Heinzelmännchen von Köln

Die Heinzelmännchen von Köln gehörten nicht zu den Zwergen, die verborgen in Wäldern und Höhlen leben, den Menschen ausweichen und sich immer weiter in die Tiefe der Berge zurückziehen. Sie lebten lieber in der Stadt, obwohl sie natürlich unsichtbar blieben, und waren immer da, wenn Hilfe nottat. Die Kölner waren damals brave Bürger, die den lieben Gott gern einen guten Mann sein ließen. Aber ihre Arbeit war trotzdem immer pünktlich getan. Zuerst wunderten sie sich darüber, dann aber merkten sie, dass die Heinzelmännchen am Werke waren. Während die Handwerker zum Beispiel schliefen, zechten oder sonst wie ihre Zeit vertrieben, bauten sie Häuser. Ein Bäckermeister fand am Morgen das frische Brot knusprig und duftend in der Backstube, obwohl seine Gesellen die ganze Nacht geschlafen hatten. Köstliche Würste lagen auf dem Ladentisch des Metzgers, der Tag und Nacht bummelte, und der Staatsrock des Herrn Bürgermeisters hing fertig an der Wand beim Schneider, obwohl der aus lauter Faulheit keinen Stich daran getan hatte. Aber leider war es eines Tages für alle Zeit vorbei mit diesem schönen Leben. Und das kam so: Die junge Schneidersfrau war sehr neugierig und wollte unbedingt mal die Heinzelmännchen sehen und hören. Sie dachte angestrengt nach und fand schließlich ein Mittel, um die Zwerge zu überlisten. Heimlich stand sie in einer Nacht auf, streute Erbsen auf die Treppe und versteckte sich erwartungsvoll hinter der Tür. Da gerade wieder mal ein unfertiges Gewand auf dem Schneidertisch ihres Mannes lag, kamen denn auch bald die Heinzelmännchen. Kaum aber hatten sie die Treppe betreten, als eins nach dem anderen auf den Erbsen ausrutschte und schreiend und jammernd die Stufen hinunterpurzelte. Das tat der Schneidersfrau nun wieder leid, aber als sie mit ihrem Licht in den Hausflur kam, waren die Heinzelmännchen alle verschwunden. Man hat sie nie wieder in Köln gesehen.