Bettina von Arnim – Kurze Biografie

Bettina von ArnimDer überschwängliche Wunsch, »Teil von allem zu sein, was zugleich mit mir auf dieser Welt ist«, kennzeichnet diese außergewöhnliche Frau, die wie ein Kobold ihre Umwelt entzückte und verärgerte. Unbefangen machte sie die Großen ihrer Zeit zu Gesprächs- und Briefpartnern im Bewusstsein, ebenbürtig zu sein – war sie doch Bürgerin der Freien Reichsstadt Frankfurt, eine geborene von Brentano aus italienischem Adel. Mit ihrem Bruder Clemens, dem sensiblen romantischen Dichter, verband Bettina (eigentlich Anna Elisabeth, * 1785, † 1859) vertrauliche Geschwisterliebe. 1811 heiratete sie dessen Freund Achim (Ludwig Joachim) von Arnim (* 1781, † 1831), einen märkischen Edelmann. An seiner Seite hoffte sie, nur für die Poesie leben zu können. Statt dessen führte sie zwei Jahrzehnte, umgeben von einer siebenköpfigen Kinderschar, den Haushalt auf Gut Wiepersdorf. Nach dem Tode Achims übersiedelte Bettina nach Berlin. Ihr Haus »Unter den Zelten« wurde der Treffpunkt des geistigen Lebens der Großstadt. Als Schriftstellerin debütierte sie mit zwei Briefromanen: »Goethes Briefwechsel mit einem Kind« enthüllte ihren erotisch gefärbten Enthusiasmus für den Dichterfürsten und dessen distanzierte Reaktionen und entfachte eine rege Diskussion. »Die Günderode« lenkte die Aufmerksamkeit auf ihre ehemalige Freundin, eine feinsinnige Poetin, die sich wegen einer Liebesaffäre das Leben genommen hatte. Bettina erkannte aber auch als eine der ersten die Problematik der neu erstehenden Industriegesellschaft, entfaltete energische Aktivitäten in den Slums von Berlin und appellierte wiederholt an König Friedrich Wilhelm IV. – vor allem in dem Werk »Dies Buch gehört dem König« -, ein König der Armen zu werden. Bettina von Arnim traf sich mit Karl Marx, wandte sich an den Geldfürsten Rothschild um Hilfe und war mit ihrem Eintreten für die Juden, für die Polen in der Provinz Westpreußen, für eine Gefängnisreform, für die Abschaffung der Todesstrafe und der Vorwegnahme der Völkerbundsidee ihrer Zeit weit voraus.