Rivalitäten im Hause der Liudolfinger

Verlässliche Ratgeber hatte Otto I. in den Jahren 938-941 bitter nötig, denn die innenpolitischen Schwierigkeiten rissen nicht mehr ab, und die Gegner waren ausgerechnet die eigenen Brüder Thankmar und Heinrich. Konnte Otto I. beim Tode Arnulfs von Baiern 937 noch alle Bestrebungen der Söhne auf Sonderrechte unterdrücken und die Einsetzung von Arnulfs Bruder Berthold zum Herzog durchsetzen, machte ihm die Entwicklung in Sachsen schwer zu schaffen. Herzog Eberhard, durch Ottos I. Buße wenig getroffen, hatte neue Händel mit sächsischen Adeligen angefangen. Das gegenseitige Morden und Brennen nutzte Ottos Bruder Thankmar aus, der sich bei der Besetzung einer Grafschaft von Otto I. übergangen fühlte, verband sich mit Eberhard und gab dem Aufruhr eine neue Wendung. Zunächst scheute er nicht vor einem Akt höchster Barbarei zurück, nahm Heinrich, den eigenen Stiefbruder und Ottos jüngeren Bruder, als Geisel gefangen und schickte ihn zu Eberhard. Als Otto I. daraufhin mit starker Heeresmacht gegen Thankmar anmarschierte, öffnete man freiwillig die Tore der Burg, und Thankmar, der sich an den Altar der Kapelle geflüchtet hatte, wurde hinterrücks ermordet. Otto I. beklagte den Tod seines Bruders, die vier vornehmsten Gefolgsleute aber ließ er sofort aufhängen. Gegen Herzog Eberhard als den noch verbliebenen Alleinschuldigen richtete sich Ottos I. ganzer Zorn. Doch Ottos 18jähriger Bruder Heinrich enthob den in der Zwickmühle befindlichen Eberhard eigener Überlegungen, indem er ihn in einem Geheimbündnis dazu brachte, alle nur mögliche Unterstützung zum Gewinn der Königskrone zu gewähren. Die Führung der Verschwörung und die Verantwortung lagen also nun beim purpurgeborenen Heinrich, Ottos Bruder selbst, der von maßlosem Drang nach Herrschaft verlockt war. In Erzbischof Friedrich von Mainz, »der nur darin allein Tadel zu verdienen schien, dass, wenn irgendwo auch nur ein Feind des Königs sich erhob, er sich als zweiter sofort dazugesellte«, fanden beide einen treuen Verbündeten. – So berichtet der Chronist. Friedrich konnte allerdings nicht verhindern, dass Otto I. Herzog Eberhard nach Hildesheim in die Verbannung schickte. Den Bruder nahm der König mit »reinerer Treue und Liebe auf«, als dieser mitbrachte.