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Kaiser Ottos II. letzte Schlacht

Tief im Süden beim heutigen Crotone kam es Juli 982 zur Schlacht, in der die deutschen Panzerreiter anfangs siegreich blieben, dann durch Sorglosigkeit in einem Hinterhalt völlig aufgerieben wurden. Otto II. entkam mit wenigen Begleitern ans Meer, bestieg ein vor Anker liegendes Schiff, das hocherfreut über die kostbare Ladung sofort Kurs auf Konstantinopel nahm. Otto II. wusste zunächst nicht, dass es unter byzantinischer Flagge lief. Mit einem Trick überredete dann der Kaiser den habgierigen Kapitän zu einer Zwischenlandung bei Rossano und entkam schwimmend mit seinen Leuten. In Deutschland herrschte Bestürzung, als das Ausmaß der Niederlage bekannt wurde. Die Blüte des Adels war tot, die Position Ottos II. durch sein Versagen schwer erschüttert. Ermutigt durch die lange Abwesenheit des Kaisers, erhoben sich die Slawen auf breiter Front, überrannten den größten Teil der gerade erst unterworfenen ostelbischen Gebiete, überschritten sogar die Elbe, bedrohten Magdeburg, zerstörten Havelberg und Brandenburg und plünderten Hamburg. Die Billungische Mark und die Nordmark gingen an sie verloren, ebenso Wagrien (in Südostholstein). Nur die Marken Meißen und Lausitz konnten sich halten. In Italien hingegen blieb es ruhig, weil dem Kaiser Verstärkung aus Deutschland zugeführt wurde. Von schweren Depressionen befallen, regelte Otto II. auf dem Reichstag von Verona 983 die Verhältnisse der Herzogtümer Schwaben, Baiern und Kärnten, ließ seinen dreijährigen Sohn Otto (III.) von den versammelten Fürsten zum Nachfolger wählen und das Weihnachtsfest als Krönungstermin festsetzen. Die Wahl des kleinen Otto fand erstmals auf italienischem Boden statt und spricht für die enge Verbindung Italiens mit dem Deutschen Reich – eine Konsequenz des römischen Reichsgedankens. Als Papst Benedikt VII. gestorben war, setzte Otto II. seinen Kandidaten, den Bischof Petrus von Pavia, als Johannes XIV. durch und traf die nötigen Vorbereitungen zu einem neuen Feldzug, um die Sarazenenschmach zu tilgen. Das Heer war schon auf dem Marsch, da erkrankte der Kaiser plötzlich in Rom, angeblich an Gift, wahrscheinlich aber an Malaria, die falsch behandelt wurde. Am 7. Dezember 983 ist der Kaiser gestorben. Er wurde im Petersdom bestattet, als einziger der Ottonen in fremder Erde – vielleicht ein Sinnbild der Entfremdung, die zwischen ihm und Deutschland eingetreten war. Sein Andenken blieb mit den Verlusten östlich der Elbe-Saale-Linie belastet. Die vormundschaftliche Regierung der beiden Kaiserinnen
In Deutschland hielt das vom Vater gelegte Fundament die Erschütterungen aus, die Ottos II. Tod verursachte. In Italien lag alles in der Schwebe. Ungeklärt blieben die Verhältnisse im Süden, dem von Otto II. eingesetzten Papst Johannes XIV. widerfuhr im Streit des stadtrömischen Adels das Schicksal aller kaiserfreundlichen Vorgänger, sobald die schützende Hand des Herrschers fehlte. Sein elender Hungertod in der Engelsburg beleuchtet grell, wie wenig stabilisierend das Papsttum im Grunde war und wie wenig Unterstützung ein deutscher König für seine Politik erwarten konnte. Als der erst drei Jahre alte Otto III. von den Erzbischöfen Johannes von Ravenna und Willigis von Mainz Weihnachten 983 in Aachen zum König gekrönt wurde, platzte in die freudig gestimmte Festversammlung ein Bote mit der Nachricht vom Tod seines Vaters, Kaiser Ottos II. Lähmendes Entsetzen machte sich breit, jeder der Anwesenden empfand die Leere und Unsicherheit, die desto größer ist, je mehr Sicherheit und Autorität der verstorbene Herrscher ausstrahlte. Unsicherheit ruft aber immer entschlossene Männer auf den Plan. Heinrich der Zänker war einer. Aus der Verbannung im lothringischen Utrecht entlassen, nahm er aufgrund der Verwandtschaft den jungen Otto III. in Empfang, um ihn als Vormund großzuziehen oder richtiger: »seiner Würde zu entkleiden«. Denn ähnlich wie zehn Jahre zuvor versuchte Heinrich, diesmal ohne Rebellion, unter dem Deckmantel der Vormundschaft die Krone zu erwerben. Die alten Bundesgenossen Boleslav von Böhmen und Mieszko von Polen huldigten ihm mit vielen deutschen Fürsten Ostern 984 in Quedlinburg noch, aber seine Rechnung ging nicht auf: Eine starke Opposition unter Führung des Willigis von Mainz fürchtete die Verwirklichung egoistischer Pläne Heinrichs und brachte ihn kurz darauf durch geschickte Diplomatie zum freiwilligen Verzicht und zur Anerkennung Ottos III. Vormundschaft und Regierung übernahmen nun zunächst die beiden Kaiserinnen gemeinsam, Großmutter Adelheid und Mutter Theophanu. Theophanu schuf mit dem Zänker einen Ausgleich, indem sie ihn in das 976 entzogene Herzogsamt von Baiern wiedereinsetzen ließ. Theophanu brachte auch in Italien die Herrschaft ihres Sohnes zur Geltung: 989 übte sie in Rom und Ravenna kaiserliche Rechte aus. Dass sich Theophanu mit den Partikulargewalten rasch arrangieren konnte, spricht für ihren geschickten Regierungsstil.

emu