Die Landsknechte – Kriegsdienst gegen Lohn

»Gott genad dem großmächtigen Keiser frumme …« so heißt es in einem um 1500 entstandenen Landsknechtslied und die einfachen Worte von Kaiser Maximilian I. und seinen Landsknechten sagten damals schon, was heute Historiker in wissenschaftlichen Abhandlungen bestätigen, wenn sie die Anfänge jener Waffengattung erforschen, die an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit das Kriegswesen in Deutschland geradezu revolutionierend beeinflussten. Das Ende der Ritterheere
Niedergang und Schwäche des alten Ritterheeres waren in den Schlachten von Morgarten und Sempach, in den Hussiten- wie auch in den Burgunderkriegen seit eineinhalb Jahrhunderten aller Welt deutlich geworden und forderten gebieterisch eine grundlegende Reform. Wenn sie König Maximilian I. noch zu Lebzeiten seines Vaters Kaiser Friedrich III. einleitete, so setzte er aber nur eine Entwicklung fort, die in der Schweiz schon etwa ein Jahrhundert zuvor begonnen hatte. Reisläufer, Söldner, Lands-Knechte – Kriegsdienst gegen Lohn
In einer Zeit, in der Krieg und Kriegführung geradezu zum Alltag gehörten, benötigten Fürsten wie Städte gleichermaßen dringend Soldaten. Die Ritter konnten nur einen Teil des Bedarfs decken, sie mussten ergänzt werden durch Fußsoldaten, die aber nicht wie die Ritter um Ehre, sondern um Sold dienten, die Leib und Leben für das blutige Geschäft verkauften oder vermieteten. Dass dies die meisten von ihnen nicht aus Abenteuerlust oder Geldgier taten, ist verständlich. Vielmehr trieb sie oft die Not, die bitterste Not sogar. Die Bauernburschen aus den kargen Gebirgstälern der Schweiz machten den Anfang. Als sogenannte »Reisläufer« traten sie in die Dienste vor allem der oberitalienischen Städte, die auf diese Weise ihre eigenen Söhne schonen konnten. Wenn man bedenkt, dass bei einer Bevölkerungszahl von nicht einmal einer Million die Verluste durch Reislaufen auf etwa 50 bis 100 000 Mann geschätzt werden, so kann man bei solcher traurigen Bilanz überhaupt erst ermessen, wie verbreitet das Geschäft mit Krieg und Tod war. Was den Schweizern recht war, konnte den benachbarten Oberdeutschen nur billig sein. So verfügte schon das erste Heer des Schwäbischen Bundes von 1487/88 über 12 000 Fußsoldaten, lauter angeworbene Leute, und damit schon so etwas ähnliches wie eine angeworbene Landsknechttruppe. Für den Krieg in den Niederlanden hatte Maximilian I. 1487 nach Schweizer Vorbild Söldner angeworben. Wohl weil sie aus seinen eigenen Ländern kamen, mögen sie die Zeitgenossen schon »Lands-Knechte« genannt haben. Mit der Lanze, der wichtigsten Waffe dieser Krieger, hat das Wort jedenfalls nichts zu tun. Unter den Neugeworbenen waren 4000 Schweizer und ebenso viele Deutsche, die meisten von ihnen aus den südlichen und südwestlichen Teilen des Reiches, aus denen auch in den folgenden Jahrzehnten der wesentliche Nachschub kam. Bei der damaligen Bevölkerungsstruktur ist es nur verständlich, dass der größte Teil der Angeworbenen Bauernsöhne waren. Ob diese daheim gegen geringen Lohn auf irgendeinem Hof dienten oder gegen besseren in den Krieg zogen, machte wenig Unterschied. Aber auch aus den Kreisen der Bürger, vor allem der ärmeren Handwerker, kamen die Knechte. Und als die Truppe rasch Ansehen gewann, lockte sie auch Angehörige des Mittelstandes und vor allem Adelige, die sich um die Offiziersstellen bewarben. Ein Blick auf die Soldliste eines Regiments (siehe unten, Besoldung der Landsknechte) beweist nur die Verlockung, die von ihr ausging, von den Möglichkeiten reicher Beute ganz zu schweigen. Triumph des TodesPieter Bruegels Triumph des Todes (Ausschnitt). Madrid, Prado. Glücksritter und Soldaten
Unter solchen Umständen verwundert es nicht, dass trotz der Gefahren dieses Berufsstandes die Zahl der Bewerber meist größer war als der Bedarf. Und ebensowenig verwundert es, dass die Wirklichkeit so gar nicht mit dem Bild vom »frummen« (frommen) Knecht übereinstimmte, von dem das eingangs zitierte Lied sang. Vielmehr beobachtete die Bevölkerung die neue Truppe von Anfang an recht misstrauisch. »Anno 1495, als Maximilian Kaiser war, kamen zwei schwere Plagen über Deutschland: die Franzosen und die Landsknecht«, schrieb ein zeitgenössischer Chronist und drückte damit nur das allgemeine Missbehagen über diese Soldaten aus. Doch trafen solche harten Worte sicher nur einen Teil von ihnen, vor allem eben jene Glücksritter, die in Kampf und Krieg nur ein Hasardspiel sahen, für das sie ihr Leben als höchsten Einsatz boten, von dem sie sich aber Glück und Reichtum als raschen Gewinn erhofften. Für viele war es ein Beruf wie jeder andere, nur wenige allerdings mögen wie Georg von Frundsberg gedacht haben, der einmal erklärte: »Waffengewalt ist gerechte Sache, nicht des Angriffs oder des Raubes halber, sondern in ehrlicher Notwehr ist sie vor Gott statthaft.« Immerhin suchte Maximilian I. selbst, suchten tüchtige Feldhauptleute und viele Offiziere durch strenge Ordnung und Manneszucht die Truppe zu einem jederzeit einsatzfähigen und schlagkräftigen Instrument zu machen. Siege wie bei Pavia auf der einen und gefährliche Meutereien auf der anderen Seite zeigen nur, wie eng Erfolg und Misserfolg dabei nebeneinander lagen. Die feste Ordnung begann schon bei der Musterung. Das Werbegeschäft übernahmen Obristen oder Feldhauptleute, die mit ihren Leuten von Ort zu Ort zogen, die Trommel rühren ließen und dann die herbeieilenden Bewerber möglichst genau überprüften. Bevorzugt genommen wurden solche Männer, die kräftig und gesund erschienen, ordentlich gekleidet waren, über festes Schuhzeug verfügten und einen festen Harnisch und Waffen besaßen; denn im Gegensatz zu späteren Zeiten mussten sich die Landsknechte selbst ausrüsten und verfügten über keinerlei einheitliche Uniformen. Ein dementsprechend buntes Bild boten sie dann auch. Wilde Gesellen in farbenprächtiger Gewandung
Gerade über die Kleidung der Landsknechte ist von den Zeitgenossen nicht zu Unrecht viel gewettert und gespottet worden. Zeitgenössische Künstler haben die Männer in ihren seltsamen malerischen Aufzügen gern als Motive gewählt, sodass wir verhältnismäßig genau über ihr Äußeres informiert sind. Wenn sich die Knechte in den Anfangszeiten noch mit der seit dem Mittelalter bekannten »Mi-parti-Kleidung« begnügten, bei der Hose und Wams in verschiedenen Farben halbiert waren, so genügte ihnen das seit etwa 1530 nicht mehr. Die Farben wurden greller, die Schlitze, Bauschen und Puffen nahmen zu. Hans Sachs, der Nürnberger Poet, gibt in einem Vers ein köstliches Bild solcher Kleidung: Wilder Leute hab ich nie gesehen.
Ihre Kleider aus den wildsten Sitten,
Zerflammt, zerhauen und zerschnitten.
Einsteils ihre Schenkel blecken [entblößen] täten,
Die andern groß weit Hosen hätten,
Die ihnen bis auf die Füße herabhingen,
Wie die gehosten Tauber gingen.
Ihr Angesicht schrammet und knebelbartet,
Auf das allerwildest geartet;
In Summa: wüst aller Gestalt,
Wie man vor Jahren die Teufel malt.
Wenn er davon spricht, dass sie ihre Schenkel entblößen, so meint er damit die Sitte der »halben Hosen«; denn eine Zeitlang schnitten die Landsknechte sich das linke Hosenbein oberhalb des Knies ab, um beim Ausfall mit dem Spieß nicht behindert zu sein. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die an sich schon auffallenden Hosen noch länger und weiter, richtige Pluderhosen. Für ein einziges solches Stück verwendete ein modebewusster Landsknecht bis zu 100 Ellen (60 Meter) Stoff, so wird jedenfalls behauptet. Auffallend bei solchen Hosen-Monstren war auch der oft geradezu obszöne Hosenlatz, auch Ochsenkopf oder Schneckenhäuslein genannt. So heißt es in einem Lied: »Ein Latz muss sein darneben, wohl einen Kalbskopf groß.« Merkwürdigerweise stolzierten sie in einer solchen Tracht nicht nur an friedlichen Tagen herum, sondern kämpften auch darin. Nur den breitrandigen, federgeschmückten Hut vertauschten sie dann mit einem einfachen Helm, einer Beckenhaube oder einem Eisenhut. Damit sich aber die Kämpfenden in dem bunten Durcheinander, das auf beiden Seiten herrschte, dann wenigstens einigermaßen unterschieden, trugen sie bunte Binden oder Stoffkreuze. Die Waffen der Landsknechte
Einheitlicher als die Kleidung waren die Waffen, für die jeder Mann ebenfalls selbst zu sorgen hatte. Schon 1496 befahl ein kaiserliches Aufgebot, dass ein Drittel der Landsknechte mit Spießen und Hellebarden, ein Drittel mit Armbrüsten und ein Drittel mit Büchsen, d. h. kurzen Gewehren, bewaffnet sein sollte. Den Spieß hatten die Landsknechte als wichtigste Waffe von den Schweizern übernommen. Der Stab aus Eschenholz war etwa vier Zentimeter dick und bis zu 5,6 Meter lang und hatte eine 25 Zentimeter lange Eisenspitze. Die Unteroffiziere und die sogenannten Doppelsöldner, die im besonders gefährdeten ersten Glied standen und dafür doppelten Sold bezogen, waren mit Hellebarden bewaffnet. Der Schaft dieser Hieb- und Stichwaffe war nur etwa zwei Meter lang, ihre eiserne Spitze konnte verschiedene Formen aufweisen, hatte aber gewöhnlich an der einen Seite noch ein Beil zum Schlagen, auf der anderen einen Haken zum Reißen. Schwerter gab es in verschiedenen Formen. Die deutschen Landsknechte bevorzugten das römische Schwert, auch »Katzbalger« genannt, mit kurzem Griff und breitem, etwa 70 Zentimeter langem Doppelblatt. Gefürchtet waren die etwa 1,6 Meter langen »Zweihänder«, wie sie vor allem die Doppelsöldner führten. Schlagkräftige Organisation – Teure Finanzierung
So buntscheckig also das äußere Bild eines Landsknechtsheeres war, so schlagkräftig war es andererseits organisiert. Die neugeworbenen Knechte wurden in Rotten zu zehn Mann aufgeteilt, 40, später 50 Rotten bildeten das Fähnlein, die wichtigste Einheit der Landsknechte. In jedem Fähnlein dienten 100 Doppelsöldner. Zehn Fähnlein bildeten ein Regiment, das von einem Feldobristen geführt wurde, der über einen eigenen Stab von 22 ausgewählten Leuten verfügte, darunter ein Kaplan, ein Feldarzt, ein Schreiber, ein Quartier- und ein Proviantmeister. Es empfiehlt sich, einmal einen Blick auf die Besoldungsliste eines Regiments (siehe unten) zu werfen. Rechnet man die dort angeführten Zahlen zusammen, so ergibt sich einschließlich der Doppelsöldner die horrende Besoldungssumme von 35 000 Gulden monatlich. Wenn man bedenkt, dass die Knechte gewöhnlich für ein halbes Jahr angeworben wurden, und sich dann diese Summe vor Augen hält, versteht man auch, warum es bei der Besoldung immer wieder zu Schwierigkeiten, Besoldungsengpässen und infolgedessen zu Meutereien unter der Truppe kam. Als beispielsweise Georg von Frundsberg 1526 für Kaiser Karl V. Landsknechte anwarb, musste er seine Güter in Schwaben und Tirol und den Schmuck seiner Frau versetzen: für zwei Wochen Sold! Besoldung der Landsknechte
Regiment
Feldobrist 400 Gulden
Locotenent 100 Gulden
Kaplan 12 Gulden
Schreiber 24 Gulden
Wachtmeister 40 Gulden
Quartiermeister 40 Gulden
Proviantmeister 40 Gulden
Feldscher 40 Gulden
Feldarzt 40 Gulden
Trommler 8 Gulden
Pfeifer 8 Gulden
Dolmetscher 8 Gulden
Koch 8 Gulden
8 Trabanten (Leibwache) je 4 Gulden
Hurenweibel 12 Gulden
Fuhrknecht 4 Gulden
Fähnlein
1 Hauptmann 40 Gulden
1 Leutnant 20 Gulden
1 Fähnrich 20 Gulden
1 Kaplan 8 Gulden
1 Feldweibel 12 Gulden
1 Kundschafter 4 Gulden
1 Fourier 4 Gulden
2 Weibel je 4 Gulden
2 Trommler je 4 Gulden
2 Pfeifer je 4 Gulden
2 Trabanten (Leibwache) je 4 Gulden
1 Dolmetscher 4 Gulden
1 Hauptmannsbursche 4 Gulden
1 Fähnrichsbursche 4 Gulden
1 Hauptmannskoch 4 Gulden
1 Reisiger Knecht 4 Gulden Karrees, »Verlorener Haufe«, Spieße, Büchsen und Artillerie
Die erwähnte Bewaffnung mit den langen Spießen und Hellebarden erzwang eine bestimmte Kampftaktik: Ursprünglich waren die Truppen in der Breite wie in der Tiefe in Karrees gleichgestaffelt, sozusagen in quadratische Blöcke unterteilt. Die ersten Glieder wurden von den rückwärtigen vorwärtsgeschoben, und es konnte vereinzelt sogar vorkommen, dass sich die Männer dabei gegenseitig aufspießten. Im 16. Jahrhundert gingen die deutschen Landsknechtsführer dazu über, mehr in die Breite als in die Tiefe zu staffeln, um auf diese Weise den Gegner leichter umfassen zu können. Häufig kämpfte vor dem ersten Block noch ein »Verlorener Haufe« aus Freiwilligen, Gefangenen, die sich bewähren mussten, oder durch das Los bestimmten armen Teufeln. Ihre Überlebenschancen waren gering, um so wichtiger aber ihre Aufgabe, sollten sie doch die Kampfspitze des Gegners eindrücken oder zumindest in die erste schwer bezwingbare Reihe der langen Spieße Unordnung bringen. Die Schützen waren mit ihren Büchsen entweder im ersten Glied oder zur Sicherung der Flanken eingesetzt. Trotz aller Betonung des Fußvolks darf die Bedeutung der Artillerie nicht unterschätzt werden, auf deren Ausbau schon Maximilian I. besonderen Wert legte. Allerdings wurden die Geschütze wegen ihrer enormen Herstellungs- und Bedienungskosten in erster Linie für Belagerungsaufgaben eingesetzt. Das Landsknechtsfähnlein – Gemeinschaft aus Not und Armut
Das Leben der Landsknechte wird heute vom Schimmer des Romantischen umgeben. Zahlreiche alte, erneuerte und neu gedichtete Lieder singen vom Lagerleben, von der Gemeinschaft, von Krieg, Kampf und Not, vielfach aber von Freiheit und Ungebundenheit. Meist lassen dabei nur die älteren Lieder etwas von der Härte des Krieges verspüren, in den neuen ist dann häufiger verharmlosend vom Glück der abenteuerlichen Freiheit die Rede. So abenteuerlich oder romantisch war das Alltagsleben der Landsknechte nicht, viel eher erscheint es eingebettet in eine seltsame Polarität von Zügellosigkeit und strengster Ordnung, es war ein Leben von Außenseitern, die sich eine eigene Gesellschaftsordnung gaben. Ihre Heimat war für die Zeit ihres Dienstes das Fähnlein. Hier lebten sie zusammen mit ihren Kameraden, einige nahmen sogar die Ehefrauen mit zu der Truppe, andere hielten Dirnen aus, die unaufgefordert das Fähnlein begleiteten. Das Los solcher Frauen war ebenso schwer wie das der Männer. Auch sie hatte vorwiegend die Not getrieben und nur selten die Lust an einem ungebundenen Leben. Sie kochten und wuschen für die Soldaten, mussten Kranke und Verwundete versorgen, den Schmutz im Lager wegräumen und sogar Schanzarbeiten verrichten. Untergebracht waren sie beim Tross, zu dem auch jene eitern- und heimatlosen Jungen gehörten, die als Trossbuben einfache Dienste versahen. Sie alle unterstanden einem »Feldweibel«, einem Offizier im Hauptmannsrang. Selbstversorgung im Lager – Trunksucht und Spielleidenschaft
Lagerte das Fähnlein, trieben sich Trossangehörige unter den Knechten herum, kein Wunder, dass so ein Lager dann einen ebenso bunten Eindruck machte wie das Äußere der Soldaten. Auch hier geben uns die zeitgenössischen Holzschnitte gute Aufschlüsse über Einzelheiten des Lagerlebens. Über feste Zelte verfügten meistens nur die Offiziere, während die einfachen Leute sich mithilfe der Spieße Hütten aus Zweigen oder Stroh errichteten. Auf einigen Bildern sehen wir Landsknechte, die gerade Vieh abschlachten oder an offenen Feuerstellen das Essen sieden. Das hat nichts mit Gemeinschaftsverpflegung zu tun; denn die Knechte mussten sich von ihrem Sold selbst versorgen. Dementsprechend wurden Märkte im Lager abgehalten, und die sogenannten Marketender und Marketenderinnen (von ital. mercatante = Kaufmann) handelten mit Lebensmitteln und Gebrauchsartikeln und natürlich auch mit Getränken aller Art. So wurden im Tross die Küchengeräte mitgeschleppt und die Fässer mit Wein oder Bier. Sie gehören ebenso zum Bild des Lagers wie der Humpen oder Zinnkrug zum Bild des Landsknechts. Kein Wunder, dass die Trunksucht zu den gefährlichsten Lastern der Männer zählte, und ein zeitgenössisches Spottlied nennt als ein ungewöhnliches Ding u. a. auch »ein Fähnlein deutscher Knechte, die nüchtern sein«. Das zweite gefährliche und immer wieder angeprangerte Laster war das Spiel. Oft hatten die Knechte ja durch die Plündereien leicht und rasch erworbenes Gut, das sie ebenso rasch wieder »aufs Spiel setzten«. Von dieser Spielleidenschaft waren die einfachen Leute wie die Offiziere gleichermaßen erfasst, und sogar von Fürsten hören wir, die sich mit den Soldaten um Spielgewinne stritten. Kein Wunder, dass es unter solchen Umständen immer wieder zu bösen Ausschreitungen und Zwischenfällen kam. Ordnung und Rechtsprechung
Für die Einhaltung der Ordnung sorgte ein Profoss, der die oberste Polizeigewalt ausübte. Ihm zur Seite standen der Stockmeister oder Aufseher, ein Amtmann und der Henker. Kaum war ein neues Lager aufgeschlagen, ließ er an einem geeigneten Platz zur allgemeinen Warnung den Galgen errichten. Sein Polizeiamt war aber keineswegs ehrenrührig wie etwa das des städtischen Büttels, vielmehr gehörte er zu den Offizieren des Regiments, an dessen Spitze ein Oberst stand, der seinerseits wieder die Hauptleute zur Führung der Fähnlein berief. Diese ernannten Leutnante, Fähnriche und Feldwebel, während die Rottmeister, welche die niederen Führungsstellen innehatten, von den Landsknechten selbst gewählt wurden. Hier zeichneten sich erstmals Ansätze zu einer Demokratisierung des Heerwesens ab, die sich auch gelegentlich in der Rechtspflege des Lagers bemerkbar machen. Der Profoss hatte nur die ausführende Polizeigewalt, während die richterliche Gewalt bei einem vom Oberst ernannten Schultheißen lag. Bei wichtigen Gerichtsverhandlungen standen diesem zwölf Geschworene zur Seite, erfahrene Männer, die aus den Fähnlein gewählt wurden. Sie konnten gemeinsam Gerichtssitzungen abhalten. Dieses »Gericht bei besetzter Bank«, wie es uns auch der Holzschneider Jost Amman in einem Bild dargestellt hat, fand stets im Freien auf dem Hauptplatz des Lagers statt. Die Sitze für den Schultheiß und die Geschworenen bildeten ein Geviert, in dessen Mitte Kläger, Angeklagter und Fürsprecher standen. Dem Angeklagten waren beachtliche Möglichkeiten zur Verteidigung geboten. Auf Antrag seines Fürsprechers konnte die Verhandlung bis zu dreimal vertagt werden, um Rechtshilfen und Zeugenaussagen zu beschaffen. Das Urteil war dann allerdings endgültig. Lautete es auf Tod, wurde der Verurteilte sogleich dem Profoss übergeben und zur Richtstätte geführt. Neben dieser Art der Urteilsfindung gab es noch das »Recht der langen Spieße«, das die Landsknechte selbst fordern konnten. Dann führte der Profoss den Vorsitz. Das ganze Fähnlein versammelte sich im Ring, in dessen Mitte der Angeklagte und sein Fürsprecher standen und ihre Sache vortrugen. Vierzig Landsknechte, vom Fähnlein gewählt, fällten schließlich ein Urteil. Dieser Vorgang wiederholte sich noch zweimal mit jeweils neuen Leuten, und erst dann stimmte die ganze Gemeinde ab. Lautete der Spruch auf Tod, bildeten die Landsknechte mit ihren Spießen sogleich eine lange Gasse, an deren Ende der Fähnrich mit der Fahne stand. Der Angeklagte wurde dreimal hindurchgeführt, dann fielen seine Fesseln und die Landsknechte senkten ihre Spieße. Je schneller und entschlossener sich der Verurteilte nun in die eisenstarrende Gasse stürzte, um so rascher hatte er ausgelitten. War er unter den Spießen zusammengebrochen, knieten die Landsknechte nieder und beteten für seine arme Seele. Dann gaben sie ihm noch drei Ehrensalven. Der Oberst dankte den Leuten für ihre ehrliche Haltung. Hasen und JägerFlugblatt der Lutherzeit: »Hasen richten über Jäger und Mönche« – Anspielung auf den Aufstand der von Geistlichkeit und Adel unterdrückten Bauern. Blütezeit und Niedergang
Schon innerhalb weniger Jahre nach 1487 wurden die Landsknechte zu einem schlagkräftigen Instrument der Kriegsführung. Die Kriege Maximilians I. und vor allem Karls V. wären ohne sie nicht denkbar. Der Niedergang der Landsknechtsheere setzte allerdings schon bald danach mit dem Tode Frundsbergs ein, der als ihr bedeutendster Führer angesehen werden darf. Endgültig besiegelt aber wurde ihr Schicksal in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als die Jahre trügerischer Ruhe nach dem Augsburger Religionsfrieden die Weiterentwicklung der Feuerwaffen und damit ihr Übergewicht über die vorwiegend mit den Speeren kämpfenden Fußsoldaten begünstigte. Die »kaiserlichen Fußknechte«, wie sie nun genannt wurden, gehörten zwar nach wie vor zum Kriegswesen, aber die alten glänzenden Zeiten waren vorbei.

Forum (Kommentare)

Emilia 29.03.2017 um 17:38:23 Uhr.
Super Artikel, habe viele Informationen für mein Referat gefunden! Danke ;)