Der Schatz der Unterirdischen

In Schleswig-Holstein lebte einmal ein Bauer, der so vom Schatzgraben besessen war, dass er alles andere darüber vernachlässigte. Überall fragte und horchte er herum, wo ein Schatz verborgen sein könne. Das nutzte sein Nachbar aus, mit dem er sich nicht vertrug und der ihn deshalb der Rache der Wichte ausliefern wollte. Er erzählte ihm, dass er eine Höhle der Unterirdischen kenne, die voll von reichen Schätzen sei. Der Bauer war sofort Feuer und Flamme und ließ sich ganz genau die Lage der Höhle beschreiben. Dabei tat er aber so, als ob sie ihm schon längst bekannt sei, nur um die Beute nicht mit seinem Nachbarn teilen zu müssen. Eines Abends machte er sich auf den Weg, und als er an die beschriebene Stelle kam und etwas rascheln hörte, stieß er sofort mit dem Spaten zu. Denn der Nachbar hatte ihm geraten, das zu tun, weil er damit den Drachen töte, der den Schatz bewache. Es gab aber gar keinen Drachen, sondern die Unterirdischen hüteten ihren Schatz selber, und mit dem Spaten hatte er einen von ihnen schwer verletzt. Im Handumdrehen umringte das ganze Wichtelvolk den Bauern. Zwei trugen den Verletzten fort, die anderen aber stürzten sich auf den Eindringling und richteten ihn übel zu. Als er den lieben Gott um Hilfe anflehte, riefen sie: »Wir glauben eher an den lieben Gott als du, sonst wärst du nicht so geldgierig und hättest unseren Wächter überfallen!« Sie hätten ihn sicher umgebracht, wäre nicht in diesem Augenblick ein Priester vorbeigekommen, den er um die letzte Wegzehrung bat. Als der Geistliche herantrat und das Allerheiligste emporhob, ließen die Unterirdischen von ihrem Opfer ab und verschwanden. Der Bauer war nun zwar auf diese Weise am Leben geblieben, aber er wurde seines Daseins nicht mehr froh: Ständig waren seine Wiesen und Felder verwüstet, und all sein Getier starb, sobald es auf die Weide getrieben wurde. Schließlich verkaufte er Hab und Gut und zog in die Fremde, um seinen Rächern zu entkommen.