Die Erneuerung der katholischen Kirche

Die Reformation war die vielleicht schwerste Herausforderung der katholischen Kirche im Verlaufe ihrer zweitausendjährigen Geschichte – erstaunlicherweise hatte die Kirche den tödlichen Ernst dieser Bedrohung lange Zeit nicht erkannt. Dabei waren die Alarmzeichen, die auf die kommende Bewegung hinwiesen, seit Jahrzehnten nicht zu übersehen – schon gar nicht, als sie einen ersten eklatanten Höhepunkt erreichten; in Wittenberg hatte Luther die römische Bulle, die ihm den Bann androhte, öffentlich verbrannt – wann war der Papst je so provoziert worden? Aus Leipzig und Erfurt wurden Studentenkrawalle gemeldet. Auf einem Exemplar der päpstlichen Verurteilungsschrift, das an der Tür einer Schweinfurter Kirche angeschlagen war, finden wir den resignierenden Vermerk des Pfarrers: »Niemand hat davon Notiz genommen.« Rom hatte gesprochen – aber diesmal war die Sache keineswegs entschieden! Reformation und GegenreformationReformation und Gegenreformation – Zeit der Diskussionen. »Religionsgespräch von 1601 im Reichsaal zu Regensburg«. Regensburg, Museum der Stadt. Alarmmeldungen und Sorglosigkeit
Die Waffe des Ketzer-Prozesses, mit der die Kirche durch das ganze Mittelalter hindurch so erfolgreich gegen religiöse ›Abweichler‹ operiert hatte, war offenkundig stumpf geworden: Der Heilige Stuhl hatte Luther und seine Anhänger unterschätzt – an der Kurie ließ man sich durch die Bewegungen in Deutschland nicht beunruhigen. Dabei wurden die Depeschen, die der päpstliche Gesandte Alexander vom Schauplatz der Ereignisse nach Rom übermittelte, immer alarmierender: »Fast der ganze Klerus außer den Pfarrern ist von der Ketzerei über die Maßen angesteckt [...], man zügle die unersättlichen Inhaber zahlloser Pfründen, denn das deutsche Volk wirft diese Dinge in einen Topf mit der Sache Luthers [...], nun ist der ganze Norden in Aufruhr [...], das ist nicht mehr das katholische Deutschland von ehemals.« – Der Papst aber wies seinen Nuntius an, »sich nicht einer jeden Kleinigkeit« anzunehmen! Inmitten solch fataler Arglosigkeit fanden sich in Rom auch Hellsichtige: Hadrian VI., mit dem 1522 zum letzten Mal ein Deutscher zum Papst gewählt worden war, erfasste scharf die tieferen Ursachen der kirchlichen Krisen. Die eigenhändig niedergeschriebenen Instruktionen für seinen Legaten zum Nürnberger Reichstag signalisieren Schuldbekenntnis und zugleich entschlossenen Reformwillen: »Wir wissen wohl, dass auch bei diesem Heiligen Stuhle schon seit manchem Jahr viel Verabscheuungswürdiges vorgekommen: Missbräuche in geistlichen Sachen, Übertretungen der Gebote, ja, dass sich alles zum Ärgern verkehrt hat. So ist es nicht zu verwundern, dass die Krankheit sich vom Haupt auf die Glieder, von den Päpsten auf die Prälaten verpflanzt hat. [...] Deshalb sollst du in unsrem Namen versprechen, dass wir allen Fleiß anwenden wollen, damit zuerst der römische Hof, von welchem vielleicht all diese Übel ihren Anfang genommen, gebessert werde; dann wird, wie von hier die Krankheit ausgegangen ist, auch von hier die Gesundung beginnen.« Erfolg indes blieb der guten Absicht versagt: Am römischen Hof wurde Hadrian als »germanischer Barbar« diskriminiert; als der Papst schon 20 Monate nach seiner Wahl starb, schien eine letzte Chance für die alte Kirche vertan. Rechthaberei und Verzagtheit statt Reformen
Die »hautnahe« Auseinandersetzung mit der Reformation blieb nun einigen wenigen katholischen Theologen in Deutschland überlassen. In oft spitzfindigen lateinischen Traktaten zogen die Eck, Cochläus, Emser die Grenzlinien zu Luthers Lehre; ihre Rechthaberei, gelegentlich ihre geistliche Arroganz waren der Sache der römischen Kirche jedoch zumeist kaum förderlich. Die deutschen Bischöfe haben sich an der Abwehr gegen die Protestanten nur zögernd beteiligt: vereinzelte Reformen kamen erst auf massiven Druck ihrer katholischen Landesherren zustande. Auf dem Augsburger Reichstag von 1555 vertrat nunmehr ein einziger Bischof – Kardinal Truchsess von Augsburg – entschieden den katholischen Standpunkt! In der römischen Kirche breiteten sich angesichts des offenkundig unaufhaltsamen Vorrückens der Lutheraner allmählich Verzagtheit und schließlich ohnmächtige Lähmung aus. Um die Mitte des Jahrhunderts hatten einzelne Kardinäle Deutschland bereits abgeschrieben; sie konzentrierten sich darauf, wenigstens die katholische Stellung in den romanischen Ländern zu halten. Waffengewalt, die nicht weiterhilft
Nichts entlarvt mehr die Hilflosigkeit der Kurie als ihr Versuch, der protestantischen Bewegung mit Gewalt Herr zu werden. Als der Kaiser 1545 gegen den Schmalkaldischen Bund der Evangelischen rüstete, steuerte der Papst 200000 Dukaten und ein militärisches Kontingent von 12000 Fußsoldaten sowie 500 Reiter bei; die spanische Kirche, die dem Kaiser bereits 1521 empfohlen hatte, das »kriegerische und christliche Deutschland« zu den Waffen zu rufen, zahlte gar 1 Million in die Kriegskasse! Mit Waffengewalt indes war der bedrängten Kirche nicht zu helfen – sie selbst war ja der »Stein des Anstoßes«: sie selbst bedurfte dringend der inneren Erneuerung. Frühe Mahner und erste Reformbestrebungen
Ernsthafte Bestrebungen, die verweltlichte Kirche zu reformieren, hatte es lange schon vor Luther gegeben. In Florenz musste Savonarola seine Bußpredigt noch mit dem Feuertod bezahlen. Nikolaus von Kues bemühte sich, die verrotteten kirchlichen Verhältnisse in Deutschland in Ordnung zu bringen – und er fand Gehör und Nachahmer. Noch am Vorabend der Reformation ist der Augsburger Bischof Christoph von Stadion scharf gegen die Missstände in seiner Diözese zu Felde gezogen: »Das Herz bricht mir, und ich kann mich der Tränen nicht enthalten, wenn ich so viele sehen muss, die ganz leer und sinnlich dahinleben, denen die Einsamkeit zum Ekel, Frömmigkeit aber, Gehorsam und Demut hassenswert geworden sind, wie sie denn auch den Umgang mit Weibspersonen, den Wucher, den Handel, den Gewinst lieben: wahrhaftig Menschen, welche Petrus nicht Diener Gottes, sondern Hunde nennt.« – Die Selbstreinigungskraft der alten Kirche in Deutschland hatte sich freilich erschöpft – in Italien dagegen und in Spanien ist sie lebendig geblieben. Noch während der berüchtigte und verweltlichte Alexander VI. Borgia als Papst sein Unwesen trieb, entstanden hier in vielen Städten fromme karitative Bruderschaften. Im »Oratorium der göttlichen Liebe« etwa kamen aktive Christen zum Gebet zusammen, sie sorgten sich um die verwahrloste Jugend und betreuten die Unheilbaren. 1524 wurde von Mitgliedern dieser Bewegung der strenge Theatinerorden gegründet. Franziskanermönche kehrten zum Ideal der radikalen Armut des Franz von Assisi zurück; als Bußprediger erregten sie mit ihren wallenden Bärten und spitzen Kapuzen weithin Aufsehen: die »Kapuziner« wurden die sprichwörtlichen Volksseelsorger der Neuzeit. In Brescia nahm sich ein Kreis um Angela Merici der christlichen Mädchenerziehung an: der Schulorden der Ursulinen hat hier seinen Ursprung. In diesen Gemeinschaften wirkten Laien und Geistliche zusammen, persönliche Frömmigkeit bewies sich in tätiger Nächstenliebe, offen wurde Kritik geübt an der weltlichen Macht des Papstes: Die Bewegung in Italien und Luthers Bewegung in Deutschland hatten vieles gemeinsam – tatsächlich bestanden auch »unterirdische« Verbindungen! Gleichwohl waren tiefgreifende Unterschiede nicht zu übersehen: stand bei den Italienern die christliche Caritas im Mittelpunkt, so war für Luther die Verkündigung von Gottes Wort, das Wesentliche-Fürsorge sollte, Sache des Staates sein; ging es den katholischen Reformern vor allem um die Beseitigung kirchlicher Missstände, so rührte der deutsche Protestant letztlich auch an die Autorität des Papstes und traditionelle Lehre der Kirche. Dieses sein Verständnis von »Reformation« hat Luther schließlich aus der alten Kirche hinausgeführt. Die »Reform des Hauptes«
Innerhalb dieser Kirche blieben allerdings die Reformgruppen lange Zeit nur eine aktive Minderheit. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung in Rom, aber wohl auch aus eigener unabweisbarer Einsicht berief schließlich 1536 Paul III. – in seiner persönlichen Lebensführung noch ein vollendeter Renaissancepapst! – die führenden Köpfe der Bewegung zu Kardinälen: glaubenseifrige Bischöfe, auch einen Laien, den hochgebildeten venezianischen Staatsmann Contarini. Es entstand so »der würdigste Senat der Kirche seit Jahrhunderten«, das Programm der Reformer wurde jetzt offizielle Politik des Heiligen Stuhles! Sogleich machte sich eine Kommission an die »Reinigung der Kirche«: gegen erbitterten Widerstand der päpstlichen Bürokratie und der Hofschranzen wurden die ärgsten Übel an der Kurie beseitigt. Die längst überfällige »Reform des Hauptes« hatte begonnen – die »Reform der Glieder« musste Sache eines Konzils sein: Die neuen Kardinäle wussten schließlich Papst Paul III. von seiner Notwendigkeit zu überzeugen. Der Ruf nach dem Konzil
Auf ein Konzil setzten viele ihre letzte Hoffnung! 1518 schon hatte Luther an ein Allgemeines Konzil appelliert; Nuntius Alexander berichtete 1521 vom Wormser Reichstag: »Alles schreit: Konzil, Konzil«; unablässig drängte der Kaiser. Ein »gemein, frei, christlich Konzil in deutschen Landen« war zur stehenden Forderung der deutschen Reichsstände geworden: es sollte Schiedsgericht sein zwischen den Parteien – die Protestanten als Ankläger, der Papst auf der Anklagebank. Solches Risiko mussten die auf ihre Macht bedachten Renaissancepäpste freilich scheuen: mit diplomatischem Geschick verstanden sie es, alle Appellationen abzubiegen. Als das Konzil endlich am 13. Dezember 1545 zustande kam, bot sich der abendländischen Christenheit bei der Eröffnung ein klägliches Bild: Nur 29 Bischöfe hatten sich eingefunden, aus Deutschland war lediglich der Weihbischof von Mainz gekommen, ganze Länder waren überhaupt nicht vertreten. Klar formulierte der päpstliche Gesandte den Auftrag des Konzils: »[...] um die Ketzerei auszurotten, um die Kirchendisziplin wiederherzustellen und um den Frieden zu erlangen.« Wenn ein anderer Bischof betete, dass »das Konzil die Wiedervereinigung Deutschlands mit der römischen Kirche ins Werk setzen« möge, so wird aus solcher Akzentverschiebung die geistige Spannweite der Kirchenversammlung deutlich! Das Tridentinum – Konzil mit Schwierigkeiten und Erfolgen
Niemand konnte bei dieser Eröffnungsfeier ahnen, dass das Tridentinum (lat. Name von Trient), wie das Konzil auch genannt wird, erst 16 Jahre später beendet würde. Im Trienter Konzil mit seinen vielfältigen Krisen spiegelten sich die Krisen der Kirche, die mannigfachen Verwicklungen wurden zum Abbild einer politisch und religiös verworrenen Zeit. Schon von Anfang an lagen Papst und Kaiser in Fehde: man stritt über Tagungsort und Vorrang, man stritt über Reform und Dogma; zweimal wurden die Konzilsväter auseinandergetrieben, aus Angst vor dem Fleckfieber oder vor dem Heer der Protestanten; vier Päpste sind darüber gestorben; einer von ihnen war des »Abenteuers« überdrüssig geworden – so blieb das Konzil für zehn Jahre unterbrochen. Die deutschen Protestanten haben am Tridentinum nicht teilgenommen: sie weigerten sich, eine Kirchenversammlung zu beschicken, die von den Vertretern des Papstes geleitet wurde. Als der Kaiser sie schließlich zwang, nach Trient zu kommen, blieben sie den Sitzungen fern – sie mussten sich von den kaiserlichen Zusagen getäuscht fühlen; eine weitere Einladung lehnten sie brüsk ab. In Trient hat die alte Kirche so ihre Antwort auf die Reformation alleine formuliert. In leidenschaftlichen Diskussionen grenzten die berühmten Theologen der Zeit die katholischen Glaubensvorstellungen scharf gegen Luthers Lehre ab: Nicht allein die Heilige Schrift, wie die Evangelischen betonten, auch die kirchliche Überlieferung sollte Glaubensquelle sein; nicht allein der Glaube, wie Luther verkündete, auch die guten Werke rechtfertigten den Menschen; dem »allgemeinen« Priestertum Luthers wurde das besondere Weihe-Priestertum entgegengestellt; verteidigt wurden die alten Sakramente und der Glaube an die reale Gegenwart Christi in der Messe. Offen hingegen blieb die Frage nach dem Verhältnis von Papst und Konzil: erst auf der nächsten Kirchenversammlung – 300 Jahre später! – sollte darauf eine Antwort gefunden werden. »Reform an den Gliedern«
Für die Verkündigung dieses Glaubens musste die Kirche jedoch auch ihre innere Glaubwürdigkeit zurückgewinnen: Reform musste die theologische Klärung notwendig ergänzen. Nur durch radikale Eingriffe in die Praxis des kirchlichen Lebens konnte man der Ärgernisse Herr werden: Strikt wurde die weitverbreitete Häufung kirchlicher Stellen in einer Hand und der Kauf geistlicher Ämter untersagt – der verhängnisvollen Pfründenjägerei war damit der Boden entzogen. Die Bischöfe wurden bei Strafe verpflichtet, ständig in ihren Diözesen zu residieren; durch regelmäßige »Visitationen« sollten sie für geordnete Verhältnisse in ihren Sprengein sorgen. Um die erschreckende theologische Unbildung der gemeinen Geistlichen abzustellen, mussten in allen Bistümern Priesterseminare eingerichtet werden. Die Geistlichen wurden angehalten, ihre Gläubigen in der rechten christlichen Lehre zu unterweisen und sich eines ehrbaren Lebenswandels zu befleißigen. Neue Geschlossenheit und ein zukunftweisendes Programm
Als am 4. Dezember 1563 das Konzil von Trient feierlich geschlossen wurde, zeigte die Heerschar der geistlichen Würdenträger, dass die Kirche ihr Selbstbewusstsein wiedergefunden hatte: In der Tat wurde das Tridentinum zum entscheidenden Wendepunkt für die katholische Kirche! Das große Ziel, die Wiederherstellung der Glaubenseinheit, war zwar nicht erreicht worden, die scharfe theologische Abgrenzung mag die Glaubensspaltung eher noch vertieft haben – in Trient wurden aber die Fundamente gelegt, die die Kirche in den folgenden Jahrhunderten trugen; hier hat sie zu ihrer geistlichen Geschlossenheit zurückgefunden, die durch die Reformation so schwer erschüttert worden war; der Papst hat seine Autorität wiedererlangt, die er im späten Mittelalter leichtfertig verspielt hatte. Die meisten Beschlüsse dieses Konzils sind noch immer in Kraft, erst in unseren Tagen ist das II. Vatikanische Konzil über das Tridentinum hinausgegangen! Die Beschlüsse von Trient waren indes nur ein Programm, die eigentliche Erneuerung der Kirche musste erst noch in Gang gesetzt werden. Nicht bei allen Betroffenen freilich hat die Reform Zustimmung gefunden. Geistliche der Diözese Konstanz beklagten sich 1579 in einer Beschwerdeschrift an die weltliche Obrigkeit, dass man sie zu des »Konzils Satzungen drängen« wolle; ihre Probleme sind menschlich nur zu verständlich: »[...] wenn wir keine Weiber in unseren Häusern haben können, die uns kochen, wo sollen wir dann essen?« Auf den reformeifrigen Mailänder Erzbischof verübten Angehörige eines heruntergekommenen Ordens ein Attentat. Der päpstliche Abgesandte, der die Konzilsdokumente nach Deutschland bringen sollte, wurde von »interessierten Kreisen« abgefangen und beraubt! Bei der Verwirklichung der Beschlüsse konnte der Heilige Stuhl jetzt seine neugewonnene Autorität bewähren und musste zugleich mit gutem Beispiel vorangehen. Durch drastische Maßnahmen wurde der römische Hofstaat von seinen Missständen gereinigt: mit einem Schlag wurden 400 Höflinge entlassen! Um die Einhaltung der tridentinischen Bestimmungen nachdrücklicher überwachen zu lassen, auch um in die kirchlichen Verhältnisse direkt eingreifen zu können, richtete der Papst in den christlichen Ländern Gesandtschaften, sogenannte Nuntiaturen, ein; aus ihnen haben sich die heutigen diplomatischen Vertretungen des Vatikans entwickelt. Zur Unterrichtung der Geistlichen wurde die katholische Glaubenslehre im »Römischen Katechismus« zusammengefasst; die kultischen Handlungen in den Gottesdiensten erhielten im »Messbuch« ihre festen liturgischen Formen. Der »Index«, ein Verzeichnis verbotener Bücher, sollte die einfachen Christen vor glaubensfeindlichen Schriften bewahren; diese bis in die Gegenwart umstrittene Einrichtung wird eher verständlich, wenn man bedenkt, welch große Bedeutung der eben aufkommende Buchdruck für die Ausbreitung der Reformation gewonnen hat. Herausragende Päpste und vorbildliche Bischöfe
Es war glückliche Fügung, sicher auch Auswirkung des neuen Geistes, dass die Kirche in dieser entscheidenden Phase Päpste erhielt, die die Reformen zu ihren ureigensten Anliegen machten. Pius V. – das Volk nannte ihn wegen seiner einfachen Lebensführung »Bruder Holzschuh« – ordnete die religiösen Verhältnisse im Kirchenstaat. »Pius hat Rom in ein Kloster verwandelt«, spöttelte ein venezianischer Gesandter – tatsächlich wurden jetzt auch Vergehen gegen die kirchlichen Gesetze, Fluchen etwa oder Ehebruch, drakonisch bestraft. Eifer verstieg sich dabei zu religiösem Rigorismus: 1567 ließ man in Rom einen hohen Geistlichen wegen Irrglaubens hinrichten! Papst Gregor XIII. war mehr auf eine geistige Erneuerung der Kirche bedacht. Um den dringend benötigten Priesternachwuchs zu fördern, gründete er – besonders in kirchlich bedrohten Ländern wie Deutschland – eigene Bildungsstätten, Kollegien, von denen er sich »einen mächtigen Aufschwung der Religion« erhoffte. Die päpstliche Universität, die »Gregoriana«, trägt seinen Namen. Nicht weniger bedeutsam wurde Gregor durch seine heute noch maßgebende Kalenderreform: er ließ Sonnenzeit und Kalenderzeit wieder in Übereinstimmung bringen. 200 Jahre haben sich übrigens die protestantischen Länder gegen den Gregorianischen Kalender gesträubt – sie fürchteten, der Papst wolle damit »den Fuß in ihre Kirche setzen«. Als der reformerische Schwung der Kurie dann allmählich nachließ, waren die neuen Impulse schon wirksam geworden: vorbildliche Bischöfe und Priester führten die innere Erneuerung der Kirche weiter, die Reform trug erste Früchte. Der Bischof von Mailand, Carl Borromäus, überzeugte durch Seeleneifer und Bescheidenheit. Unter großen Strapazen besuchte er immer wieder auch die entlegensten Bergdörfer seiner Diözese, in der Bischofsstadt pflegte er die Pestkranken; seine persönlichen Ansprüche – immerhin war er Spross des Hochadels und protegierter Neffe eines Papstes! – waren nicht größer als die »eines Haushundes: Brot, Wasser und eine Strohschütte«. In ähnlicher Weise wirkte der hochgebildete Franz von Sales als Bischof von Genf inmitten einer calvinistischen Umgebung für die Anliegen der Reform. Philipp Neri führte die römische Bevölkerung wieder zum Glauben zurück – nicht zuletzt dank seiner kindlich-gläubigen Fröhlichkeit; die Römer verehren ihn heute als ihren »Apostel«. Der »Vater der Armen«, Vinzenz von Paul, verwirklichte die Ziele der Reform in Paris; seine »Barmherzigen Schwestern«, die Vinzentinerinnen, wurden zum größten Orden der Welt im Dienste der Krankenpflege. Die Reihe ließe sich weiterführen – bemerkenswerterweise sind im deutschen Raum kaum solche Gestalten zu finden! Man hat die Zeit treffend »Jahrhundert der Heiligen« genannt: wirksamer als gelehrte Unterweisung oder gar geistlicher Zwang hat die »Predigt des Beispiels« die religiös abständig gewordenen Volksmassen wieder für die Kirche zurückgewonnen. Ignatius von Loyola
Zu den eigentlichen »Vollstreckern« des Geistes von Trient wurden Ignatius von Loyola und sein Jesuitenorden. Wenn sich die deutsche Reformation in der Person Martin Luthers kristallisiert, so verkörpert sich die Erneuerung der katholischen Kirche in der faszinierenden Persönlichkeit des Ignatius. Inigo Lopez de Loyola, 1491 geboren, stammte aus altem baskischen Adelsgeschlecht. Der junge Edelmann strebte nach Kriegsruhm und stürzte sich in Liebesabenteuer: »Bis zu seinem 26. Jahr«, gesteht er in seinen Selbstbekenntnissen, »war Ignatius den Eitelkeiten dieser Welt ergeben; namentlich hatte er Freude am Waffenhandwerk.« Bei der Belagerung der Festung Pamplona in Nordspanien wurde dem Hauptmann Loyola von einer Kanonenkugel das Bein zerschmettert. Auf dem langen und schmerzhaften Krankenlager vollzog sich in Ignatius ein grundlegender Sinneswandel: Angeregt durch die Lektüre des »Lebens Jesu« und frommer Legenden – andere Bücher fanden sich nicht in der väterlichen Burg -, beschloss er, fortan wie die Heiligen »höheren« Ruhm zu suchen. Im spanischen Nationalheiligtum auf dem Montserrat bei Barcelona weihte er sich als »Knappe« dem Dienst der »wunderbaren Madonna«. Nach einem Jahr quälender Selbstzweifel und Gewissenskämpfe – er lebte unter strengsten Bußübungen in einer Höhle bei Manresa – rang er sich schließlich in systematischer Selbstprüfung zu innerer Klarheit durch und fand zu religiöser Gelassenheit. Die Erfahrungen von Manresa hat Ignatius in seinem »Exerzitienbüchlein« festgehalten. Die »Geistlichen Übungen« wurden zum eigentlichen »Dienstreglement« seines Jesuitenordens; durch ihre tiefe Seelenkenntnis haben sie in der Kirche eine ähnliche Bedeutung gewonnen wie die Klosterregel Benedikts: Viele Menschen haben bis heute durch die »Exerzitien« geistliche Wegweisung erfahren und persönliche Hilfe gefunden. Ignatius von Loyola»Die Sendung des Jesuitenordens«. Vision Ignatius’ von Loyola: Christus und Gottvater verheissen ihm ihre Hilfe. Ölgemälde, etwa um 1610. Ingolstadt, Studienseminar Canisiuskonvikt. In Manresa hatte sich auch das Weltbild des Ignatius ausgeformt: Für ihn vollzieht sich in der Geschichte der Entscheidungskampf zwischen Christus und den Mächten des Bösen – alle Gläubigen sind aufgerufen, als »Soldaten Christi« bedingungslos an diesem Kampf für das Reich Gottes teilzunehmen. Solche »militärische« Vorstellung hat die spätere Ordensgründung nachhaltig geprägt. Die »Gesellschaft Jesu«
Als Ignatius 1523 bei einer Bußwallfahrt nach Jerusalem den Kampf gegen die ungläubigen Mohammedaner aufnehmen wollte, wurde er zu seiner Enttäuschung zurückgeschickt: er verfügte über keinerlei geistliche Legitimation. Als Erwachsener holte er jetzt die schulische Grundausbildung nach, im Alter von 38 Jahren nahm er dann in Paris das Studium der Theologie auf. Hier versammelte Ignatius einen Kreis von sechs Gleichgesinnten um sich. 1534 schlossen sich die jungen Theologen in der Kapelle auf dem Montmartre zur »Gesellschaft Jesu« (lat. Societas Jesu – S. J.) zusammen und gelobten, nach Beendigung ihrer Studien im Heiligen Land zu wirken. Als sich diese Pläne zerschlugen, stellte sich die Gruppe dem Papst zur Verfügung. Schon 1540 wurden die »Jesuiten« als Orden anerkannt. Immer beargwöhnt, innerhalb und außerhalb der Kirche angefeindet und verfolgt, aufgehoben und wieder zugelassen, hat der Jesuitenorden bei seinen vielfältigen »Einsätzen« eine außergewöhnliche Wirksamkeit entfaltet. Von den alten Orden unterschied sich die »Gesellschaft Jesu« grundlegend: sie kannte kein Chorgebet und lehnte das »Bettelprinzip« ab; ihre Mitglieder lebten nicht mehr in Klöstern und trugen kein Mönchsgewand. Solche Eigenart gab dem Orden Beweglichkeit und öffnete ihn zur Welt hin. In einem besonderen Gelübde versprachen die Jesuiten dem Papst Gehorsam, »wohin immer er sie schicken wolle« – die Annahme kirchlicher Würden aber war ihnen strikt untersagt. Unbedingten Gehorsam schuldeten die Mitglieder auch ihrem auf Lebenszeit gewählten »General«, der die Gemeinschaft mit straffer Disziplin leitete. Aus der Bedingungslosigkeit des sprichwörtlichen »Jesuiten-Gehorsams« bezog der Orden seine »Schlagkraft« – in einem Brief an die portugiesischen Genossen betonte Ignatius, dass man »im reinen und vollkommenen Gehorsam, der wahrhaften Verzicht auf unseren Eigenwillen und Verleugnung unseres eigenen Urteils« einschließe, die »echten Söhne« der Gesellschaft erkenne. Durch intensive theologische Ausbildung, durch charakterliche Formung der jungen Kleriker in den »Exerzitien« und durch strenge Auslese – innerhalb weniger Jahre hatte Ignatius 400 Bewerber wieder entlassen! – wurde im Jesuitenorden eine geistliche und geistige Elite herangezogen. Der Attraktivität der Gemeinschaft war das förderlich: 1556, im Todesjahr des Gründers, zählte der Orden schon 1000 Mitglieder, kaum 70 Jahre später hatte sich die Zahl vervierfacht. Die ›Verfügungstruppe‹ des Papstes in Deutschland
Der Papst übertrug seiner ›Verfügungstruppe‹ als besonderen Auftrag die Ausbreitung des Glaubens – in dieser Zeit war das gleichbedeutend mit dem Kampf gegen die Reformation: die Jesuiten haben hier ihr erstes großes Betätigungsfeld gefunden. Die führenden Theologen des Ordens hatten schon an den Beschlüssen von Trient mitgewirkt, andere beteiligten sich – nicht selten als unwillkommene Mahner -maßgeblich an der Reform der Kurie; jetzt galt es, durch Seelsorge und Unterricht Zweifelnde in der Kirche zu halten und die Abtrünnigen zurückzugewinnen. Diese Aufgabe musste in Deutschland begonnen werden: Sieben Zehntel der Bevölkerung, so schätzte ein venezianischer Gesandter, hatten sich von der alten Kirche abgewandt; der Norden war fast ganz in protestantischer Hand. 1540 schickte Ignatius seinen Freund Peter Faber nach Deutschland, andere Patres folgten. Konnten sich die spanischen und italienischen Jesuiten anfangs vorwiegend nur mit den Gebildeten verständigen, so erregte ihre karitative Tätigkeit in den Spitälern und Gefängnissen auch beim Volk Aufsehen; es imponierte, dass sie sich jener gehässigen Polemik enthielten, die damals den konfessionellen »Grabenkrieg« bestimmte. »Die Deutschen sind im allgemeinen einfach und ehrlich, nicht verstockt und bösartig«, lobte auf der anderen Seite einer der »Missionare«, »sie nehmen auf, was man sie lehrt.« Um die dringend benötigten einheimischen Priester heranbilden zu lassen, gründete Ignatius 1552 in Rom das Deutsche Kolleg – bis heute ist das »Germanicum« die Pflanzschule der deutschen Bischöfe geblieben! Ein führender Jesuit war damals der Überzeugung, »dass es mindestens ebensoviel bedeutet, wenn ein einziger Deutscher sich unserer Gemeinschaft anschließt, als wenn zwanzig Italiener oder Spanier in den Orden eintreten«. Petrus Canisius – Reformer und Lehrer
Zum Haupt und zum Herz der katholischen Erneuerung in Deutschland wurde seit 1549 der gebildete Niederländer Petrus Canisius: die Kirche verehrt ihn als den »zweiten Apostel Deutschlands«. Drastisch charakterisierte er den desolaten Zustand, in dem er die deutschen Katholiken vorfand: »Wir übertreffen die Juden an Wucher, die Türken an Völlerei und Trunksucht, die Heiden an Geiz und Schlechtigkeit, die Tiere an Unzucht und Ausschweifung. Unsere Kirchen sind nicht Bethäuser, sondern Schwätz-, Kauf- und Tanzhäuser.« Canisius verstand die dringend gebotene Reform und die Auseinandersetzung mit dem Protestantismus als seelsorgerliches Anliegen und geistigen Auftrag: »Es ist nötig, dass wir gute und beredte Priester, hervorragende Theologen, in Prosa und Vers erfahrene Beichtväter, beim Volk beliebte Priester und eifrige Mönche einsetzen.« Gleichsam nach strategischen Gesichtspunkten wurden in den Zentren all der Gebiete, in denen die konfessionelle Entscheidung noch nicht endgültig gefallen war – in Köln und Wien, in Ingolstadt und Prag -, Niederlassungen des Ordens angelegt. Zur Unterrichtung des Volkes verfasste Canisius seinen Katechismus: bis vor wenigen Jahren noch war dieses Buch Grundlage für die religiöse Unterweisung an den Schulen – mit weit über 500 Auflagen wurde der »Canisi« zu einem echten Volksbuch. Besonderes Interesse des Ordens galt den Universitäten als den »Stätten der geistigen Entscheidung«: Patres besetzten hier nicht nur die katholischen Lehrkanzeln, die von ihren alten Inhabern in den Wirren der Reformation im Stich gelassen worden waren; neue Universitäten und Akademien, in Dillingen etwa oder in Würzburg und Graz, wurden gegründet – das Hochschulwesen in Deutschland geriet zunehmend »in die Gewalt der Jesuiten«. In den »Kollegien« sollte die Jugend für den Glauben gewonnen werden: die »Jesuitenschulen« wurden zu Vorläufern unseres Gymnasiums, ihre Pädagogik war für die Zeit revolutionär: neben der Wissenschaft hatte das musische Spiel seinen Platz; Prügelstrafe war streng verpönt – hier wurden allerdings auch die Zeugnisse »erfunden«! Da die Jesuiten kein Schulgeld erhoben, war der Zulauf aus allen Schichten ungeheuer – sogar von protestantischer Seite. 1579 beklagte sich der Rektor von Köln, dass sein Kolleg »nur« 970 Schüler zähle! Die ›Gegenreformation‹ mit politischen Mitteln
Letztlich konnten aber auch die Jesuiten aus eigener Kraft den verlorenen katholischen Boden nicht zurückerobern. Seit durch den Augsburger Religionsfrieden die Landesherren in Deutschland auch Herren über die Konfession ihrer Untertanen geworden waren, bedurfte man dazu ihrer Unterstützung. In vielfacher Weise haben sich dabei Maßnahmen kirchlicher Reform und politische Aktionen miteinander verschränkt. Heute akzeptieren auch die katholischen Kirchenhistoriker für diese Vorgänge den lange umstrittenen Begriff »Gegenreformation«: Nachdem die alte Kirche sich innerlich regeneriert hatte, war sie fähig geworden, mithilfe des »weltlichen Armes« den »Gegenstoß« gegen den Protestantismus zu führen. Augsburger Dom 1610»Erneuerung an Haupt und Gliedern«:Session katholischer Geistlicher unter Vorsitz Bischof Heinrichs von Knöringen im Augsburger Dom, 1610. Flugblatt. Augsburg, Städtische Kunstsammlungen. Die Jesuiten verstanden es auch auf dem politischen Feld, sich »die Gunst und das Wohlwollen der hohen Herren« (Canisius) zu sichern und – als Prinzenerzieher oder als Beichtväter der Fürsten – ihre Vorstellungen gebührend ins Spiel zu bringen. »Sooft jedoch die Angelegenheiten das Gewissen berühren«, berichtet ein päpstlicher Nuntius über Kaiser Ferdinand, »geht Seine Majestät den Beichtvater an. [...] Der Kaiser legt großes Gewicht auf sein Urteil in politischen Fragen.« Zum Vorkämpfer der Gegenreformation in Deutschland wurde Baiern, als Albrecht V. 1559 die Jesuiten an seinen Hof nach München holte. Konsequent ging der Herzog jetzt gegen die Protestanten in seinem Territorium vor: der evangelisch gewordene Landadel musste sich unterwerfen; die reformatorischen Prediger wurden vertrieben; wer die katholische Konfession aufgab, hatte mit Ausweisung zu rechnen; um die protestantischen Bürger und Bauern zu gewinnen, bemühte sich Albrecht – allerdings vergeblich – beim Papst um das Zugeständnis von Laienkelch und Priesterehe für sein Land. Im Gegenzug wurde mit der gleichen Konsequenz der alte Glaube gefördert: die Jesuiten reformierten Kirchen und Schulen nach der Maßgabe des Konzils; die Obrigkeit verordnete den sonntäglichen Kirchenbesuch und überwachte ihn; die baierischen Beamten hatten ihren Eid fortan auch auf das Tridentinische Glaubensbekenntnis zu leisten. MuttergottIm Schutz der Muttergottes – Bekenntnis Baierns und Östereichs zum alten Glauben: Herzog Albrecht V. von Baiern und sein Haus, Mitteltafel des Hochaltars der Ingolstädter Frauenkirche, 1572 von Hans Mielich. Binnen zehn Jahren wurde in Baiern auf diese Weise die Glaubenseinheit wiederhergestellt – der gegenreformatorische Schwung konnte nun über die Landesgrenzen hinausgreifen: Als sich der Kölner Erzbischof 1582 anschickte, aus nur bedingt religiösen Motiven – die Familie seiner Geliebten drängte auf Heirat – zu den Protestanten überzuwechseln, haben die Baiern im »Kölner Krieg« das wichtige Erzbistum dem Katholizismus erhalten – und zugleich für ihr Haus Wittelsbach gewonnen. Im Gefolge dieser Politik wurden auch die Bischofsstühle von Münster, Paderborn, Osnabrück wieder katholisch. Wenn am Ende jedoch der Sohn des Baiernherzogs – als Bischof nicht eben »aus tridentinischem Holz geschnitzt« – fünf Bistümer in seiner Hand vereinte, so zeichnete sich für die Kirche wieder jene schicksalhafte Verstrickung ab, die man gerade so mühevoll überwunden hatte. Zum eigentlichen Anführer der Gegenreformation in den geistlichen Territorien wurde der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. So sehr er sich auf der einen Seite in landesväterlicher Fürsorge, durch reiche Stiftungen etwa, um das Wohl seiner treugläubigen Untertanen kümmerte, so unnachsichtig verfolgte er die Protestanten in seinem Bistum: in seiner Bischofsstadt musste sich jeder Bürger einer Glaubensprüfung unterziehen, »Unzuverlässige« wurden aus ihren Ämtern entfernt und zum Auswandern gezwungen – wenige Jahre nach seinem Amtsantritt war Würzburg, das er halb protestantisch übernommen hatte, wieder »reinkatholisch«! Mit Verspätung ging die Gegenreformation in Österreich zum Angriff über – sieht man von Tirol ab, so hatten in den Erblanden des Kaisers zwischenzeitlich 80 Prozent der Bevölkerung den neuen Glauben angenommen. Mit um so größerer Härte betrieb jetzt der »Generalreformator« Bischof Klesl die Rekatholisierung. Evangelische Gottesdienste in den Städten wurden untersagt, Widerstand der Bauern wurde stellenweise blutig niedergeworfen. Im Bistum Salzburg ließ der Bischof nach dem Bericht seines Sekretärs »Halsstörrige ins Eisen schlagen«, andere mussten als »Exulanten« ihre Heimat verlassen. Als die Gegenreformation im Dreißigjährigen Krieg zu Ende ging, war ihr Ergebnis für die alte Kirche doch beachtlich: der Siegeszug der Reformation war aufgehalten worden, Süddeutschland war im Wesentlichen katholisch geblieben, Ober- und Niederösterreich hatte man den Protestanten wieder entwinden können, in Norddeutschland begannen die Katholiken erneut Fuß zu fassen.