Bildhauer und Maler im Reformationszeitalter

Um 1500, mitten in der Zeit ihrer höchsten Entfaltung, wird die deutsche Kunst von einer spürbaren Unruhe ergriffen. Es ist, als sei ein Ungenügen über die engen Formen der alten gotischen Welt, über die Menschen und mit ihnen über die Künstler gekommen. Eine Bewegung der Geister erfasst die Maler und Bildhauer, die ihrem Temperament entsprechend mehr oder weniger vehement nach einer Sprengung aller Fesseln, nach einer neuen Gestaltung, nach einem unmittelbaren Ausdruck des eigenen Gefühls, des inneren und äußeren Erlebens ringen. Es sind die Auswirkungen eines neuen Weltgefühls, das sich hier ankündigt, eines Zeitalters, das der Historiker Jacob Burckhardt als die »Entdeckung der Welt und des Menschen« bezeichnet hat. Diese Entdeckung der Welt äußert sich nicht nur in der Erweiterung des geografischen Weltbildes und in den Ansätzen einer systematischen Naturwissenschaft. Auch die bildende Kunst erhält – zumindest in der Theorie – den Rang einer Wissenschaft, mit der sie, wie es der Architekt L. B. Alberti (1404-1472) formulierte, eine gemeinsame Basis in der Mathematik habe. In der genauen Naturbeobachtung, in den mathematisch erarbeiteten Gesetzen der Zentralperspektive und der Proportionslehre dokumentiert sich der entscheidende Wandel der bildenden Künste vom Sinnbild zum Abbild. Suche nach neuen Formen und Inhalten
Dieses neue Weltgefühl beruft sich auf die Antike und hat vor allem in Italien seinen Ursprung. Die Reaktion der deutschen Kunst ist nicht Unsicherheit, sondern bei gesteigerter Empfindlichkeit Sehnsucht nach innerer und äußerer Befreiung, Ungenügen an den überlieferten Darstellungsformen des Mittelalters, Erneuerungsbestreben hinsichtlich der überlieferten Themen und Inhalte. Es ist eine schöpferische Unruhe, die große Leistungen und Entdeckungen in allen Bereichen der Kunst, insbesondere in den bildenden Künsten provoziert. Nicht vorbehaltlos schließt sich der Norden Europas den neuen Bestrebungen an, die am nachhaltigsten von den italienischen Künstlern erhoben werden. Es scheint, dass hier im Norden die Bindung des einzelnen an die Mächte und Institutionen des Mittelalters stärker sind als im Süden. Erneuerung bedeutet, hier mehr als im Süden, innere Spannung, geistiger Sturm und Drang. Die Zeitereignisse, Reformation und Bauernkrieg, wirken hier tiefer auf das künstlerische Geschehen ein; Buch und Bild werden zu geistigen Waffen in diesen Auseinandersetzungen. Überragender Höhepunkt der Kunst in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts
Bereits im Laufe des fruchtbaren 15. Jahrhunderts waren in kühnen Vorstößen und Experimenten so viele künstlerische Anläufe erprobt, Lösungen erarbeitet, Ausdrucks- und Darstellungsmöglichkeiten abgeklärt worden, dass bereits das Ende dieser Entwicklungsphase abzusehen war. In diesem Stadium traten einige deutsche Künstler auf, die aus den vielfältigen Bemühungen die Summe zogen. Eine kurze Zeit nur, wenig mehr als zwei Jahrzehnte hat diese Epoche gedauert, in der die altdeutsche Kunst ihre letzte Höhe und Blüte erreichte. Bald nach 1500 tritt eine neue Generation von Künstlern auf – die nach 1470 Geborenen -, die durch ihre überragenden Leistungen leicht die Arbeiten der Vorangehenden haben zurücktreten lassen, die den Boden für diese Entwicklung vorbereitet hatten. Die um 1450/60 geborenen Künstler, eine stattliche Reihe bekannter Namen, lösen die Härte und Starre des voraufgehenden Realismus in eine neue Bewegtheit auf und gewinnen zugleich eine neue plastische Kraft. Gleichzeitig mit ihnen arbeiten schon die um 1470 geborenen Künstler, allen voran Albrecht Dürer und Mathis Gothart Neithart, den wir fälschlich »Grünewald« nennen. Der Vielfalt der Namen entspricht der mannigfaltige Reichtum der Talente und der überkommenen Werke. Mit diesem fruchtbaren Schaffen, das die deutsche Kunst in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts kennzeichnet, in diesem an Talenten überreichen »Wurf der Natur« verströmte sich das künstlerische Geschehen der Reformationszeit in Deutschland. In den Jahren um 1530 sind die großen Meister der Dürer-Zeit, die Klassiker der altdeutschen Kunst, kurz nacheinander innerhalb weniger Jahre verstorben. Eine Epoche von großartiger Einheit, bewundernswerter Sicherheit, großem handwerklichem Können, Vitalität und Weltgläubigkeit war damit abgeschlossen. Die Kunst selbst – bisher unlösbar mit der Kirche verbunden – geriet in Zweifel. Man stritt ihr die Berechtigung im kirchlichen Raum weitgehend ab. Luther hatte gesagt: »Wir mögen die Bilder haben oder nicht haben, wie wohl es besser wäre, wir hätten sie gar nicht.« Calvin schließlich lehnte alle Bildwerke ab. Die deutsche Kunst war aber noch so eng an die Religion gebunden, dass sie ihres Bodens nicht entraten konnte. Dazu kam eine innere Ziellosigkeit, ein Aussetzen nach der Erfülltheit im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts – nicht nur in Deutschland, in ganz Europa. Die deutsche bildende Kunst erlag dieser Krise; die Kunst des späteren 16. Jahrhunderts in Deutschland ist vorwiegend dokumentiert in den Werken eines hochstehenden Kunsthandwerks. Die deutsche Plastik der Spätgotik und Dürer-Zeit
Der Wandel von der späten Gotik zur Renaissance beansprucht in der deutschen Plastik ein langes, konfliktreiches Jahrhundert. Die alte Kunst hatte keineswegs ihre Daseinsberechtigung verloren, im Gegenteil: Mit dem spätgotischen Schnitzaltar wuchs ihr eine neue Aufgabe zu, die alle Kräfte forderte. Er war Ausdruck einer tiefen Frömmigkeit, die auch neuem, individuellem Erfassen der alten Bildinhalte Raum bot. So bildet die Spätzeit des 15. Jahrhunderts und das frühe 16. Jahrhundert trotz des Kontrastes der Kräfte eine einheitliche Epoche in der Geschichte der deutschen Plastik. Späteste Gotik und Renaissance sind in der deutschen Bildhauerkunst so stark ineinander verflochten, dass eine geschichtliche Darstellung das Gleichzeitige nicht auflösen darf in ein Nacheinander, zumal Spannung und divergierender Reichtum der Kräfte wesentliche Merkmale dieser Epoche sind. Die oberdeutschen Bildhauer
Die überragende Bildhauerpersönlichkeit am Anfang dieser Zeit ist Nikolaus Gerhaert von Leyden (um 1425-1473), der nach seiner Tätigkeit in Trier seit 1463 in Straßburg bezeugt ist. Dort entstanden um 1465 die Büsten für das Kanzleigebäude, das Wandgrab des Canonikus Conrad von Busang im Münster, 1467 der Kruzifixus auf dem alten Friedhof in Baden-Baden. Noch im gleichen Jahr folgt Gerhaert einem Ruf des Kaisers Friedrich III. nach Wiener Neustadt; dort ist Gerhaert während der Arbeit an der Tumba des Kaisers, die erst 1513 im Stephansdom in Wien aufgestellt wurde, 1473 verstorben. Gerhaerts Werke zeigen einen Realismus der Beobachtung und doch zugleich eine so intensive Vergeistigung der naturalistischen Ausdruckswerte, eine so feine Abstimmung der seelischen Ausstrahlung, wie sie die oberdeutsche Bildhauerkunst vordem nicht gekannt hat. Eine nicht zu unterschätzende Wirkung ist von Gerhaerts Kunst auf die gleichzeitigen oberdeutschen Bildhauer ausgegangen; mehr noch hat sie auf die kommende Generation eingewirkt, wobei gegen das Jahrhundertende eine zunehmende Beruhigung des Impulsiven und eine organische Klärung der Gestalten zu beobachten ist. Dies bezeugt vor allem das Werk des Niclas Hagnauer, des Bildschnitzers des Isenheimer Altares (tätig 1475- um 1510), der es versteht, Verismus – also realistische Wahrhaftigkeit – und sakrale Hoheit zu verbinden. 1469-1474 schuf Jörg Syrlin der Ältere das große Chorgestühl des Ulmer Münsters. Dieses Werk atmet eine neue Strenge und Würde, eine Klassizität gotischer Formgebung, die nicht mehr nur Erbe der Steinmetzhüttenkunst und noch nicht in goldschmiedehaftem Flitter verspielt ist, sondern eine harmonische Ausgewogenheit der künstlerischen Elemente zeigt. In dieser Kunst wurzeln die bedeutendsten Meister der oberschwäbischen Plastik des späten 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts. Von besonderem Gewicht ist vor allem Michel Erhart (nachweisbar seit 1469), der zusammen mit seinem Sohn Gregor 1493/94 den in seiner festlich strahlenden Fassung erhaltenen Hochaltar von Blaubeuren geschaffen hat. 1494 ist Gregor Erhart nach Augsburg übergesiedelt, wo er bis zu seinem Tod 1540 arbeitete. In seinen späten Werken, etwa der Holzfigur einer heiligen Magdalena (Paris, Louvre), wird deutlich, wie sich Spätgotisches in eine neue organische und harmonische Form wandelt. Wie sich die spätgotische Form zu einem höchst eigenwilligen, »barocken« Bewegungsstil entwickeln kann, zeigt das Schaffen des um 1470 vermutlich in Füssen geborenen Jörg Lederer, der bis 1550 in Kaufbeuren tätig ist. Zahlreiche Altäre hat er über die Alpenpässe nach Tirol geliefert. Als ein liebenswürdiger Gestalter erweist er sich am Hindelanger Altar, geschaffen 1519. Jörg Lederer vereinigt in seinem Schaffen die stillere Art der schwäbischen Plastik mit einer neuen Bewegtheit, die allgemein in der Spätzeit der letzten Gotik zu verspüren ist. In der Bildhauerkunst Altbaierns fällt eine starke Zuneigung zum Expressiven auf. Das zeigt vor allem ein Blick auf das Werk des Münchner Meisters der Spätgotik, Erasmus Graßer († 1518), der mit den schlanken, biegsamen, von unbändigem Temperament erfüllten Moriskentänzern, die er gegen 1480 für den Rathaussaal in München geschaffen hat, seinen Ruhm begründet hat. Eine monumentale Figur des heiligen Petrus im Hochaltar von St. Peter in München, um 1510-1518 entstanden, lehrt, dass auch er monumentaler Wirkungen auf eine beruhigte, repräsentative Art fähig war. In Landshut schuf Hans Leinberger ein umfangreiches Werk, das viele andere Kräfte seiner Zeit in seinen Bann gezogen hat. Seine Figuren sind erfüllt von einer neu empfundenen räumlichen, körperhaft gedachten Kraft. Unerhört wuchtig in der Realität ihrer Körperlichkeit ist seine Maria mit Kind in St. Martin zu Landshut, die ursprünglich unter dem Gewölbe in einem Rosenkranz schwebte. Der Umriss schließt sich bei ihr zu einer Einheit; um so jäher ist die Aufwallung der Binnenform, die wiederum an eine »barocke« Grundhaltung der Plastik dieser Zeit erinnert. In Franken: Adam Krafft, Veit Stoß, Tilman Riemenschneider
In diesem Zeitraum treten in Franken drei scharf umrissene Bildhauerpersönlichkeiten hervor: Adam Krafft und Veit Stoß in Nürnberg, Tilman Riemenschneider in Würzburg. Adam Krafft (1455-1507) vertritt das traditionelle, aus dem Handwerk gewachsene Künstlertum. Er hat als Spätgotiker mit aller Freude am Ornamentalen und Dekorativen begonnen: Sein berühmtestes Werk, das überreiche Sakramentshaus in St. Lorenz in Nürnberg, zeigt es. Dagegen hat er in den sieben Kreuzwegstationen, die 1505/06 im Auftrag des Patriziers Martin Ketzel entstanden sind (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum), auf alles überflüssige Beiwerk verzichtet; die Figuren sind hier als Organismus verstanden, die Menschen von einem neuen Daseinsgefühl erfüllt. Veit Stoß (1455-1533) kam aus Horb im Schwäbischen. Entscheidend auch für seinen Weg ist die frühe Begegnung mit Nikolaus Gerhaert von Leyden gewesen. Sein selbstständiges Schaffen beginnt um 1477 mit dem Hochaltar der Krakauer Marienkirche (vollendet 1489), der seinen Ruhm begründet hat. Dramatisches Leben erfüllt seine Gestalten. Der 1523 signierte, für das Karmelitenkloster in Nürnberg geschaffene Weihnachtsaltar, der sich heute im Bamberger Dom befindet, gehört der letzten Schaffensphase des Meisters an. Alles Leidenschaftliche und Überschwengliche ist gewichen, die Komposition übersichtlich geworden, die plastischen Akzente geschickt verteilt. Der Altar ist, da Nürnberg sich der Reformation zuwandte, unvollendet geblieben – ein sprechendes Zeugnis für den Wandel der Zeit. Mit einer seltenen Ausschließlichkeit beherrscht Tilman Riemenschneiders Stil, obgleich der Künstler aus Osterode nach Würzburg zugewandert war, nahezu fünf Jahrzehnte lang das mainfränkische Land um Main und Tauber. Der Realismus einer bürgerlichen Kunst wird von ihm aufgegriffen und im Rahmen der überkommenen Aufgaben zum Ausdruck einer intimen, ganz persönlichen Frömmigkeit vertieft. Er war kein radikaler Reformer und Neuerer. Dem widerspricht die Zartheit seines persönlichen Stils, der in vielem an den »weichen Stil« vom Anfang des Jahrhunderts anzuknüpfen scheint und der sich von dem überspitzten und überhitzten Erregtsein spätgotischer Kunst deutlich unterscheidet. Nur zögernd hat Riemenschneider im Grabmal für Fürstbischof Lorenz von Bibra, das er 1516-1522 für den Dom in Würzburg schuf, die neuen Schmuckformen der Renaissance übernommen, und nur verhalten zeigt sich die Fortentwicklung von einem kleinteiligen Bildgefüge hin zu einem lapidaren Spätstil, wie ihn das Beweinungsrelief in Maidbronn, um 1523 entstanden, aufweist. Das Hinhören auf das »Wort« veranlasst Riemenschneider zu völlig neuen Darstellungen der traditionellen Themen, z. B. in der Darstellung des Abendmahls im Heilig-Blutaltar in Rothenburg ob der Tauber. Der Altar nimmt Bezug auf den betrachtenden Menschen; in diesem Schritt dokumentiert sich ein geistesgeschichtlicher Vorgang. Die auf den Betrachter bezogene Schauwand dieses großen Schnitzaltars ist Symptom jener Emanzipation des Menschen, die wir als »Renaissance« bezeichnen. Bildhauer an Mittel- und Niederrhein
Am Mittelrhein bringt die Jahrhundertwende einen deutlichen Umschwung. Die hervorragendste Bildhauerpersönlichkeit dieses Raumes ist Hans Backoffen. Einst Schüler Riemenschneiders in Würzburg, wird er in Mainz ansässig; dort ist er 1519 gestorben. Von ihm stammen im Mainzer Dom die Grabmäler der Kurfürsten Berthold von Henneberg, Jacob von Liebenstein und Uriel von Gemmingen. Als weitere wichtige Arbeiten zählen einige monumentale Kreuzigungsgruppen zum Gesamtwerk des Meisters. Von Werk zu Werk kann man bei ihm die Abwendung von der Linearität des 15. Jahrhunderts beobachten und das Erstarken einer neuen Empfindung für das Stoffliche und dessen räumliche Erscheinung. Eine ähnliche Entwicklung wie in Süddeutschland lässt sich am Niederrhein erkennen. Freilich scheint hier in einer Landschaft, die stark unter dem Einfluss der Niederlande steht, die Freude am spätgotischen Linienspiel länger als andernorts lebendig. Hier gewinnt allein das Schaffen Heinrich Douvermanns von Kalkar deutlichere Konturen. Auch bei Hans Brüggemann, der aus dem Lüneburgischen stammt und 1521/24 den großen Bordesholmer-Altar im Dom zu Schleswig geschaffen hat, besteht eine offenkundige Anlehnung an Niederländisches. Lübecker Schule
Ein Bildhauer von genialem Rang war Bernt Notke, seit etwa 1460-1509 in Lübeck ansässig. 1498 vollendete er sein bedeutendstes Werk, den drachentötenden heiligen Georg in der Nikolaikirche in Stockholm. Den Auftrag hatte der schwedische Reichsverweser Sten Sture erteilt, der die riesige Gruppe als Votivgabe für seinen Sieg errichten ließ, den er 1471 vor den Toren Stockholms über die Dänen errungen hatte. Der Realismus konnte kaum weiter getrieben werden, und doch ist ein Werk entstanden, das alles andere als realistisch ist. Es ist ein Bildwerk von zauberhafter Wirkung, so suggestiv wie nur noch der Barock die nämliche Szene darzustellen vermochte. Den malerischen Stil einer Barockanmutenden Bewegtheit des frühen 16. Jahrhunderts repräsentiert in Lübeck vor allem Claus Berg, der seit 1504 im Dienst der Königin Christine von Dänemark stand, erst 1532 nach Deutschland zurückkehrte und hier die Apostel für den Dom zu Güstrow schuf. Sie sind in ihrer bizarren Linearität eine Parallele zu jenen Zeugnissen eines ›barocken‹ Stils, den wir bereits am Ende des 15. Jahrhunderts im Südwesten Deutschlands am Hochaltar des Breisacher Münsters antreffen. RathäuserRathäuser der Renaissance-Zeit 1: Rathaus Paderborn (Weserrenaissance) 1613-1620. 2: Rathaus Augsburg (frühbarock) 1615-1623. 3: Rathaus Emden 1574-1576. 4: Rathaus Markgröningen (Fachwerkbau) 15.-17. Jh. Italienische Renaissance – Einflüsse in Augsburg und Kaufbeuren
Am deutlichsten steht in Augsburg die Plastik des frühen 16. Jahrhunderts unter dem Einfluss der Renaissance italienischer Prägung. Hier fand mit dem Bau der Fugger-Kapelle bei St. Anna, errichtet 1509-1518, die neue Funktion der Plastik erstmals in Deutschland ihre konsequente Verwirklichung. Albrecht Dürer, Peter Vischer aus Nürnberg, Peter Flötner, der später in Nürnberg berühmt wurde, und Adolf Daucher waren an der Ausstattung der Kapelle mit Reliefs, Sarkophagen und Gittern beteiligt. Adolf Dauchers Hauptwerk ist die freistehende marmorne Erbärmdegruppe auf dem Altar, ein gotisches Thema im neuen Gewand. In der klaren Erfassung des Körperlichen, in der stillen Repräsentation ist die Harmonie der Renaissance erreicht. Dies Neue spricht sich aber vor allem in der Kleinplastik aus, insbesondere in der Medaillenkunst. Als einer der Hauptmeister der schwäbischen Renaissanceplastik darf Loy Hering (1485-1554) aus Kaufbeuren gelten, der später vorwiegend in Eichstätt tätig wurde. Sein bestes Werk in seinem umfangreichen Œuvre gelang ihm mit dem Denkmal des heiligen Willibald im Eichstätter Dom. Monumentalität und ausgeglichene Menschlichkeit, innere Ruhe und Würde der Erscheinung prägen die ganze Figur. Die deutsche Bildhauerkunst an der Wende von Spätgotik zur Renaissance bietet ein so reiches Bild wie kaum eine andere Epoche. Hier äußert sich zum letzten Mal jener makrokosmische Charakter – jene Gesamtschau und -planung, die im ganzen Mittelalter alle Plastik als Teil eines übergeordneten Ganzen, des Portals, des Schnitzaltars, hatte erscheinen lassen. Mit dem Zerbrechen dieser übergeordneten Ganzheit war auch das Schicksal der spätgotischen Bildhauerkunst besiegelt. Ursache dieser Veränderung war zutiefst ein Nachlassen der schöpferischen Spannung. WohnhäuserWohnhäuser der Renaissance-Zeit 1: Bürgerhaus Nürnberg (Pellerhaus) 1602-1605. 2: Wohnhaus Paderborn 1615-1620. Die deutsche Malerei von der Spätgotik bis zur Dürer-Zeit
Waren die Maler der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stolz auf die Fülle der getreu beobachteten Details gewesen, so sind um die Jahrhundertwende die neuen Ziele Größe und Würde. Nach dem Realismus wird nun die Schönheit das höchste Ziel. An dieser klassischen Kunst hatten – trotz der offenkundigen Unterschiede zwischen dem Süden und dem Norden – die meisten Länder Europas Anteil. Dass sie eigenwüchsig war und auch ohne die ‘Wiederentdeckung der Antike aufgekommen wäre, wird dadurch augenfällig, dass mit Memling (nachweisbar seit 1466, † 1498) und Gerard David (um 1460-1523) die Niederlande, und mit einer Fülle großer Begabungen auch Deutschland an ihr beteiligt sind. Das erste Werk in stiller, großer Form war hier die Madonna im Rosenhag, die Martin Schongauer 1473 für das Martins-Münster in Colmar gemalt hat. Schongauer hat nicht zuletzt durch seine Grafik und durch sein letztes, großes Werk, das Fresko des Jüngsten Gerichts im Münster zu Breisach, das bei seinem Tod 1491 unvollendet war, nachhaltig auf die Kunst der jüngeren Zeitgenossen, Maler wie Bildhauer, eingewirkt. Auch Rueland Frueauf, seit 1470 in Salzburg tätig, 1507 dort gestorben, muss auf seiner Wanderschaft am Oberrhein gewesen sein, wie seine späteren Werke erweisen. Strenge Knappheit der Raumdarstellung, vereinfachte Naturbildung, Streben nach monumentalem Bildaufbau kennzeichnen seine reifen Werke wie etwa die Passionstafeln im Kunsthistorischen Museum in Wien. Deren raumfüllende, monumentalen Figuren, der klare, großzügige Wurf der Falten weist schon auf den späteren Dürer hin. In ihrer Grundstimmung neigt die Malerei der letzten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts mehr dem Empfindsamen und Zarten zu als dem Ausdruck männlicher Kraft und Handlung. In Augsburg hat Hans Holbein der Ältere (1460-1524) vermutlich unter dem Einfluss der Niederländer mit dem Stil des 15. Jahrhunderts gebrochen und eine noble Malerei entwickelt. In seinen Spätwerken, wie etwa dem Sebastian-Altar von 1516 in der alten Pinakothek in München, hat er sich mit großer Einfühlungsgabe den Vortragsstil der italienischen Renaissance zu eigen gemacht. Stärker noch ist Michael Pacher, der von 1467 bis zu seinem Tod 1498 als Maler und Bildschnitzer in Brunneck in Tirol wirkte, von dem strengen Willen zur Größe erfüllt gewesen, wie vor allem der Hochaltar von St. Wolfgang, geschaffen 1479-1481, zeigt. Michael Pacher hatte die oberitalienische Kunst, möglicherweise die Werke Mantegnas, kennengelernt. Er selbst wiederum hat auf die kommende Generation eingewirkt. Albrecht Altdorfer und Wolf Huber sind nach St. Wolfgang gepilgert, um den Altar Pachers zu sehen, und auch Dürer scheint seine Werke gekannt und aufgesucht zu haben. An der Entfaltung der kommenden höchsten Blüte deutscher Malerei hat der ältere Tiroler Meister so einen sichtbaren Anteil gehabt. Im frühen 16. Jahrhundert vollzieht sich auf breiter Basis die Rezeption, die Übernahme der italienischen Renaissance. Die Begegnung mit der Kunst Italiens bewirkt eine Klärung und Beruhigung der Form, die Erfassung der Figur als eines dreidimensionalen Körpers, Logik der Raumdarstellung und den Einsatz neuer malerischer Mittel. Wie die italienischen Künstler überwindet Albrecht Dürer das erzählende Vielerlei zugunsten weniger, mächtiger Figuren. Andererseits erreicht die deutsche Malerei durch die Ausdruckskraft der Farbe und durch die Schilderung von Lichtvisionen einen Gipfel ihrer gesamten Entwicklung. Die Palette der Möglichkeiten zeigt sich am Gegensatz der Donauschule und ihrer romantisierenden Naturschwärmerei, deren Hauptvertreter Albrecht Altdorfer und der junge Lucas Cranach sind, andererseits in der »antiklassischen« Kunst des Mathis Gothart-Neithart, der mit neuen malerischen Mitteln eine zuvor in dieser Spannweite unbekannte Empfindungsskala zwischen inniger Versenkung und leidenschaftlicher dramatischer Steigerung erschließt. Daneben bestimmt die kühle Objektivität Hans Holbein des Jüngeren das Bild der deutschen Malerei der Reformationszeit. Diese war die Leistung der um 1470 geborenen Generation. Albrecht Dürer
Der Älteste dieser Generation ist Albrecht Dürer. Er hat als erster das Ringen der Zeit ausgesprochen und die große Form einer Kunst geprägt, die auf alle Zeitgenossen als Anstoß und Vorbild eingewirkt hat. Er ist auch der erste deutsche Künstler, dessen menschliches Wesen und Schicksal wie die Geschichte seines Schaffens fassbar ist. Dürer ist bereits 1495 in Venedig gewesen, aber drei Jahre später schuf er mit der »Apokalypse« das der Antike Italiens fernste Werk. Diese Holzschnittfolge ist Ausdruck einer tiefen religiösen Unruhe und Erregung. Auf dem Blatt »Die vier apokalyptischen Reiter« bricht das Unheil mit Gewalt über die Menschen herein. Dies Schicksal gilt nicht einzelnen, sondern der ganzen Menschheit. Auch nicht ein einziges Kriterium italienischer Ordnungsprinzipien ist in diesem Blatt angewendet. Nach der wirren Überladenheit dieser Holzschnitte fand Dürer die klassische, organisch gestaltete und leicht schaubare menschliche Figur wesentlich aus sich selbst. Durch eine fortwährende Läuterung seiner Mittel und Begriffe erreicht Dürer in den »Vier Aposteln«, gemalt 1526 für den Rat der Stadt Nürnberg, heute in der Alten Pinakothek München, eine monumentale Schlichtheit: Der Mensch ist Mittelpunkt der Kunst. Dürers Werk reicht vom Porträt bis zu den Aquarellen mit Landschaften (die als erste um ihrer selbst willen abgebildet sind), von der Vision apokalyptischer und himmlischer Gehalte bis zu den wissenschaftlichen Beobachtungen, die den Entdeckungsfeldzug zur Gewinnung der sichtbaren Wirklichkeit auch im Kleinsten – das »Wiesenstück«, das »Veilchen« – fortsetzen. Mathis Gothart-Neithart, genannt Grünewald
Während Dürers »Apostel« zum Symbol der Reformation wurden, wurzeln die Werke des Mathis Gothart-Neithart, den Joachim von Sandrart zuerst »Grünewald« genannt hat, tiefer in der Mystik des Mittelalters. In keinem anderen Werk dieser Zeit haben Grausamkeit und Leid, Verzweiflung und Hingabe, das Geheimnis der Erlösung und die Herrlichkeit der Auferstehung einen tieferen Ausdruck gefunden, als in den Tafeln des Isenheimer Altars, der zwischen 1512 und 1516 geschaffen wurde. Hier ist Tragisches und Erschütterndes, episch Erzählendes und Lyrisches, Dämonisches und Inniges zu einer symphonischen Gestaltung zusammengefasst. Diesem Mittel der Steigerung folgt Grünewalds Farbgebung. Er hat mit dem Spürsinn des echten Malers erkannt, dass Farben starke gefühlsmäßige Wirkungen hervorrufen, dass sie bedrängen, befreien, beglücken können. Der leidenschaftliche Verismus, der Drang nach wahrhaftiger, naturrealistischer Darstellung, der Grünewalds frühen Werken die künstlerische Stoßkraft gegeben hat, weicht in seinen späten Schöpfungen einer abgeklärten und doch sehr ergreifenden künstlerischen Schau. INRIMathis Gothart-Neithart, genannt Grünewald: »Kreuzigung Christi« (Ausschnitt) vom Tauherbischofsheimer Altar, um 1525 – wie die Kreuzigung vom Isenheimer Altar ein Bild voller innerer Spannung, voller Qual und Leid des geschundenen menschlichen Körpers, betont durch Hell-Dunkel- und Farbkontraste. Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle. Albrecht Altdorfer
Ein Jahr nach dem Tode Dürers und Grünewalds erreicht die deutsche Malerei mit der »Alexanderschlacht« von Albrecht Altdorfer (um 1480 bis 1538) einen letzten Höhepunkt. Er betrifft nun freilich kein religiöses Thema mehr. Die Zeit tiefster gläubiger Aufgewühltheit ist vorbei, nicht aber die Erregung infolge einer neuen Welterfahrung, die sich hier im Wirbel der beiden kämpfenden Heere äußert, in deren Ringen der gesamte Kosmos einbezogen ist. Donaulandschaft bei RegensburgDie Landschaftsmalerei hält Einzug in die deutsche Kunst: Albrecht Altdorfer: »Donaulandschaft bei Regensburg« (Ausschnitt) mit Schloss Wörth und dem Scheuchenberg. München, Alte Pinakothek. Altdorfers Werk ist überaus vielseitig. Er malt um 1520/25 das erste reine Landschaftsbild der europäischen Kunst, die Donaulandschaft mit dem Schloss Wörth und dem Scheuchenberg (Alte Pinakothek München); er gibt Holzschnittwerke heraus und liefert – wie Dürer – Vorlagen für Goldschmiedearbeiten, er malt die ausgelassenen Badeszenen in der Kaiserbadstube in Regensburg (Museum Regensburg). Lucas Cranach
Eine Entwicklung vom Dramatischen zum Gepflegten hat Lucas Cranach (1472-1553) aus Kronach in Oberfranken genommen. Während seiner Wanderjahre in Österreich steht er der Donauschule mit ihrer Freude an der Natur nahe. 1505 als Hofmaler nach Wittenberg berufen und in ein anderes Milieu verpflanzt, dient er mit flüssig gemalten Bildnissen treu seinem Herrn, wird – befreundet mit Martin Luther -zum Maler der Reformation. Wie seine Altarbilder sind die protestantischen Dogmenbilder von sichtlicher Nüchternheit geprägt. Hans Holbein d. J.
Der jüngste in der Reihe der großen deutschen Maler der Reformationszeit war Hans Holbein der Jüngere (1497-1543). In Augsburg geboren, kannte er später in Basel und London fast nur mehr das Bildnis als Aufgabe. Er ist distanzierter als die anderen deutschen Maler und reifer. Sein Tafelbild »Der tote Christus« (Kunstmuseum Basel) ist einzigartig in dieser Zeit. Es sucht nicht sein Pathos im Thema, sondern im Bilde selbst: Holbein zeigt uns den gewaschenen Leichnam, bevor er in ein Leinentuch gehüllt und ins Grab gelegt wurde. Ein Bild, das in seiner Nüchternheit zum Nachdenken über den Tod des Menschen einlädt. Von diesem Bild und seinem Maler schreibt in seinem Buch »Holbein der Jüngere und das Ende der altdeutschen Kunst« der Kunsthistoriker Wilhelm Pinder: »Holbein blickt dem Leben mit einer so neuen Klarheit entgegen, dass er auch den Tod auf neue klare Weise sieht. Es geschieht hier durchaus noch im Dienste der Verehrung. Wie er deutet, das ist kaum noch altdeutsch; aber dass er deutet, ist es immer noch.« Und an anderer Stelle: »Auch äußerlich führt Holbeins Weg aus Altdeutschland heraus in die europäische Weite hinein. Auch das gehört mit Notwendigkeit zu seiner geschichtlichen Rolle: Der letzte große Altdeutsche war der erste große Moderne.« Madonna im Rosenhag und die Heilige ElisabethHöhepunkte und Vielfalt spätmittelalterlicher Kunst an der Schwelle zur Neuzeit. Links: Martin Schongauer: »Madonna im Rosenhag« (Ausschnitt), ein Früh werk des Colmarer Meisters, voller Sensibilität, Zartheit, Menschlichkeit. Das für Ewigkeit und Paradies stehende Gold des Himmels kontrastiert mit der Lebendigkeit der Vögel und Rosen. Das Bild entstand 1473. Colmar, ursprünglich St. Martin. Rechts: Hans Holbein d. Ä.: »Die Heilige Elisabeth mit Bettlern« (Ausschnitt) vom Sebastians-Altar, München 1516 – Zusammenklang spätgotisch-klassischer Gesinnung und der Formensprache italienischer Renaissance. München, Alte Pinakothek. Kunst der Renaissance
Begriff: Der aus dem Französischen abgeleitete Begriff meint ebenso wie das italienische »Rinascimento«: Wiedergeburt aus dem Geist der Antike, Wiedergeburt antiker Tradition. Der italienische Originalbegriff »rinascita«, wie ihn Vasari verwendete, bedeutete aber wohl noch mehr: Wiedergeburt der Kunst schlechthin.
Epoche: Die Renaissance entfaltete sich in Italien seit dem frühen 15. Jahrhundert (Hochrenaissance 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts etwa bis 1530, danach Spätrenaissance bzw. Manierismus). Wahrscheinlich haben Flüchtlinge aus Griechenland (1453 eroberten die Türken Konstantinopel) zusätzlich Impulse aus der griechischen Antike vermittelt (wie ja auch für den Humanismus). Deutschland erreichte die Renaissance in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Architektur: In der Architektur knüpfte Italien an die ungebrochene, noch in spätromanischen Bauten sich spiegelnde Tradition römischer Baukunst an. Horizontalbetonung der Baukörper, Bogen und Arkaden, Säulen und Pilaster, strenge, klare Grundrisse, Weite der gewölbeüberspannten Räume und übersichtliche Flächengliederung charakterisieren die ausgewogenen Bauten. Weiterentwicklung sind die beeindruckenden Zentralbauten der Kirchen, die überwältigenden Kuppelkonstruktionen.
In Deutschland behauptet sich die Gotik selbst unter Renaissanceattributen weiterhin. Die Horizontallinie kämpft mit der Vertikalen der Giebel, die Weite des Raumes mit der Enge der Bürgerhäuser und Burgen. Erst allmählich wird die wuchernde Einzelform durch große Entwürfe verdrängt, vorwiegend bei Schlossbauten, z. B. beim Heidelberger Schloss, beim Aschaffenburger Schloss, in Arkadenhöfen wie in der Kulmbacher Feste. Auch Rathäuser (Paderborn, Bremen u. a.) ziehen sich ein Renaissance-Gewand an, stehen aber doch in mittelalterlicher Tradition, »giebelig« – schön, aber eng. Erst der so ausgewogene, klar gegliederte, schon frühbarocke Augsburger Rathausbau von Elias Holl zeigt ›italienisches‹ Format, ebenso wie die Jesuitenkirche St. Michael in München mit ihren mächtigen Tonnengewölben über weitem Grundriss.
Plastik: Seit Donatello löst sich die Plastik in Italien aus Bindung an Architektur und Altar. Der Mensch in seiner eigenen lebendigen Körperlichkeit, der Mensch als selbstständiges, eigenständig handelndes Wesen – dies ist einer der großen, die Renaissance kennzeichnenden Programmpunkte. Bis hin zu Michelangelo entstehen nun die so eindringlichen Statuen des nackten Menschen, die dramatischen Reiterbildnisse, die Bildnisbüsten, die Herrscherdarstellungen voller Autorität, die Propheten und allegorischen Figuren großartiger Grabmäler.
In Deutschland entwickelt sich die Plastik eigenständig aus der spätgotischen Kunst zu klassischer Blüte, nicht weniger beeindruckend in ihrer ›menschlichen‹ Substanz, aber doch meist noch zugeordnet der christlichen und bürgerlichen Weltsicht, entrückt oder derb einem alltäglichen Leben verbunden, wahrhaftig im Detail und großartig in der Idee, wie im Einzelnen nebenstehend geschildert.
Malerei: Giotto, Vasari, Leonardo da Vinci, Raffael, Tizian, Michelangelo – ihre Namen begleiten neben so vielen anderen den Weg der italienischen Renaissance – Namen, denen die von Dürer und Holbein gleichrangig in Deutschland gegenüberstehen. Auch in der Malerei tritt der Mensch in den Mittelpunkt, aber mehr noch: Die Perspektive wird neu entdeckt, immer und immer wieder durchprobiert, durchexperimentiert bis hin zu verblüffenden Verkürzungen, Überschneidungen. Die frei gestaltete, selbstständig gesehene Landschaft hält ihren Einzug in die Malerei, das Porträt feiert in Italien und Deutschland gleichermaßen Triumphe. Daneben finden Themen antiker Mythologie, Themen neuer Bildung, ihre Liebhaber. Neue Farbtechniken in der Ölmalerei und in der Gestaltung der so großartigen Fresken, auch sie schenkt uns die Renaissance. Von den erfindungsreichen Zeichnungen eines Leonardo da Vinci, den Grafiken Dürers, von architektonischen, anatomischen, kriegstechnischen, konstruktiven, symbolträchtigen Gedankenskizzen in ihrer Vielfalt ganz zu schweigen. In dieser Epoche beginnt man auch, sich verstärkt für die sogenannten toten Dinge – Werkstücke, Pflanzen, Früchte etc. – zu interessieren und sie eigenständig darzustellen: Der Weg zum Stillleben ist beschritten.
Kunst-Handwerk: Neben der Vervollkommnung des Holz- und Kupferstichs beeindruckt die bunte Vielfalt liebenswürdiger kunsthandwerklicher Erzeugnisse, seien es Ornamente, Schmuckformen, Glas- und Fayencearbeiten, Möbel, Brunnengestaltungen, schmiedeeiserne Gitter. Die Zeit quillt über von Ideen, Produktivität und schöpferischer Kraft.

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Info 18.01.2018 05:06
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