten Gerechtigkeitssinn mitreißen: Er ruft, beraten und getragen von seinen Freunden Wilhelm Schulz und Ludwig Weidig, der im Kerker zugrunde geht, nach Gewalt, gründet Geheimbünde, predigt den Aufstand. Seine Sprache wurzelt im Volk, kommt aus dem Dialekt, prägt den »Hessischen Landboten«, »Dantons Tod«, »Lenz«, »Woyzeck« und ist doch leicht, zart, ironisch in »Leonce und Lena«. Der Revolutionär muss nach Straßburg, nach Zürich fliehen, promoviert mit dreiundzwanzig, hält Vorlesungen, geborgen in der Bürgerfreiheit eines selbstbewussten Volkes. Aber die Freiheit des Todes endet schnell die ›Idylle‹. War es Typhus, Hirnhautentzündung, Erschöpfung?