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Die dankbaren Lutchen

Die Sage erzählt, dass die ersten Bewohner der Lausitz Lutchen waren: kleine Menschen in roten Kleidchen und kaum größer als eine Katze. Als später die ersten Menschen kamen, wurden die Lutchen ihre Freunde und halfen ihnen, ohne Lohn dafür zu verlangen. Nur eins konnten sie ganz und gar nicht vertragen, die kleinen Leute: das Geläut der Kirchenglocken! Sie pflegten nämlich ihre Toten zu verbrennen und in Urnen beizusetzen. Noch heute werden Scherben davon in der Lausitz gefunden und in Museen aufbewahrt. Einmal war der Schmied aus Kalau unterwegs. Um abzukürzen, wanderte er auf einem schmalen Fußpfad durch moorige Wiesen. Da hörte er plötzlich eine wunderbare Musik, und als er den Tönen folgte, kam er zu einer großen Versammlung von Lutchen, die, um ihren König geschart, gerade ein Fest feierten. Die kleinen Leute waren sehr übermütig, jauchzten und tanzten, und ihr König machte munter mit. Dabei trieb er es so toll, dass ihm sein Krönlein vom Kopf und in den Graben fiel. Entsetzt liefen die kleinen Leute herbei und starrten in das Wasser, das für sie wie ein tiefer, reißender Strom war. Niemand traute sich hinein, um die kostbare Krone zu holen. Das sah der Schmied, trat aus seinem Versteck, stieg ins Wasser, was eine Kleinigkeit für ihn war, und holte das Krönlein heraus. Der kleine König bedankte sich herzlich und meinte, dass der Lohn für diese gute Tat nicht ausbleiben werde. Als der Schmied nach Hause kam, fand er soviel Arbeit vor, dass er sie unmöglich rechtzeitig bewältigen konnte, denn die Menschen waren ungeduldig, und er hatte niemand, der ihm half. Todmüde sank er am Abend ins Bett, konnte aber kaum einschlafen, weil er immer an seine Arbeit denken musste. Da kann man sich vorstellen, wie erstaunt und glücklich er war, als er am nächsten Morgen in seiner Schmiede alle Arbeit aufs Beste getan fand. Und was die Bauern ihm tagsüber zum Schmieden brachten, war am nächsten Morgen wieder gerichtet. So ging es Tage und Wochen lang. Allmählich wurde der Schmied wegen seines Fleißes und seiner sorgfältigen Arbeit im ganzen Land berühmt und ein wohlhabender Mann. Zwar wunderten sich die Leute, dass ein einziger Mensch so viel arbeiten konnte, aber da er immer freundlich und hilfsbereit blieb, gönnten sie ihm sein Glück. Da er nun zu gern wissen wollte, wer ihm so fleißig half, schaute er eines Nachts durchs Schlüsselloch in seine Schmiede und sah eine große Schar Lutchen hämmern, bohren, sägen, feilen und schmieden. In der Mitte stand ihr König und teilte die Arbeit ein. Da ließ der Schmied beim Schneider in der Stadt viele, viele kleine Anzüge arbeiten, die er alle am Heiligen Abend in die Schmiede legte. Die Lutchen freuten sich so über sein Geschenk, dass sie von nun an noch emsiger für ihn arbeiteten. Erst als der Schmied gestorben war, verschwanden die Lutchen für immer aus der Gegend.

emu