Heinrich I. – Königsheil und Herrscherglück

Die Kämpfe um die Anerkennung seit der Erhebung zum König dauerten zunächst an. Nachdem Schwaben und Baiern, wo König Arnulf, in Regensburg belagert, freiwillig die Tore geöffnet hatte, unter großen Zugeständnissen nur notdürftig zur Anerkennung gezwungen worden waren, musste Heinrich I. sich auf außenpolitischem Gebiet bewähren. Ein ständiger Zankapfel zwischen dem West- und Ostfrankenreich war Lothringen. Nach einem Freundschaftsvertrag mit dem König des Westfrankenreiches, Karl dem Einfältigen, verzichtete Heinrich I. gegen die Anerkennung seines Königtums auf Lothringen, nutzte aber 923 die Gefangennahme Karls in innenpolitischen Auseinandersetzungen aus und marschierte im »Zwischenreich« ein. Giselbert, der dortige Herzog, wurde durch eine List überrumpelt und zu Heinrich I. gebracht. Seine Anerkennung der königlichen Zentralgewalt scheint unter Druck zustande gekommen zu sein, doch 928 sah es ganz nach einer freiwilligen Unterwerfung Giselberts aus Liebe aus: Er heiratete nämlich Heinrichs Tochter Gerberga. Zwei Jahre zuvor war Heinrich I. ein entscheidender Schlag gegen die Ungarn gelungen, der zum Wendepunkt gegenüber diesem Volk werden sollte. Einer ihrer Führer war bei der Pfalz Werla an der Oker im nördlichen Harzvorland gefangen genommen und nur gegen einen neunjährigen Waffenstillstand, den die Ungarn auch einhielten, freigegeben worden. Das gewonnene Ansehen und die Zunahme der königlichen Macht nutzte Heinrich I. noch im November 926 auf einem Reichstag zu Worms. Auf sein Anraten hin wurde eine »Burgenordnung« beschlossen, die den Aufbau von Burgen für Versammlungen während der Friedenszeit und als »Auffanglager« im Kriege regelte und den Ungarn ihre ungehinderten Beutezüge erschweren sollte. Auch innenpolitisch schwamm Heinrich I. auf einer Erfolgswelle. Nach dem Tod des schwäbischen Herzogs Burchard 926 konnte er das Herzogtum seinem Vetter Hermann zuschlagen und von ihm neben der Anerkennung auch verbriefte Rechte über die dortige Geistlichkeit erlangen. Wenn nun häufiger Urkunden ausgestellt wurden, so hing das sicher mit der wachsenden Zustimmung für den König zusammen, der die Zentralgewalt langsam aber konsequent ausbauen konnte. Heinrich I. nutzte die Atempause im Ringen mit den Ungarn, um neben der Anlage von Burgen, die allerdings keine Städtegründungen darstellten, ein schlagkräftiges Heer aufzubauen. Die Soldaten, die mit Grundbesitz entlohnt wurden, waren beritten und trugen schwere Panzerhemden. Ihre taktische Schulung und aufeinander abgestimmte Manövrierfähigkeit machte sich schnell in den Kriegen an der Ostgrenze des Reiches bezahlt. In mehreren Kriegszügen wurden die stets für Unruhe sorgenden Eibslawen, die Heveller und Dalaminzier im heutigen Brandenburg besiegt, die Eibgrenze selbst wurde durch die Anlage der Burg Meißen gesichert. Züge gegen den Böhmenherzog Wenzel um 930, der ihm huldigen musste, und gegen die Dänen 934, die er zwang, das Gebiet zwischen Eider und Schlei für einen deutschen Grenzgau, eine »Mark«, abzutreten, sind aus den gleichen Bedürfnissen zu erklären, im Vorfeld des Reiches durch »Pufferstaaten« die Grenze zu sichern. Alle diese Grenzkriege waren zugleich Missionskriege zur Verbreitung des Christentums, das die ehemaligen Heiden mit der christlichen Reichsbevölkerung verklammerte und die politische Integration förderte. Als die Ungarn 933 wieder sengend und brennend in Thüringen einfielen, bewährte sich das in den Grenzkriegen geübte Heer und schlug die Ungarn bei Riade an der Unstrut so vernichtend, dass sie zu Lebzeiten Heinrichs I. nie mehr erschienen. Als zwei Jahre später der Dänenkönig Knut mehr gezwungen als freiwillig das Christentum angenommen und König Rudolf vom Westfrankenreich die Besitzansprüche Heinrichs I. auf Lothringen anerkannt hatte, stand Heinrich I. als siegreicher König im Zenit des Ruhmes, anerkannt und respektiert von allen. Ein Zug nach Rom sollte krönender Abschluss dieser Politik werden, zumal Heinrich I. im gleichen Jahr 935 von König Rudolf von Burgund die Heilige Lanze erworben hatte, mit großer Wahrscheinlichkeit ein Sinnbild und Unterpfand für den Anspruch auf Italien. Doch ein Schlaganfall Heinrichs I. in Bodfeld am Harz machte den Plan zunichte. 936 regelte der König auf einem Hoftag in Erfurt noch seine Nachfolge, die nicht sein ältester Sohn Thankmar antreten sollte, sondern der Sohn aus zweiter Ehe mit Mathilde, einer Urenkelin des alten Sachsenführers Widukind, der damals 24jährige Otto. Am 2. Juli 936 starb Heinrich I. in Memleben an der Unstrut, ungefähr 60 Jahre alt, und wurde »unter dem Jammer und den Tränen vieler Völker« in Quedlinburg bestattet, wie der Chronist berichtet. In der kurzen Zeit seiner Herrschaft hat Heinrich I. mit Tatkraft und erstaunlichem Durchsetzungsvermögen das Reich im Innern geeint, die Zentralgewalt gestärkt und die Grenzen gesichert. Alles hing von den Fähigkeiten des Nachfolgers ab, der dieses Fundament wieder auflösen oder als tragenden Grund eines mächtigen Neubaues benutzen konnte.

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Info 18.11.2017 13:08
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