Friedrich List – Kurze Biografie

Bild: Friedrich ListDer »Fluch des zerrissenen Vaterlandes, in welchem man so kinderleicht heimatlos werden kann« hat Friedrich List (* 1789, † 1846) bei Kufstein in den Freitod getrieben. So verabschiedet sein Freund Heinrich Laube den Mann, der sich wie kaum ein anderer Zeitgenosse unermüdlich und selbstlos, aber ohne unmittelbare Anerkennung für die wirtschaftliche Entwicklung und Einigung der deutschen Territorien eingesetzt hat. Der kleine, dickliche Herr mit »löwenartigem Kopf«, nicht zu berechnender Energie und preußischem Pflichtgefühl hatte ein höchst wechselvolles Leben geführt. Als Reutlinger Gerbersohn für das Handwerk bestimmt, erhält List schließlich mithilfe der Mutter eine Ausbildung als Schreiber. In steiler Karriere schafft er 1817 durch liberale Protektion den Sprung von der mittleren Beamtenlaufbahn zum Professor für Staatsverwaltungspraxis in Tübingen. Von der Obrigkeit politisch gemaßregelt, verzichtet der impulsive Liberale 1819 auf diese Stelle. Seinen Einsatz für die Abschaffung der Binnenzölle und für gemäßigte »Erziehungszölle« zum Schutz der rückständigen deutschen Wirtschaft verbindet er mit Kritik an der herrschenden Politik und Verwaltungspraxis. Daraufhin verliert er sein Landtagsmandat, erhält 1824 zehn Monate Festungshaft und beschließt auszuwandern, dorthin, »wo man die Leute nicht bei den Haaren herumzieht und einsperrt, wenn sie von Vernunft reden«. Finanzieller und publizistischer Erfolg in den USA kann nicht sein Heimweh besiegen. Seit 1832, als amerikanischer Konsul nach Deutschland zurückgekehrt, wird er nun zum Vorkämpfer und Schöpfer des deutschen Eisenbahnsystems, das er als Symbol der wirtschaftlichen und politischen Einheit des Deutschen Reiches ansah. Durch landesherrliche Engstirnigkeit ebenso wie durch Vorurteile abgelehnt und missverstanden, resignierte er, während der »Deutsche Zollverein« (1834) und der einsetzende Eisenbahnboom seine Pläne und Ideen in den folgenden Jahren verwirklichten.

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Info 18.12.2017 00:07
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