Otto III. in Rom – Text der Zeit

Im Frühling des Jahres 996 zog König Otto nach Italien und feierte nach Osterbrauch die Auferstehung des Herrn zu Pavia, zuvor hatte er zwischen den Sachsen und Slawen Frieden geschlossen. Hierauf nahm er machtvoll das ganze italienische Reich in Besitz und zog in Rom ein, da fand er den Papst Johannes seligen Angedenkens tot. Der König gab frommen Herzens seine Zustimmung, dass an dessen Stelle sein Vetter Brun nachfolgte. Der war ein ausgezeichneter Mann, der nicht nur auf den einstimmigen Wunsch des Klerus, sondern auch aller römischen Bürger zum Papst gewählt wurde, die Römer nannten ihn statt Brun Gregor [V.]. Er wurde also auf den Apostolischen Stuhl erhoben und weihte am 21. Mai, dem Hochfest der Himmelfahrt Christi, den Herrn Otto, der bisher König hieß, unter dem Beifall des römischen und fast des gesamten Volkes von Europa zum Kaiser und Augustus. Als dann das italienische Reich wohlgeordnet war, kehrte Otto nach Franken zurück. In Rom empört sich noch im gleichen Jahr Crescentius, Oberhaupt einer kaiserfeindlichen Adelssippe. Er zwingt Papst Gregor V. zum Verlassen der Stadt und lässt den aus Kalabrien stammenden Johannes zum Gegenpapst (Johannes XVI.) weihen. Als der Herr Kaiser von diesen Dingen Kunde erhalten hatte, rüstete er sich (998) zu einem zweiten Zug nach Italien. Der ehrwürdige Papst Gregor eilte ihm nach Pavia entgegen und berichtete ihm die Schandtaten des Johannes und Crescentius. Der Kaiser begab sich voll Gotteszorn mit dem Papst schleunig nach Rom. Als die Satansknechte dies vernahmen, flüchtete Johannes, während sich Crescentius mit den Seinen in die Engelsburg einschloss. Einige Freunde, mehr noch Christi als des Kaisers, jagten dem Johannes nach, ergriffen ihn, und voll Besorgnis, er könne straflos durchkommen, wenn er vor den Kaiser geführt würde, schnitten sie ihm Nase und Zunge ab und rissen ihm die Augen aus. Nachdem diesen also Gottes Strafe getroffen hatte, konnte Herr Papst Gregor den Apostolischen Stuhl wieder in Ehren einnehmen. Der erhabene Kaiser zog jetzt in Rom ein und feierte daselbst Christi allerheiligste Auferstehung. Gleich nach dem Weißen Sonntag eroberte er tapfer mit Leitern und Sturmmaschinen die Feste, welche Crescentius besetzt hatte und die bislang noch von niemand erobert worden war. Der Kaiser ließ Crescentius nach dessen Gefangennahme enthaupten, von der Burg herabstürzen und mit den Füßen an einem Galgen aufhängen. Unterdes hüllte sich der listenreiche Vater der Bosheit und der Erfinder jeglicher Heimtücke … wiederum in das Schlangenkleid und schlich sich in die Herzen der Römer, blies ihnen Gift ein und beredete sie mit seiner dreispitzigen Zunge, an den Kaiser selbst die gottlosen Hände zu legen. Wie sie aber vom Himmel her der Schild der göttlichen Huld zurückwarf, sodass sie den Kaiser nicht verletzen konnten, nahmen sie in blutigem Morden an allen, die der gerechten Sache anhingen und deren sie habhaft werden konnten, Rache. Man konnte sie von dieser verruchten Empörung nicht abbringen, bis der Kaiser nach Sammlung seiner Getreuen gegen den Willen der rasenden Menge die Stadt verließ, die er früher mehr als jede andere liebte und nun mehr als jede andere verabscheuen musste.
Aus: Annales Quedlinburgenses (Annalen von Quedlinburg) – um 1000, unbekannter Verfasser. Denn da Otto Rom allein gefiel und er das römische Volk vor allen anderen durch Geldgeschenke und Ehren auszeichnete, wollte er für immer in Rom verweilen und in kindischem Spiel die Stadt zu ihrem alten Ruhm und Glanz erheben. Vergebens. Du brauchst nicht lange nach einem hierfür passenden Wort der Bibel zu suchen: »Eitel ist der Menschen Sinnen.« Dies war die Sünde des Königs: das Land seiner Geburt, das liebe Deutschland, wollte er nicht mehr sehen, so groß war seine Sehnsucht, in Italien zu bleiben, wo in tausend Mühen, tausend Todesgefahren schreckliches Unheil gewappnet heranstürmt. Nichts hilft ihm sein Reich, nichts die lästigen Schätze, noch jenes gewaltige Heer, das er vergebens um sich gesammelt hatte. Der gute Kaiser befand sich nicht auf dem rechten Wege, als er die gewaltigen Mauern der übergroßen Roma zu stürzen dachte, denn wenn auch deren Bürger seine Wohltaten nur mit Bösem vergolten hatten, so war doch Rom der von Gott den Aposteln gegebene Sitz. Und selbst da brach die Liebe zu seinem Geburtsland … nicht in ihm durch, das Land des Romulus, vom Blut seiner lieben Getreuen durchtränkt, gefiel in seiner buhlerischen Schönheit dem Kaiser immer noch mehr, er mühte sich zwecklos ab, den erstorbenen Glanz des altersmorschen Rom aufs neue zu beleben.
Aus: Brunonis Vita quinque fratrum (Lebensbeschreibung der fünf Brüder) des Brun von Querfurt.

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Info 21.01.2018 15:37
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