Heinrich II. – Wiederherstellung des Frankenreiches

Nur ein halbes Jahr hatte Heinrich II. um die Krone kämpfen müssen. Nun lag es an ihm, durch siegreichen Kampf die Richtigkeit seiner Erwählung zu beweisen, denn körperliche Vorzüge besaß er nicht, im Gegenteil. Seine schwächliche Gesundheit und ein lahmer Fuß waren eher ein Handicap. Man hat diesen Mann lange unterschätzt, als blassen Frömmler abgetan, der eine »Josefsehe« geführt habe und dessen größte Leistung die Gründung des Bistums Bamberg gewesen sei. Gemessen an den hochfliegenden Plänen Ottos III. wirkt Heinrich II. altväterlich, bieder, bodenständig. Ist aber Politik die »Kunst des Möglichen«, dann hat Heinrich II. die Kaiser Otto II. und Otto III. übertroffen. Es wurde höchste Zeit für einen »Realisten« auf dem Thron, der handfeste Politik zunächst im eigenen Reich betrieb, der die nach Rom und Italien verlagerte Herrschaftsausübung Ottos III. wieder mehr auf Deutschland abstützte. Erst wenn das eigene Haus bestellt war, wollte Heinrich II. den Fuß nach Italien setzen. Diese Art Politik sieht so einfach aus, war aber nach dem Gedankenflug der Ottonen der einzig richtige Weg, selbst wenn er nicht unbedingt vorwärts führte. Das Arbeitsfeld Heinrichs II. war groß genug und verlangte Konzentration, nicht Verzettelung der Kräfte. Erstaunlicherweise hatte Heinrich II. weniger als die Ottonen mit innenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die unangefochtene Stellung, die diesen durch Bewährung im Kampf erst nach Jahren glückte, hat Heinrich II. nach einem halben Jahr des Ringens um die Krone ohne weitere kräftezehrende Auseinandersetzungen erreicht. Zum Teil hing das mit einer weitgehenden Respektierung der Rechte der Stammesherzöge zusammen, aber auch mit der zupackenden und konsequenten Art dieses »sächsischen Baiern«. Großzügigkeit gegenüber den Herzögen konnte sich Heinrich II. erlauben, weil auf die Kirche Verlass war. Wie Otto I. stattete auch er die geistlichen Würdenträger mit reichem Grundbesitz und Rechten aus, behielt sich jedoch weitgehend die Besetzung der Bischofsstühle selbst vor. Die kanonische Wahl dieser einflussreichen Kirchenfürsten war zu bloßer Formsache herabgesunken. Die Wiederbegründung des Bistums Merseburg und die gegen viele Widerstände des Würzburger Bischofs durchgesetzte Gründung des Bistums Bamberg 1007 belegen, wie sehr er, durchdrungen vom priesterlichen Charakter seines Amtes, die Kirche führte und zum Vorteil des Reiches einspannte. Seine Devise war so einfach wie pragmatisch: »Wer viel hat, dem kann auch viel genommen werden.« Die straffe Unterordnung der Kirche unter die Erfordernisse des Königs und Reiches war relativ unproblematisch, solange die Stellung des Königs stark und der Papst von ihm abhängig war, musste aber zu schweren Konflikten führen, wenn ein selbstbewusstes Papsttum die oberste Führung der Kirche voll für sich beanspruchte oder die außerweltliche Aufgabe und Stellung der Kirche betonte. Die Romzüge und der Besitz Italiens fanden gerade hierin ihre entscheidende Berechtigung. Das hat auch Heinrich II. eingesehen, wenngleich er sich nicht mehr mit den universalen Zielen Ottos III. identifizierte. Seine ersten Siegel künden daher auch nicht von einer »Erneuerung des Reiches der Römer«, sondern bescheidener von der »Erneuerung des Reiches der Franken«. Die Kirche erkannte die politische Rückbesinnung auf das Kernland Deutschland dankbar an und unterstützte Heinrich II., als er nach außen die seit Otto III. stark erschütterte Stellung des Reiches zu festigen begann.

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Info 18.12.2017 00:20
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