Heinrich II. und die Kirchenreformbewegung

Die Reformbewegung, von Mönchen des Klosters Cluny in Südfrankreich angeregt, wollte der Verweltlichung des Klosterlebens Einhalt gebieten, Eingriffe kirchlicher Stifter verhindern und den Universalanspruch des Papstes durch Betonung der außerweltlichen Funktion der Kirche stärken. Auf einer gemeinsamen Synode mit dem Papst in Pavia 1022 war Heinrich II. nachdrücklich gegen eine Verweltlichung der Kirche, gegen die Priesterehe und die Verschwendung von Kirchengut eingetreten, ohne sich die übrigen Forderungen der cluniazensischen Reformbewegungen zu eigen zu machen. Sie zu übernehmen, hätte den Zusammenbruch des von Otto I. ausgebauten Reichskirchensystems bedeutet. Die Macht des Reiches beruhte ja gerade auf dem finanziellen, personellen und militärischen Leistungsvermögen der Kirche. Genau hier schwebte ein Konflikt, der für die Zukunft größten Zündstoff barg, wenn nämlich der Machtanspruch des Kaisers auch in kirchlichen Angelegenheiten mit dem aus der Klosterreform abgeleiteten Universalanspruch des Papstes kollidierte. Noch war es nicht soweit. Aber zu einer ersten Kraftprobe zwischen Befürwortern einer alleinigen Zuständigkeit des Papstes in kirchlichen Angelegenheiten und Gegnern einer kurialen Zentralgewalt war es in Deutschland schon gekommen. Wenn der Konflikt nicht offen ausbrach, lag das an den rasch aufeinanderfolgenden Todesfällen des Papstes und Kaiser Heinrichs II. im gleichen Jahr 1024. Heinrich II. wurde gemäß seinem letzten Wunsch im Dom seines Lieblingssitzes Bamberg begraben und 122 Jahre später zusammen mit seiner Gemahlin Kunigunde heiliggesprochen. Seine Leistungen, aus Tatkraft und nüchternem Blick für das Machbare geboren, waren insgesamt wenig spektakulär, sprengten nie den politisch ererbten Rahmen. Aber gerade in dieser konsequenten Erfüllung der alltäglichen Herrscherpflichten ohne viel Aufhebens um die eigene Person, im rastlosen Dienst für Reich und Kirche, ohne es sich bequem zu machen, liegt die Größe dieses Kaisers. Er war im Kleinen groß und im Großen selbstbescheiden, ein »Knecht Gottes« geblieben. In Bamberg, diesem Juwel unter den deutschen Städten, glaubt man wie sonst kaum in einer deutschen Kaiserstadt, Aachen vielleicht ausgenommen, den zielgerichteten Willen dieses letzten Herrschers aus dem sächsischen Stamm zu ahnen.

Forum (Kommentare)

Info 23.11.2017 19:25
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.