Die Schlacht auf dem Lechfeld

Die Ungarn hatten sich unterdessen vor Augsburg festgebissen, wo Bischof Ulrich persönlich die Verteidigung der nur unzureichend befestigten Stadt leitete. Als die Ungarn zum Sturm ansetzten, geschah ein Wunder. Der Angriff wurde plötzlich abgeblasen, und die Ungarn zogen sich unter dem Jubel der Augsburger zurück, die nicht wissen konnten, dass dem ungarischen Führer durch Verräter der Anmarsch und die Zielrichtung des Reichsheeres gemeldet worden waren. Als man Feindberührung hatte, legte Otto für den folgenden Tag, den 10. August 955, die Schlacht fest. Nach dem Gottesdienst und Empfang der Kommunion rückten die acht Heerhaufen der Deutschen, insgesamt 8000-10000 Panzerreiter, aus. Das erste gesamtdeutsche Aufgebot war bereit, angesichts der »Heiden« alle bisherigen Querelen zu vergessen. An der Spitze marschierten die Baiern mit drei Abteilungen, Herzog Konrad der Rote führte dann die Franken, in der fünften Abteilung ritt hinter der Fahne des heiligen Michael der König. Die sechste und siebte Schar bildeten die Schwaben, am Ende marschierten mit dem ganzen Tross die Böhmen. Ehe die Schlacht begann, schien sie schon entschieden. Die Ungarn hatten mit einem Teil ihrer Truppen das deutsche Heer umgangen und den Tross angegriffen. In der einsetzenden Panik behielt ein Mann eiserne Nerven, der vor Kurzem noch ein erbitterter Feind des Königs gewesen war, der »rote« Konrad. Tollkühn wirft er sich auf die Feinde, sein Beispiel reißt die andern mit, die siegessicheren Ungarn geraten in die Defensive, werden selber umzingelt und in die Flucht geschlagen. Doch das Gros des Ungarnheeres hält stand, die Bewährungsprobe wartet auf Otto I. Nach kurzer Ansprache ergreift er die Heilige Lanze und wendet als erster sein Pferd gegen die Magyaren. Ihre leichte Reiterei steht angesichts der Angriffswucht der herandonnernden schweren Panzerreiter, die das Beispiel des roten Konrad beflügelt hatte, auf verlorenem Posten. Rot von Blut soll sich der Lech gefärbt haben, denn Otto I. befahl ganz gegen bisherige Gewohnheit, die Feinde zu verfolgen und völlig zu vernichten. Ein entscheidender Sieg war gelungen, wenngleich sehr teuer erkauft. Neben einem großen Teil des Adels war der eigentliche Sieger gefallen, Herzog Konrad. In Worms fand er seine letzte Ruhestätte. Otto L, »glorreich durch den herrlichen Kampferfolg, wurde, ganz nach römischem Vorbild, von seinem Heer als Vater des Vaterlandes und Imperator (Kaiser) begrüßt«, berichtet Widukind von Corvey. Es war für alle offensichtlich, dass Gottes Huld Otto I. den Sieg verliehen und die Rechtmäßigkeit seiner Königswürde offenbar gemacht hatte. An seiner Herrschaftsberechtigung bestand kein Zweifel mehr, Otto hatte den Rücken frei und konnte endlich Politik nach eigenen Plänen machen. Die Ungarn, die durch ihre ständigen Raubzüge bislang eine ruhige Entwicklung des Reiches verhindert hatten, wurden sesshaft, nahmen das Christentum an und sollten genau 41 Jahre später sogar in verwandtschaftliche Beziehungen zum sächsischen Herrscherhaus treten, als ihr König Stephan die Schwester Kaiser Heinrichs IL., Gisela heiratete. Expansion nach Osten
Ein ähnlich hartnäckiger Gegner wie die Ungarn waren die Slawen in den Grenzgebieten östlich der Elbe-Saale-Linie. Sie leisteten der deutschen Herrschaft und Ostexpansion zähen Widerstand, und die wiederkehrenden Aufstände erlaubten höchstens, sie als zeitweilig besiegt, aber nicht als unterworfen zu bezeichnen. Diese slawischen Völker hatten den Ungarneinfall prompt zu erneuten Aufständen ausgenutzt. König Otto I. erschien nun persönlich und errang im Oktober 955 an der Recknitz im heutigen Mecklenburg einen vollständigen Sieg. Da die Eroberung zugleich Christianisierung in großangelegter Missionierung bedeutete, sicherte Otto I. die westslawischen Gebiete durch eine Kette neugegründeter Bistümer Stargard-Oldenburg (968), Havelberg (948), Brandenburg (948), Merseburg, Zeitz und Meißen (968), die er alle mit Ausnahme Oldenburgs seiner Lieblingsstiftung, dem neugegründeten Erzbistum Magdeburg (967/68), unterstellte, das als Missionszentrum für die Eibslawen gedacht war. Magdeburg wuchs nicht nur schnell zur blühenden Stadt heran, sondern beeinflusste jahrhundertelang die Entwicklungen östlich der Elbe entscheidend mit.

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Info 26.09.2017 - 21:59
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